Schmusen auf Klangteppich

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Guter Start ins Jahr: Neujahrsjazz im Ledermuseum. Die Gäste genossen ein elegant arrangiertes, gleichsam leichtes Konzert.

Offenbach ‐ Draußen vor dem Ledermuseum türmt sich der Schnee, drinnen im Café wird den Gästen ganz warm ums Herz. Mit rauer, melancholischer Stimme singt Berry Blue von verflossener und neu erblühender Liebe, von Enttäuschung und Hoffnung. Dutzende Besucher sind zum gestrigen Neujahrsjazz ins Museum gekommen und erleben ein elegant arrangiertes Konzert mit Klassikern und Hits, Cover-Versionen und selbst geschriebenen Stücken. Von Denis Düttmann

Gleich beim ersten Instrumentalstück zeigt Christoph Aupperle, was alles in seinem Vibraphon steckt: Mit vier Schlägeln bearbeitet er sein Instrument und entlockt den Resonanzkörpern verspielte Tonläufe. Der Sänger stellt derweil swingend seine Band vor – zuletzt sich selbst: „Mein Name ist Berry Blue – schuppi-duppi-do.“ Weiter geht es mit „Honeysuckle Rose“ von Fats Waller. Wortwörtlich handelt der Song von Bienchen und Blümchen, doch man muss kein Tiefenpsychologe sein, um zu verstehen, dass es nur bedingt um Botanik geht. „Viele Blues-Titel sind ganz schön anzüglich, aber sie sind einfach gut“, sagt Berry.

Begeisterten Beifall erhält der Sänger, als er „Fly Me To The Moon“ anstimmt: Der Song von Bart Howard ist vor allem durch die Interpretation von Frank Sinatra bekannt geworden. Berry meint genau zu wissen, wie das Lied aufs Publikum wirkt: „Da werden die Frauen schwach.“ Doch auch „Close To You“ von Diana Ross und „Moonglow“ von Benny Goodman kommen an, bei Frauen wie Männern.

Den „Blue Bossa“ erkennen die Gäste gleich auf Anhieb

Berry Blue parliert sich lässig durchs Programm, erzählt von der Reise der Band nach Madrid, von der schönen Landschaft eines kleinen US-Bundesstaats, dem er mit „Moonlight in Vermont“ eine Liebeserklärung widmet, und Anekdoten aus dem Leben bekannter Musiker.

Für einen populären Bossa Nova, der regelmäßig bei Jam-Sessions gespielt wird, hat der Offenbacher Jazzer einen eigenen Text geschrieben, nur um kurz darauf festzustellen, dass er zu lange gezögert hat. Mittlerweile gibt es eine Version einer bekannten Künstlerin. Den „Blue Bossa“ aus seiner Feder erkennen die Gäste gleich auf Anhieb.

Kreativ bearbeitet hat Berry Blue auch Ella Fitzgeralds „Wonderful“. Er kombiniert seine Version „Wundervoll“ mit dem Original. Während Julian Keßler an der Gitarre und Jens Dörr am Kontrabass einen feinen Klangteppich weben, sticht Christoph Aupperle mit seinen Perkussions-Einlagen immer wieder hervor, kassiert reichlich Szenenapplaus.

Den Vollblut-Unterhalter gibt jedoch Berry Blue: Bei „I Can’t Give You Anything But Love“ sinkt er gar vor einer Dame in der ersten Reihe auf die Knie – und schenkt ihr allein die romantischen Zeilen.

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