Schnelles Urteil im Fall aus Offenbach

Eigene Mutter getötet: Anastasios T. bleibt in Psychiatrie

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Symbolbild

Offenbach - Im Prozess gegen den 22-Jährigen, der seine Mutter mit 95 Messerstichen brutal getötet hat, ist das Urteil gesprochen: Anastasios T. bleibt auf unbestimmte Zeit in der Psychiatrie. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Trotz großer Verwirrung vor Gericht war es letztlich ein einfaches Urteil: Nach nur zwei Verhandlungstagen ordnete die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt an, den Angeklagten weiterhin auf unbestimmte Zeit in der forensichen Psychiatrie Haina zu verwahren.

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T. hatte wie berichtet in der Nacht vom 27. auf den 28. Januar dieses Jahres den Tod seiner Mutter mit 95 Messerstichen verursacht. Drei der Stiche in Lunge und Halsschlagader wären für sich allein schon lebensbedrohlich gewesen. Als der vom Täter selbst unverzüglich alarmierte Rettungsdienst in der Offenbacher Wohnung eintraf, war die 46-Jährige schon verblutet. Der Vorsitzende Richter Volker Wagner folgte mit seiner Entscheidung dem Antrag von Staatsanwältin Sylvia Erdelt, T.s Verteidiger hatte hingegen in seinem Schlussvortrag für eine mit Auflagen untermauerte Aussetzung der psychiatrischen Unterbringung plädiert.

„Es tut mir nicht leid, dass ich verurteilt werde. Die Tat bedaure ich.“ Das sind die letzten Worte des jungen Mannes vor der Urteilsverkündung. An die Handlung selbst kann er sich angeblich nicht erinnern. Irgendwann im umfangreichem Dialog mit der Kammer spricht er sinngemäß davon, dass sein böses Ich ihm gesagt habe, mit Bratpfanne und Messer auf die Mutter loszugehen. Doch was von seinen vielen bizarren Aussagen wirklich wahr ist und was nicht, bringt sogar den erfahrenen Richter an die Grenze seiner guten Menschenkenntnis.

Marco Giesler, Facharzt für Psychiatrie in Haina, kommt als Sachverständiger bei T. zu dem Ergebnis: „Er leidet an einer undifferenzierten Schizophrenie. Trotz Medikamenteneinnahme besteht derzeit ein hohes Risiko zur Wiederholungstat. Die Krankheit erfordert eine mindestens fünfjährige Behandlung.“

Zuvor hatte die Tante des jungen Griechen ausgesagt. Das, was sie berichtete, wirft kein gutes Licht auf die selbst psychisch kranke Mutter des Angeklagten: „Sie hat den Jungen sadistisch behandelt, ihn eingesperrt und hungern lassen“, so die Zeugin. Eine 54-jährige Freundin der Mutter bescheinigt auch für die Zeit später, als T. schon erwachsen war, kein gutes Verhältnis: „Sie haben sich geliebt, aber sie hatte keinen Zugang zu ihm. Kurz vor der Tat sprach sie davon, dass es immer schlimmer werde.“ Drei Stunden vor der Tat hatte die Offenbacherin noch mit der Mutter telefoniert und registriert, dass diese Angst hatte: „Er lächelt so merkwürdig“, habe sie gesagt. Und: „Entweder er tut sich selbst oder jemand anderem etwas an.“ Das sie selbst das Opfer sein würde, hat sie wohl nicht vermutet.

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