Fahrradbasar des Lions-Clubs Offenbach

Auf die Schnäppchen gestürzt

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335 Käufer fanden beim Basar den passenden fahrbaren Untersatz für Groß und Klein, 105 Verkäufer mussten ihre Räder wieder mit nach Hause nehmen.

Offenbach - Am Ende hat Johanna doch noch ihr Wunsch-Fahrrad bekommen. Mit beiden Händen am Lenkrad schiebt die Vierjährige das rosafarbene Rad mit der gelben Fahnenstange am Gepäckträger zur Kasse. „Ich freue mich“, jubelt sie. Von Ramona Poltrock

Johanna kann es kaum erwarten, bis sie an ihrem fünften Geburtstag endlich in die Pedale treten darf. Gegen so viel Zuneigung können auch ihre Eltern Jennifer und Michael Ruthardt nicht viel ausrichten. Eigentlich wollten sie zu Johannas Geburtstag in etwa zwei Wochen ein geschlechtsneutrales Fahrrad kaufen, damit ihr dreijähriger Bruder Julian dieses später übernehmen kann: „Wir haben das gleiche Modell auch in Blau und 30 Euro billiger gefunden, aber Rosa ist nun mal Rosa. Vielleicht kriegen wir sie überzeugt.“ Stattdessen schlägt noch ein Kinderherz höher: Julian wird stolzer Besitzer eines blauen Gefährts gleichen Modells.

Der Fahrradbasar des Lions-Clubs Offenbach Rhein-Main war am Sonntag Anziehungspunkt für Radfahrer und solche, die es werden wollen. Pünktlich zu Saisonbeginn fand der Markt zum fünften Mal im Parkhaus der Industrie- und Handelskammer statt. „440 Fahrräder sind es dieses Jahr“, freut sich Initiator und Organisator Dr. Stefan Rinke, „das ist Rekord“. Beim ersten Mal waren es 240.

Bei den Profis vorgestellt

Um Fahrradhändlern mögliche Ängste zu nehmen, hat Rinke sich in den ersten zwei Jahren bei den Profis vorgestellt und Aufklärungsarbeit betrieben. „Die Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet – und mittlerweile nehmen auch drei Händler aktiv teil“, erläutert Rinke. „Sie berichten uns, dass sie nach dem Basar mehr Fahrräder verkaufen, weil hier die Leute ihr altes Rad an den Mann bringen können, um sich aktuelle Modelle zu leisten. Es ist also eine Win-Win-Situation.“

Ob Rennräder, Mountain- oder Citybikes, Kinderfahrräder oder Ungewöhnliches wie Ein- und Elektroräder oder Tandems: Alles, was Räder hat und verkehrstüchtig ist, konnte zu erschwinglichen Preisen ver- und gekauft werden. Die Verkäufer bestimmen ihre Preise selbst und hängen entsprechende Zettel ans Rad. Verhandelt wird also nicht.

„Vor allem Familien nehmen das Angebot gern an“, berichtet Rinke. Verständlich, denn Fahrräder wachsen nicht mit den Kindern mit. Wird das Velo verkauft, kommen zum Abschluss die Verkäufer zusammen, um sich an der Kasse auszahlen zu lassen. „Das ganze Projekt birgt einen großen organisatorischen Aufwand, aber wir wissen, wofür wir es tun.“

Verkaufsquote liegt bei 90 Prozent

Die Verkaufsquote liegt laut Rinke bei 90 Prozent. Der Lions-Club erhält jeweils zehn Prozent pro verkauftem Zweirad. Dieser Anteil sowie die Einnahmen aus Kuchen- und Würstchenverkauf kommen jedes Jahr einem anderen Projekt zugute. Diesmal geht die Provision an das Gelbe Haus, ein Projekt der Jugendberufshilfe an der Marienstraße. Der Verein hilft Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf.

„Ungefähr 5 000 Euro sind zusammengekommen“, teilt Organisator Rinke mit, „aber die endgültige Abrechnung steht noch bevor.“ Das „Mammutprojekt“ hat sich jedenfalls gelohnt.

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Doch nicht alle Herzen schlagen an diesem Tag höher. Rosemarie Kurth ist gekommen, um sich ein passendes Damenrad zuzulegen. „Da ich Hüftprobleme habe, brauche ich eins mit einem tiefen Einstieg.“ Gesehen hat sie viele, aber bekommen hat sie keins. „Die Leute haben sich bei der Eröffnung regelrecht auf die Fahrräder gestürzt“, beobachtete ihr Sohn Manfred, „Wenn du da nicht schnell genug bist, bleiben dir nur die teuren Modelle.“

Schließlich bewahrheitet sich Kurths Aussage. „Von den 440 Fahrrädern haben wir 335 verkauft“, berichtet Rinke. „Die restlichen Fahrräder sind die hochpreisigen.“ Diese sind inzwischen an ihre ursprünglichen Besitzer zurückgegangen.

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