Schneller Lebenshilfe finden

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Mit einem großen Fest am Samstag, 21. Mai, im Waldcafé der Arbeiterwohlfahrt will Gründerin Nadja Winterstein das Netzwerk „Robins Hut“ bekannt machen. Außerdem sollen Spenden für die Arbeit gesammelt werden.

Offenbach - „Deutschland hat das beste Gesundheitssystem der Welt“, ist Nadja Winterstein überzeugt. Trotzdem macht die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie bei der therapeutischen Versorgung einen „totalen Notstand aus“. Von Simone Weil

Das soll mit „Robins Hut e. V.“ anders werden. Das regionale Netzwerk aus Ärzten, Psychologen, Therapeuten und anderen Experten aus Gesundheitswesen und Sozialbereich will unbürokratisch und unkonventionell Hilfe leisten, wenn sich Patienten in akuten seelischen, körperlichen und sozialen Notlagen befinden.

Denn oft genug erlebt es die Ärztin, dass sie nicht weiß, wo sie die Betroffenen hinschicken soll, die sie nicht selbst behandeln kann. Sie rechnet vor: 118.000 Einwohnern stünden in Offenbach etwa 120 Therapeuten gegenüber. Die Nachfrage nach Hilfe sei wegen der Zunahme seelischer Leiden wie Ängsten, Depressionen und chronischem Stress groß und verlängere die Wartezeit oft unzumutbar. „Bei den Erwachsenen sieht es schon schlimm aus, aber bei Kindern ist es eine Katastrophe“, meint die Offenbacherin, die seit zehn Jahren als niedergelassene Therapeutin arbeitet. Um diesen Zustand schleunigst zu ändern, will sie sich nicht nur die entsprechende Qualifikation draufschaffen, um den Nachwuchs selbst behandeln zu können. Sie will vor allem eine Ambulanz für Kinder und Jugendliche einrichten.

Unterstützung unabhängig vom Einkommen

Die anderen Schwerpunkte von „Robins Hut“ sollen Erwachsenen- und Elterntherapie darstellen. Eine Geschäftsstelle als erste Anlaufmöglichkeit für die Beratung soll im neuen Geschäftshaus Marktplatz Offenbach (ehemals Kleider-Frei) entstehen. Dort werden Hilfesuchende „Orientierung in der Unübersichtlichkeit des Gesundheitssystems finden“, wie Winterstein sagt. „Weil bislang von der ersten Panikattacke bis zur richtigen Behandlung oft Jahre vergehen, wie eine Statistik belegt.“

Der Vereinsname ist dem Räuber entliehen, der von den Reichen nahm und den Armen gab und zum Kämpfer für soziale Gerechtigkeit wurde. Die neue Organisation, die derzeit aus einem harten Kern von etwa 20 Mitgliedern besteht, versteht sich ähnlich und will sich dafür einsetzen, dass jeder Bürger unabhängig von Einkommen und sozialer Situation schnell und unbürokratisch Unterstützung bekommt: Weil es Therapien gibt, die grundsätzlich von den Krankenkassen nicht übernommen werden, würde der Verein den Betroffenen in solchen Fällen ein zinsloses Darlehen gewähren, das entweder zurückgezahlt oder mit Arbeit in einer sozialen Einrichtung abgegolten werden könne, sagt Winterstein.

Verein stellt sich mit einem Fest vor

Doch das Netzwerk will vor allem auch dazu beitragen, dass Therapeuten und Patienten schneller und passgenauer zueinander finden und Auslastungslücken gezielt genutzt werden können. Dazu soll ein Internetportal entstehen, das im öffentlich zugänglichen Teil sämtliche organisatorischen Informationen bietet. Interne Daten sind jedoch nur den Mitgliedern zugänglich. Finanziert wird der Verein über Beiträge und Spenden.

Um das Netzwerk bekannt zu machen und Spenden zu sammeln, wird am kommenden Samstag, 21. Mai, ab 20 Uhr im Waldcafé der Arbeiterwohlfahrt im Hainbachtal gefeiert. Dort will sich „Robins Hut e.V.“ erstmals öffentlich vorstellen. Mit dabei sind das Gitarrenduo „14 strings“, die Band „Platt, Schwitz und Biers“, die „Firedancers“ mit ihrer Show Feuertaufe und DJ Woodstock mit entspannter Musik. Außerdem gibt es eine amerikanische Versteigerung und orientalischen Bauchtanz.

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