Schneller strampeln

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Am Drücker: Die Bürgeler Gewerbelandschaft bat am Wochenende zu einem Rundgang.

Offenbach - Wer glaubt, er könnte durch eine verschärfte Trittfrequenz auf einem Fahrrad genug Strom erzeugen, um das Frühstücksei auf dem Herd zu kochen, der überschätzt sich. Über mehrere Minuten müsste er 5000 Watt auf die Pedale bringen. Von Stefan Mangold

Kein noch so fein gedopter Spitzenfahrer schafft das nur annähernd. Aber einen CD-Player zum Klingen zu bringen, das müsste auch für Ungeübte kein Problem sein. Die notwendigen 20 Watt packte jedenfalls jeder, der sich am Sonntag auf der Gewerbeschau Bürgel an der Langstraße am Stand der EVO auf den Ergometer setzte.

Tausende dürften es über den Tag verteilt gewesen sein, die „bei Kaiserwetter“, von dem Oberbürgermeister Horst Schneider zur Eröffnung sprach, die Straße rauf und runter defilierten, vorbei an 51 Ständen. Zum „ Gewerbeverein Bürgel aktiv“ gehörten 37 Anbieter. Andere kamen von Vereinen wie der TSG.

Oder der DJK Sparta Bürgel . Deren Damen präsentierten einen „Drums Alive“, einen Tanz mit Schlagzeugstöcken, die auf Hüpfbällen zum synchronen Einsatz kommen. Die Rumpenheimer Jugendfeuerwehr verkaufte nicht nur Kaffee und Kuchen. Rainer Frank erklärte technisch Interessierten das Boot und das Sonar, ein Gerät, das den Grund des Mains nach Gegenständen und Ertrunkenen abtastet.

Bilder der Gewerbeschau in Bürgel

Gewerbeschau in Bürgel

„Nicht immer ist billig auch preiswert“, mahnte Ulrich Mertens, der Sprecher des Gewerbevereins, der auf der Langstraße eine Immobilienvermittlung führt: „Geschäfte sind auch ein Ort der nachbarschaftlichen Gespräche.“ So viel Trubel wie an diesem Tag gibt es an der Langstraße sonst nicht. Schon seit einiger Zeit ist den meisten Händlern hier zu wenig Publikum unterwegs.

Durch den Ausbau des Mainzer Rings fahren weniger Bürger durch die Straße, „denen beim Anblick des Bäckers das fehlende Brot einfiel“, benennt Susanne Mantz ein Problem. Ihr eigenes Geschäft betrifft das nicht; die stellvertretende Vereinsvorsitzende gestaltet in ihrem Büro Internetseiten und Broschüren. Dafür gab es auch bisher kaum Laufkundschaft. Trotzdem bemängelte sie etwa das Sortiment im Lebensmittelladen, der dem Rewe folgte: „Äußerst dürftig nimmt sich das aus.“

„Etwas weniger Kunden als früher“

Noch zufrieden zeigte sich Annemie Wenzel, „auch wenn etwas weniger Kunden als früher reinkommen“. Tochter Christine Wenzel führt den Blumenladen in der dritten Generation, Mutter Annemie hilft mit. Discounter verkauften „Posten von zwanzig Rosen“. Wer jedoch einen gestalteten Strauß vorziehe, der komme zu ihr.

Problematisch: In einer Straße wirkt sich ein Angebot immer auch auf benachbarte aus. Das Internetcafé neben dem Blumenladen aber locke wohl kaum Kundschaft mit floristischem Feinsinn.

Die Hobby-Imker Brigitte Kümbel und Zvonimir Beck vom Offenbacher Imkerverein verkauften Bürgeler Honig. Anschaulich erklärten sie, warum billig und preiswert nicht das selbe bedeuten. Ein Pfund-Glas Honig kostete an ihrem Stand fünf Euro: „Wir füttern im Sommer keinen Zucker zu, verwenden bei der Bekämpfung von Milben nur biologische Mittel.“ Die Schleuder setzten sie erst in Gang, „wenn der gemessene Wassergehalt im Honig unter 18 Prozent liegt“. Wie es manchen Ketten möglich sei, aus dem Kilo Biohonig für sechs Euro noch Gewinn zu ziehen, „das wissen wir nicht“.

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