Schnäppchenmarkt am Ringcenter

Eine etablierte Veranstaltung

+
Ob die mit Wahrzeichen aus Istanbul bedruckte Bettwäsche, Drogerieartikel, Schmuck, palettenweise Christstollen, Elektronik oder Süßigkeiten aus aller Herren Länder: Tütenweise wechselte die Ware auch bei der ersten Schnäppchenmarkt-Auflage im neuen Jahr den Besitzer.

Offenbach - Jede Ware hat ihren Käufer. Nirgendwo wird das so deutlich wie auf dem Offenbacher Schnäppchenmarkt, der den Parkplatz am Ringcenter einmal im Monat in einen Basar verwandelt. Das bunte Treiben ist für viele Seiten lukrativ, doch die Stadt profitiert kaum. Von Jenny Bieniek

Dass sich zwischen bunten Ballons, Haushaltswaren und Kleiderhändlern inzwischen auch die in Innenstädten allgegenwärtigen Panflötenspieler niedergelassen haben, lässt erahnen, wie groß der Publikumsverkehr beim Offenbacher Schnäppchenmarkt ist. „Das Interesse ist sommers wie winters ungebrochen“, sagt Veranstalter Joachim Weiß und spricht von einer etablierten Veranstaltung.

Von der Jahrmarktstimmung am Odenwaldring profitieren Veranstalter und Händler gleichermaßen. Auch Besitzer von benachbarten Privatparkplätzen haben das Potential erkannt und bieten ihre Stellplätze an Markttagen kostenpflichtig an. Einzig die Stadt Offenbach hat von alledem wenig.

Wenn gegen 11 Uhr an der Haltestelle Marktplatz die Massen in die Busse gen Ringcenter stürmen und Pkw mit MKK-, BÜ- und FB-Nummernschild Parkdeck und umliegende Straßen belagern, haben Unbeteiligte das Nachsehen. Das städtische Ordnungsamt entsendet zu jedem Termin zwei Mitarbeiter, die an Unbelehrbare Knöllchen verteilen. „Die Bußgelder decken in der Regel aber nur die Mitarbeiterkosten“, so Ordnungsamtleiter Peter Weigand.

Stetiger Kontakt zum Ordnungsamt

Weil der Markt auf Privatfläche stattfindet, sei für die Veranstaltung nur eine gewerberechtliche Genehmigung vonnöten. Macht für die Stadt pro Jahr lediglich einen Betrag im niedrigen vierstelligen Bereich. „Trotzdem hat der Markt natürlich Auswirkungen auf den öffentlichen Straßenverkehr. Die Anwohnerstraßen sind an diesem Tag knallevoll, deshalb sind wir vor Ort“, so Peter Weigand.

Um das erhöhte Verkehrsaufkommen rings um das Gelände in den Griff zu kriegen, steht Veranstalter Weiß in stetigem Kontakt mit Ordnungs- und Straßenverkehrsamt. Rund 25 private Sicherheitskräfte regeln den Verkehr, kontrollieren an den aufgestellten Baken, damit die angrenzenden Wohngebiete nicht kollabieren.

Zwei Pendelbusse verkehren zusätzlich zum Linienverkehr zwischen Marktplatz, Ringcenter und dem Hit-Parkplatz an der Sprendlinger Landstraße, den Weiß als zusätzliche Stellplätze angemietet hat. Trotz des Aufwands, den er durch die innerstädtische Lage des Marktes betreiben muss – in anderen Städten liegen seine Märkte meist etwas außerhalb in Industriegebieten – sei der Markt „für alle Seiten lukrativ.“

„Rock & Shop“ im Alten Schlachthof Offenbach

Über den Mietpreis, den Weiß als Veranstalter ans Ringcenter zahlt, schweigt er sich aus. Nur soviel: „Der Preis ist hoch kulant, was sicher auch mit der langjährigen, guten Zusammenarbeit begründet ist.“ Er sieht keinen Anlass, den Standort zu überdenken: „Viele Händler nehmen Wege von weit über Offenbach hinaus auf sich – es muss sich für sie also rentieren.“ Und das trotz des Standpreises von aktuell 35 Euro für den ersten Meter Neuware.

Zwar ist das sonntägliche Treiben für viele Anwohner noch immer ein Ärgernis, aber man registriert, dass Veranstalter und Stadt permanent um Verbesserungen bemüht sind. „Es gibt kaum alternative Flächen, dieser Parkplatz ist mit das größte, was wir haben“, stellt Ordungsamtsleiter Weigand dazu fest. Zuletzt seien ihm jedoch auch keine Beschwerden von Anwohnern mehr untergekommen.

Die schlimmsten Geschenke zum Valentinstag

Die schlimmsten Geschenke zum Valentinstag

Rund 120 Knöllchen standen im Anschluss an die Dezember-Auflage zu Buche. Die Marktbesucher bekommen von den Kontrollgängen indes nichts mit. Wem die Suche auf dem Wühltisch nicht unangenehm ist, der kann Büstenhalter zum echten Schnäppchenpreis von einem Euro erstehen. Die Kommunikation an den Ständen beschränkt sich dabei meist auf das Wesentliche: „Was kostet?“, hört man es hier wie dort rufen. „Jedes Teil ein Euro“, lautet die Ansage der Verkäuferin. „Aber die gehören doch zusammen“, wirft der Interessent ein und hält fragend zwei Starthilfeklemmen in die Luft - eine schwarz, eine rot. Nichts zu machen, es bleibt dabei: Jedes Teil ein Euro. Und so landen die Klemmen wieder in der Kiste.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare