Schneckenberg jetzt Solarhügel

Ex-Mülldeponie mit Photovoltaikanlage bestückt

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Zufriedene Mienen vor der neuen Photovoltaikanlage auf dem Schneckenberg (von links): ESO-Chef Peter Walther, Bürgermeister Peter Schneider, Uwe Kraft (RMN-Aufsichtsratsvorsitzender), Gerd Mehler (RMN-Geschäftsführer) und Andreas Saal (RMN-Prokurist).

Offenbach - Vom Müllberg zum Vorzeigeprojekt für erneuerbare Energien – es ist eine erstaunliche Wandlung, die Offenbachs höchste Erhebung vollzogen hat. Von Matthias Dahmer

Auf der ehemaligen Deponie am Schneckenberg wurde gestern eine vier Millionen Euro teure Photovoltaikanlage vorgestellt, die zu den größten in der Region zählt. Wenn sie voraussichtlich Mitte Januar in Betrieb geht, wird sie jährlich rund 2,8 Millionen Kilowattstunden Strom ins Netz der EVO einspeisen; genug für etwa 1100 Haushalte.

Bauherr und Betreiber der Anlage ist die Rhein-Main Deponienachsorge GmbH (RMN) mit Sitz in Flörsheim-Wicker. Im Auftrag des Stadtdienstleisters ESO zeichnete sie schon für die Sanierung der 179 Meter hohen Abfallhalde verantwortlich.

Mit 12.832 Solarmodulen bestückt

Die RMN hat in den vergangenen zwei Monaten den Berg auf einer Grundfläche von knapp 3,7 Hektar mit 12.832 Solarmodulen bestückt. Die silbrig-glänzende, auf den ersten Blick Unterständen gleichende Konstruktion, die in ihrer Größe vermutlich am besten aus im Landeanflug auf Frankfurt befindlichen Flugzeugen zu erfassen ist, zieht sich nahezu um die ganze Erhebung; lediglich die Nordwestseite ist ausgespart.

Die sei ein „Wohlfühltermin erster Güte“, bekennt der grüne Offenbacher Bürgermeister und Umweltdezernent Peter Schneider gestern am Fuß des Schneckenbergs. Er verweist auf den umweltschonenden Aspekt der Anlage, mit der jährlich 2 400 Tonnen CO2 eingespart werden könnten. Obwohl man zahlreiche Hürden habe überwinden müssen, habe am Ende alles reibungslos geklappt. Er freue sich schon auf die nächsten Projekte, sagt Schneider. Die werden sich mangels geeigneter großer öffentlicher Flächen in der Stadt aber wohl darauf beschränken, Dächer mit Solarmodulen zu bestücken.

Vorbildfunktion in Sachen erneuerbare Energien

ESO-Chef Peter Walther hebt hervor, Offenbach habe mit der Anlage, ohne eigenes Kapital einsetzen zu müssen, seine Vorbildfunktion in Sachen erneuerbare Energien erfüllt.

Er habe angesichts der mehrfach vom Bund reduzierten Einspeise-Vergütung des Öfteren bei der Finanzierung des Projekts die Luft angehalten, erinnert sich der RMN-Aufsichtsratsvorsitzende und Kreisbeigeordnete des Hochtaunuskreises Uwe Kraft. Die Gewinnspanne falle nun entsprechend aus. Er rechne zwar nur mit einer Rendite von einem Prozent, doch man dürfe die ökologischen Nebeneffekte nicht vergessen.

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Mit den untertreibenden Worten, die Umsetzung der Energiewende sei manchmal etwas schwierig, beschreibt RMN-Geschäftsführer den mühsamen Weg zur Photovoltaik auf dem Schneckenberg: Der ist eigentlich ein idealer Standort.

Als normales Bauwerk eingestuft

Weil die Deponie aufgrund ihres Alters gesetzlich aber nicht als Deponie, sondern als Altlast gilt, wurde eine normalerweise unproblematisch zu beantragende Fotovoltaikanlage auf einer Deponie in diesem Fall als normales Bauwerk eingestuft. Folge: Ein bislang nicht existierender Bebauungsplan war nötig, wofür aber zunächst der Flächennutzungsplan geändert werden musste. Hinzu kam die juristische Einstufung des Areals als Wald, wofür auch noch eine Ausgleichsabgabe fällig wurde.

Fast schon nebenbei erwähnt Mehler dann noch, dass wegen des Brandschutzes die Wege für die Feuerwehrfahrzeuge verbreitet wurden. Und: Bei den Solarmodulen war auf die Blendwirkung für Vögel zu achten, den Wildschweinen ist geschuldet, dass der Zaun künftig tiefer in die Erde geht. Möglichen Modul- oder Metallräubern soll das Leben per Videoüberwachung und regelmäßiger Kontrolle des Schneckenbergs schwerer gemacht werden.

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