Schlaganfall: Schnelles Handeln ist wichtig

Offenbach - Schlaganfall: Ein jäher Riss im Leben. Nichts mehr ist so, wie es vorher war. In Deutschland erleiden pro Jahr rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall.

Er sei die dritthäufigste Todesursache nach Krebs- und Herzerkrankungen, so die neurologische Klinik des Sana Klinikums Offenbach aus Anlass des heutigen bundesweiten Aktionstages der deutschen Schlaganfall-Hilfe. Überlebende leiden oftmals unter einer bleibenden Behinderung. Als Hauptrisikofaktoren gelten Alter, Rauchen, Diabetes mellitus, Übergewicht, hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen.

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„Dank schneller medizinischer Akutversorgung in einer spezialisierten Einrichtung, wie zum Beispiel einer Schlaganfall-Station mit einer Stroke Unit, wie sie das Sana Klinikum Offenbach vorhält, haben viele Schlaganfall-Patienten heute eine deutlich bessere Prognose“ sagt Prof. Dr. Erwin Stark, Chefarzt der Klinik für Neurologie. Doch dies allein reiche nicht aus: Entscheidend sei die schnelle Reaktion der Angehörigen. Vielen Bürgern seien zwar die typischen Schlaganfall-Symptome wie halbseitige Lähmungen oder schiefes Gesicht bekannt. „Doch fehlt ihnen oft das Bewusstsein, dass es sich hierbei um einen akuten Notfall handeln könnte, bei dem sofort der Notarzt alarmiert werden muss“, so der Arzt.

Stark: „Je früher ein Patient einer fachärztlichen Behandlung in einer Klinik zugeführt werden kann, desto besser sind seine Chancen, den Schlaganfall mit wenigen bleibenden Schäden zu überstehen.“ Je länger die Zufuhr von Nährstoffen und Sauerstoff in Teilen des Gehirns unterbrochen ist, je größer sind die irreparablen Hirnschäden und die bleibenden Behinderungen. Innerhalb der ersten viereinhalb Stunden nach einem Schlaganfall bestehen jedoch beste Chancen, ein Blutgerinnsel erfolgreich aufzulösen.

Deshalb beginnt das Team der Stroke Unit sofort mit der Diagnose, um zwischen Infarkt und Blutung per Computertomografie (CT) zu unterscheiden. Umgehend wird dann eine Therapie eingeleitet. Bei der Lysetherapie wird ein den Thrombus (Blutpfropf) zersetzendes Enzym intravenös verabreicht und so die Blutbahn wieder geöffnet. In machen Fällen gelingt dies jedoch nicht vollends. Der Thrombus muss dann mechanisch entfernt werden.

Meist nehmen die Patienten selbst einen Schlaganfall gar nicht als solchen wahr. Umso wichtiger ist die Beobachtung durch andere: Halbseitige Lähmungen, schiefes Gesicht, Sprachstörungen, Übelkeit, Störungen in der räumlichen Orientierung und im Bewusstsein deuten unverkennbar auf einen Schlaganfall hin. Frühe schulische Aufklärung könne viel bewirken, betont Dr. Stark. Ein sehr guter Anfang sei 2010 die Kampagne „Rhein-Main gegen Schlaganfall“ an hessischen Schulen gewesen, wo ab Jahrgang 11 alle Biologie-Leistungskurse über den Schlaganfall informiert wurden. „Ähnliches sollte bald auch für jüngere Schüler angeboten werden“, wünscht sich der Mediziner.

(sjm)

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