Schnäppchen statt Umtausch

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Heiß ging’s in der City her - weil sich die Kunden drängelten und die Stadtgarde musikalisch aufheizte.

Offenbach ‐ Pünktlich um 13 Uhr entstand der erste Innenstadt-Stau des Jahres vor dem KOMM-Parkhaus. Das Center-Management hatte zu einem der sichersten Mittel gegriffen, um die Kunden aus ihrer Neujahrsmüdigkeit zu locken: kostenfreies Parken. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Das zieht, denn viele Verkäufer hören sich regelmäßige Beschwerden über zu hohe Parkgebühren an. Gefehlt haben im Dezember außerdem zwei verkaufsoffene Samstage, die am ersten Weihnachtstag und an Neujahr.  „Gefühlt müsste heute eigentlich Montag sein.“ Mit dieser Wahrnehmung war Armin Bähr, Geschäftsführer des KOMM, offensichtlich nicht alleine. Tausende stürmten die Geschäfte und sorgten für volle Kassen kurz nach der umsatzstarken Weihnachtszeit.

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Verkaufsoffener Sonntag voller Erfolg

Idee des Gewerbevereins Treffpunkt war, den arbeitsfreien Tag zum Umtauschen und zum Einlösen von Gutscheinen anzubieten. Aber beides stand dann gar nicht im Zentrum; die Kunden wollten vielmehr einfach nur kaufen, Schnäppchen machen. In fast allen Läden waren Preisschlachten Auslöser der Kauflaune und erinnerten an einen vorgezogenen Winterschlussverkauf.

Schnäppchenjagd macht hungrig

So auch für Elisabeth Stadelmann aus Bürgel, Stammkundin bei M. Schneider: „Ich weiß, dass ich hier eine große Auswahl und gute Qualität geboten bekomme, da hat mich die 20-Prozent-Aktion natürlich hierher gelockt. Außerdem hat mein Mann heute frei.“

Viele kennen die Aktion des Modehauses auch aus den vergangenen Jahren und nutzten sie einfach einen Tag eher: „Man hat ja heute frei und nichts zu tun!“, lacht eine Rentnerin aus Heusenstamm, die mit Rabattscheinen, Kundenkarte und erbeuteter Ware an der Kasse in Stellung geht.

Schnäppchenjagd macht hungrig: Da kommen die Verpflegungsstände des vom Weihnachtsmarkt zum Neujahrsmarkt umgewidmeten Aliceplatzes gerade richtig. Am Ausgang erinnern die „Icebreakers“ der Stadtgarde in schonungsloser Partylaune, dass das Feiern nicht mit Silvester aufgehört hat, sondern mit der fünften Jahreszeit jetzt erst richtig anfängt. Auf die kann man ein paar Meter weiter im KOMM mit einem original italienischen Prosecco anstoßen, mit dem alle Kunden begrüßt werden. Ab zehn Euro Einkauf gibt’s ein Marzipanglücksschweinchen dazu, „Happy-New-Year“- Dauerbeschallung von Abba inklusive. Karl Storck aus Dreieich sucht mit seiner Frau im Drogeriemarkt Müller nach Glückwunschkarten. „Wir sind am Renovieren und brauchen dringend eine Abwechslung. Außerdem ist es hier schön warm“, erklärt er.

Vorräte müssen aufgefüllt werden

Interessant, nach welchen Kriterien die Menschen Entscheidungen für den Sonntagseinkauf fällen. Und interessant, auf welche immer neue Ideen die Gewerbetreibenden kommen, um die Kunden zu locken. Beim Friseur Meyer & Marks stehen Papiertüten mit Aufschrift vor der Tür: „50 % Rabatt auf alles, was Sie tragen können und in diese Tüte passt“, ein Glas Neujahrssekt inklusive.

Beim Bio-Supermarkt Tegut bilden sich lange Schlangen vor den Kassen: Die Vorräte nach den nahrungsintensiven Tagen müssen wieder aufgefüllt werden.

Einziger „Gutschein-Renner“ sind die Buchläden. Thalia-Filialleiterin Kerstin Födisch: „Jeder zweite kommt, um einen Gutschein einzulösen. Umtäusche erfolgen meist direkt nach Weihnachten, sind aber gar nicht so häufig, wie man sich das immer vorstellt.“

Für den Einzelhandel war der erste verkaufsoffene Sonntag im Jahr jedenfalls ein Volltreffer.

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