Ein Schnitt für Tiere

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Mit Herzblut Tierärztinnen sind Marion und ihre Mutter Brigitte Fenn. Sie kastrieren einmal im Jahr Katzen und Hunde in Spanien, damit diese sich nicht unkontrolliert vermehren

Offenbach - Es ist eine einfache Rechenaufgabe: Zwei Katzendamen bekommen jeweils acht Junge. Angenommen, die Hälfte davon sind Weibchen, die nach sechs Monaten wieder acht Junge bekommen. Schon hat man 64 Kätzchen, die sich munter weiter vermehren. Von Veronika Szeherova

Ein Jahr später sind es mehr als 200. Und immer so weiter. Wenn diese kein Zuhause haben, sondern auf der Straße ums Überleben kämpfen müssen und sich niemand um ihr Schicksal schert, sind Not und Elend programmiert.

Diese Situation ist in südeuropäischen Ländern wie Spanien an der Tagesordnung. Nicht nur Katzen, auch Hunde vermehren sich unkontrolliert und verwahrlosen auf der Straße. Die einzige Möglichkeit, dieser Entwicklung Herr zu werden, ist Kastration. Die Offenbacher Tierärztin Marion Fenn und ihre Mutter Brigitte wissen das – und handeln: „Praktische Hilfe an Ort und Stelle kommt am besten an.“

Während in Offenbach Fastnacht gefeiert wurde, reisten die beiden mit der befreundeten Tierärztin Nannette Welk und drei weiteren Assistentinnen in den Ort Rincón de la Victoria in der Nähe von Málaga. Zur dortigen Tierauffangstation haben die Offenbacherinnen guten Kontakt, haben bereits drei spanische Hunde bei sich zuhause in Bürgel aufgenommen und im vorigen Jahr eine erste Kastrationsaktion gestartet.

Tierarzt stellte nahegelegene Praxis zur Verfügung

„Wir haben dort auf den Tischen operiert, es war damals vollkommen improvisiert“, erinnert sich Marion Fenn. Dieses Jahr waren die Bedingungen besser. Ein Tierarzt stellte ihnen seine nahegelegene Praxis zur Verfügung, wo sie innerhalb von fünf Tagen 41 herrenlose Hunde und Katzen kastrierten. Ihre Operationsmaterialien mussten sie allerdings aus Deutschland mitbringen.

Auch den Flug und die Unterkunft bezahlten die Tierschützerinnen aus eigener Tasche. „Wir haben im Vorfeld Spenden gesammelt, die wir an die Tierauffangstation übergaben“, berichtet Brigitte Fenn. Sie hat großen Respekt vor der Arbeit und dem Engagement von Dolores McNeville, die 1992 von Irland nach Spanien zog, dort unter einfachen Bedingungen lebt und sich ganz dem Tierschutz widmet.

In ihrer Auffangstation Apariv bietet Dolores McNeville herrenlosen Hunden und Katzen einen Zufluchtsort. Wenn sie Glück haben, finden sich sogar neue Besitzer und ein schönes Zuhause. Ansonsten dürfen sie dort ihr ganzes Leben verbringen – ein Hund ist dort schon seit zwölf Jahren. Das ist der Unterschied zu staatlichen Tierheimen in Spanien, wo die Tiere getötet werden, wenn sie nicht innerhalb einer bestimmten Frist vermittelt werden.

Deshalb ist die Kastration so wichtig

Auch deshalb ist die Kastration so wichtig. „Es ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, gibt sich Marion Fenn bescheiden. Doch jede Hilfe zählt. Das Team aus Offenbach und Elz kastrierte 30 Hunde. „Zum Glück verlief alles komplikationslos, die Wundheilung war sehr gut“, freut sich Marion Fenn. Nur ein Hund habe sich die Naht aufgebissen. „Mit Trichter und Einzelhaft lief es gut“, resümiert sie lächelnd.

Die elf Katzen machten mehr Probleme. „Bei der erstbesten Gelegenheit sind sie abgehauen, und wir mussten sie in der ganzen Praxis einfangen. Das war ein Durcheinander“, erzählt Brigitte Fenn. Dank der „herzallerliebsten Kätzchen“ gab es bei den Tierschützerinnen einige Schrammen und Kratzer. Bei zwei Katzendamen stellten sie während der Kastration beginnende Trächtigkeit fest. „Wir kamen gerade rechtzeitig, es war früh genug, um den Eingriff durchzuführen“, so Marion Fenn.

Neben den Kastrationen „in Akkordarbeit“ entfernten die Tierärztinnen auch Zahnstein und bei einem Hund einen offenen Tumor am Bein. Bei einem anderen Vierbeiner behandelten sie eine Herzinsuffizienz; ein Hund litt unter Futtermittelunverträglichkeit und bekam eine Diät verschrieben.

Kaum Zeit zum Verschnaufen

Zeit zum Verschnaufen gab es für die zwei Tierärztinnen und vier Assistentinnen kaum. Im Gegensatz zum dortigen Tierarzt: Der habe den Damen untätig zugeschaut oder „gute Ratschläge“ gegeben – und auch mal seine Verwandten und Bekannten in die Praxis geholt. „Es ging manchmal zu wie in einer Bahnhofshalle, wir haben uns sehr gewundert“, klagt Brigitte Fenn, die für die Machomentalität des spanischen Tierarztes nur ein müdes Lächeln übrig hat. „Trotzdem: Es war nett von ihm, uns die Praxis zur Verfügung zu stellen.“

Zurück nach Offenbach ging es ebenfalls vollbepackt. Nicht mit OP-Zubehör, das blieb für die Aktion im nächsten Jahr zurück. Sondern mit Tieren. Brigitte Fenn: „Drei Hunde und zwei Katzen haben wir mitgebracht, die wir vorher gut vermittelt haben.“

Mehr Informationen zum Auslandstierschutz im spanischen Rincón de la Victoria: www.hundeherzen-apariv.org.

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