Schnittputzbilder bleiben erhalten

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Offenbach ‐ Nun bleiben sie doch, die Schnittputzbilder im Musikantenviertel zwischen Odenwaldring und Klinikum. Wegen einer Fassadensanierung zur Wärmedämmung drohte den Kunstwerken von Maler Adolf Bode das Aus. Von Katharina Platt

Der Erhalt, den der Eigentümer, die GBO, pro Bild auf 80 000 bis 100 000 Euro schätzte, schien anfänglich zu teuer. Die Werke hätten abgenommen und wieder angebracht werden sollen. Auch eine Dämmung von innen schied aus technischen Gründen aus. Dank des großen öffentlichen Interesses fand die gemeinnützige Baugesellschaft nun jedoch einen Betrieb, der die roten und braunen Bilder nach der Dämmung wieder aufträgt. 6 000 bis 9 000 Euro kostet das Abpausen und anschließende Auftragen der Motive jeweils. Eine Summe, die aufzutreiben ist.

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Wir waren überrascht von der Resonanz“, sagte GBO-Geschäftsführer Winfried Männche. Aufgrund eines Artikels in unserer Zeitung hatten sich sowohl Politiker als auch Bewohner und Spezialisten gemeldet. Die Vielzahl sprach sich für einen Erhalt der Bilder aus, die einen Teil Offenbacher Industriegeschichte dokumentieren. „Dieses Stück Kulturgeschichte unserer Heimatstadt sollte unbedingt erhalten bleiben“, kommentierte SPD-Stadtverordneter Lutz Plaueln die Diskussion. Umso mehr freuen sich die Sozialdemokraten nun, dass die Bilder, wenn auch nicht im Original, an den Hauswänden der ehemaligen Werkswohnungen von MAN Roland erhalten bleiben. „Ein Stück Stadtgeschichte der ehemaligen Industriestadt Offenbach ist damit gerettet“, heißt es in der Presseerklärung der SPD. Der GBO, die seit 1996 im Besitz der Häuser ist, lag der Erhalt der großformatigen Motive von Beginn an am Herzen. Weil der tatsächliche Erhalt zu teuer schien, bat Geschäftsführer Winfried Männche den Verein „Lebenszeiten“, der im Quartier ein Mehrgenerationenhaus betreibt, und die Geschichtswerkstatt um Unterstützung bei der geistigen Konservierung der Kunstwerke. „Dass nun doch ein Weg gefunden wurde, die Bilder an den Hauswänden zu belassen, hat uns sehr gefreut“, sagt Männche.

Wer die Arbeit des Vereins "Lebenszeiten" unterstützen möchte, kann sich bei Vorsitzendem Jürgen Platt melden (069 871534 ).

Das erste Haus soll voraussichtlich im nächsten Jahr eine neue Dämmung und damit auch ein neues Bild erhalten. Malermeister Jürgen Jobmann wird voraussichtlich die Darstellungen originalgetreu auf die neuen Fassaden aufbringen. Er hat sich auf Denkmalpflege spezialisiert und kennt die angewandte Technik gut. Dennoch wäre für ihn der Auftrag eine Besonderheit. Für einige Häuser kommt die Maßnahme jedoch schon zu spät. Die Motive im Musikantenviertel, die die fünf Kontinente, Arbeiter mit den Werkzeugen ihrer Zunft oder ein Alphabet zeigen, haben aber eine Zukunft. „Lebenszeiten“ wollen ihre geplanten Projekte zur Erinnerung an die Geschichte der Bilder dennoch umsetzen. Geplant sind Erzählcafés mit Zeitzeugen.

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