Mekka harter Klänge

Schockrocker Lordi mit spektakulärer Bühnenshow

+
Monstermasken in der Turnverein-Halle: Gefertigt hat sie Sänger Mr. Lordi, gelernter Maskenbildner für Film und Theater.

Offenbach - Kaum jemand hat 2006 damit gerechnet, dass die Hardrockband Lordi den Eurovision Song Contest gewinnt. Erst recht lag es fern jeder Vorstellung, dass die Finnen fast sieben Jahre später ein spektakuläres Konzert in Bieber bieten. Von Claus Wolfschlag

Die Halle des Turnvereins war bereits gut gefüllt, als die Vorgruppen das Publikum einstimmten. Mit „Super High Energy Hard Rock“ heizte die kanadische Band Reverse Grip vor. Es folgte die Formation Tristatecorner. Ihr Markenzeichen ist das griechische Zupfinstrument Bouzouki, das ihrem Rock einen Ethno-Touch verleiht.

Das Management habe der deutschen Band die Rolle als Support bei Lordi vermittelt, erzählte der den Merchandising-Stand betreuende Flo. Auftritte in Hamburg und Memmingen seien hervorragend gelaufen, in Geiselwind nicht so gut. Zur Stimmung in Bieber befragt, zeigte sich Flo gelassen: Das erweise sich erst am Ende.

Dunkler, lässiger Kleidungsstil

Fast ausschließlich Deutsche fanden sich ein; dunkler, lässiger Kleidungsstil dominierte. Sonst zeigte sich das Publikum vielfältig. Reife Semester in Rockermontur standen neben gestylten, tätowierten Jugendlichen oder gar einigen Kindern, die mit Ohrstöpseln wohl spielerisch an die Rockkultur herangeführt wurden. Harley-Davidson-Aufnäher zierten Jeansjacken. „Metallica“, „Grave Digger“ oder „Wacken“ stand auf T-Shirts.

Die Lichtanlage blitzte auf und erhellte das Wandgemälde mit Turnern der TV 1861 Bieber. Dann betraten Gestalten in finsteren Kostümen die Bühne und spielten auf. Handgemachte Rockmusik erklang, Hände wurden hochgerissen. Doch die Welt hat sich inzwischen verändert: Das Handy-Zeitalter hat dazu geführt, dass an allen Ecken Smartphones in die Höhe gestreckt wurden, um das Geschehen zu filmen. Scheinbar ist es ungemein aufregend, eine Show durch ein kleines Display zu betrachten...

Mr. Lordi gelernter Maskenbildner

Sänger Mr. Lordi störte das nicht. Er ist gelernter Maskenbildner, so dass Monstermasken den Bandmitgliedern eine schauerliche Note verliehen. Ihr Auftritt wartete mit vielen Einfällen auf. Einem Mann wurde der Kopf mit dem Schlachtermesser abgehackt, einer Keyboard spielenden blonden „Scarbie“ selbiger zwecks Reparatur abmontiert. Skelette hingen am Rand, dem Sänger wuchsen Flügel, Konfetti wurde geschmissen, Rauch schoss aus einer Maschinenpistole, Laser blitzten auf. „Zombie Rock Machine“ tönte der Refrain. Und immer wieder rief Mr. Lordi „Offenbach“, was auf Wohlgefallen stieß.

Zufrieden zeigten sich die Hard‘n’Heavy-Freunde. Dank guter Szenekontakte gewann der junge Verein Lordi für sein zweites Konzert. „Wir wollen einen Gegenpol zur etablierten Clubszene schaffen. Lange gab es keinen Ort für härteren Rock. Die Lücke möchten wir schließen“, sagt Sprecher Ralph Graupner.

Sieben Konzerte in Bieberer Halle gebucht

Für sieben Konzerte ist die Bieberer Halle gebucht, so der stellvertretende Vorsitzende Marc Kremser: „Die Stadthalle ist zu groß, das Capitol zu teuer, im Bürgerhaus Rumpenheim fehlen Backstage-Räume, das KJK ist oft ausgebucht. In Bieber fanden wir sehr gute Bedingungen.“ Nach den Konzerten wird die Halle gesäubert, Lärmrichtwerte werden eingehalten. Die Stadtpolizei führte Messungen durch – und hatte offenbar keine Beanstandung.

Mehr als 400 Gäste besuchten das Konzert. Sie kamen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet. Alexander und Jeanette aus Mainz urteilten: „Es war lang, aber das störte uns nicht, denn es war saugut.“ Sie hören nur Hardrock, keine Charts. Klar: „Von Lordi haben wir alle Alben!“

Die Eurovision-Song-Contest-Gewinner der letzten 10 Jahre

Die Eurovision-Song-Contest-Gewinner der letzten 10 Jahre

Kommentare