Kritik an OVB und ESO

Dem Schnee folgt der Ärger

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Trotz aller Räumbemühungen des ESO: Am Dienstagnachmittag blieben Offenbacher Busse im Depot.

Offenbach - Telefonisch und schriftlich entlädt sich am Tag danach der Unmut. Der Ärger nach dem großen Schnee gilt dem Stadtdienstleister ESO, weil der beim Winterdienst versagt habe.  Von Thomas Kirstein

Ebenso den Offenbacher Verkehrs-Betrieben, weil die ab 14 Uhr ihre Busse hatten stehen lassen.

Der Betriebsstopp gilt Lesern wie Roger Zimmas als „organisatorischer Offenbarungseid“, zumal der Schneefall angekündigt war und andere Städte nicht zu dieser drastischen Maßnahme greifen mussten. In Frankfurt ist Zimmas mit dem Bus gut und sogar pünktlich herumgekommen. Als unverantwortlich erachten er und andere Offenbacher, dass Berufskraftfahrer frei bekamen, während Eltern gezwungen waren, bei dieser Wetterlage ihre Kinder mit dem Auto abzuholen. Und immer wieder taucht in Beiträgen die Frage auf, ob man denn nicht mit einem Notfahrplan hätten verkehren können.

„Entscheidung zwischen Pest und Cholera“

OVB-Geschäftsführer Volker Lampmann, der die Stilllegung verfügte, steht zu seinem Entschluss: „Ich hatte mich zwischen Pest und Cholera zu entscheiden.“ Er habe Verständnis für hunderte Kunden, die wütend an den Haltestellen warteten. Für ihn aber sei letztlich das Sicherheitsargument ausschlaggebend gewesen, sagt Lampmann: „Jeder Bremsvorgang ist bei einer solchen Straßenlage ein Risiko. Wäre was mit Fahrgästen passiert, würden Sie mich jetzt deswegen aufhängen.“ Gleichwohl würden die Notfällpläne für die Zukunft überarbeitet. Wobei das Kernproblem unlösbar bleibe, nämlich die fehlende Gelegenheit zu umfassender Kommunikation: „Wir können nicht jedem an jeder Haltestelle mitteilen, wann wo was fährt.“

Der Schneefall war angekündigt, musste jedoch nicht in dieser Heftigkeit erwartet werden. Dass an einem März-Tag innerhalb von 24 Stunden bis zu 15 Zentimeter Neuschnee fielen, sei für Offenbach und die Rhein-Main-Region schon außergewöhnlich und beachtlich, wertet Thomas Ruppert, Medienmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst an der Frankfurter Straße.

Das ist Munition für die Manöverkritik beim Stadtdienstleister ESO, die im Gegensatz zur verbreiteten Bürgermeinung rundum positiv ausfällt. Sprecher Oliver Gaksch betont den Umstand, dass es den ganzen Tag weiter schneite, dass wichtige, bald vom Berufsverkehr verstopfte Straßenzüge mehrfach geräumt und gestreut werden mussten. Der mit der Stadt abgestimmte Winterdienst sei vom gut vorbereiteten Dienstleister auf den Hauptverkehrsadern komplett erfüllt worden.

150 Männer und Frauen im Einsatz

Um 3 Uhr früh begannen laut Gaksch die zehn- bis zwölfstündigen Schichten. Die Rufbereitschaft wurde aktiviert, etwa 150 Männer und Frauen der Abteilungen Straßenreinigung, Grünwesen und Straßenunterhaltung bildeten den Winterdienst. Die sechs Großräumfahrzeuge des ESO waren permanent in der Stadt unterwegs, verteilten mehr als hundert Tonnen Salz, zudem noch Splitt. Dazu kamen kleinere Fahrzeuge entweder mit Schiebern oder Streubehältern. Auch in der Nacht zum Mittwoch sei unverdrossen weiter geräumt worden, entgegnet der Sprecher Beschwerden über zahlreiche gestern noch vereiste Fahrbahnen. Die B 448 fällt nicht in die Zuständigkeit des ESO, vereiste Treppen zu den S-Bahn-Stationen sind Sache der Bahn.

Gakschs Fazit: „Unter diesen schwierigen Verhältnissen haben unsere Leute einen Riesenjob gemacht, die Stadt und der ESO haben sich da nichts vorzuwerfen.“

Winterchaos in der Region

Winterchaos im Rhein-Main-Gebiet

Kein Vorwurf kommt jedenfalls aus einer Branche, die ebenfalls mit den widrigen Verhältnissen fertig werden musste. Bei der Taxivereinigung „Fledermäuse“ bringt man auch Verständnis für die OVB auf. „Wenn so ein 20-Meter-Bus ins Rutschen kommt, hält den keiner auf“, sagt Adi Wehner. Sein Vater Addy bedauert mangelndes Verständnis bei manchen Taxi-Kunden, die nicht akzeptiert hätten, dass bei einer solchen Wetterlage und einem derart großen Bestell-Aufkommen Wartezeiten unvermeidlich waren. „Fledermäuse“ und Taxi-Funk, die sich die 96 Offenbacher Lizenzen teilen, sind indes die Gewinner des Wintereinbruchs im meteorologischen Frühling. „Eine Auftragslage wie an Silvester“, sagt Taxi-Chef Wehner junior.

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