Prozess vor Schöffengericht

Grapscherei in der Feiertagsnacht

Offenbach - Ihren Erinnerungen an ein gar nicht schönes Weihnachten musste sich eine 28-jährige Taxifahrerin vor dem Offenbacher Schöffengericht stellen. Die Frau aus einer Taunusgemeinde war vor einem Jahr Opfer von massiven sexuellen Belästigungen geworden.

Für sie wohl tröstlich: Ihr Peiniger muss für ein Jahr und acht Monate in Gefängnis und Entziehungsanstalt. Es war in der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember 2011, dass sie eine Fahrt nach Frankfurt zugeteilt bekam. Der Fahrgast setzte sich auf den Beifahrersitz und sagte, er müsse ins Offenbacherische. Während der Fahrt redete der 40-Jährige auf sie ein und beklagte die Untreue der Frauen. Kurz zuvor hatte ihn eine Bekannte rausgeworfen, weil er betrunken war. Dann fing er an, die Taxifahrerin am Nacken zu streicheln und ihr Komplimente zu machen. Als sie sich das verbat, „Pforten weg!“, folgte er zunächst.

In einer schlecht beleuchteten Straße ließ er gegen 2 Uhr nachts halten. Gleich wurde er zudringlich, forderte die Frau zu Geschlechtsverkehr auf und grapschte ihr zwischen die Beine. Nur mit Gewalt gelang es der Taxifahrerin, den Arm des Mannes von ihr wegzuschieben. Sie wagte nicht, den Alarmknopf zu drücken, weil sie befürchtete, dass der zunehmend aggressivere Mann sie in einer Kurzschlussreaktion aus verletzter Mannesehre verletzen oder umbringen könnte. Aber er stieg aus, urinierte vors Taxi und verschwand laut über die Frauen heutzutage schimpfend in einem Hochhaus.

Betrunken vor Gericht

Die von der Taxifahrerin verständigte Polizei wusste gleich, um wen es sich handelte. Der Alkoholiker wurde aufgesucht und wies etwa zwei Promille im Blut auf. Auch vor Richter Manfred Beck erschien der Mann nicht nüchtern: Er begrüßte das Gericht sehr fröhlich und bezeichnete sich als Künstler. Eine herbeigerufene Polizeistreife stellte 3,10 Promille im Atem fest. Das bedeutete Ordnungshaft – betrunken zur Verhandlung zu erscheinen, gilt als Angriff auf die Würde des Gerichts.

Nach Ausnüchterung ging der Prozess weiter. Der Angeklagte bestritt die Tat zunächst, meinte dann nach der Aussage der Zeugin, so schlimm sei es ja nun auch nicht gewesen. Das Gericht hielt das Opfer für glaubwürdig und verurteilte den Mann wegen dieser Tat und eines Betruges (Prellerei eines anderen Taxifahrers) zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten und mindestens anderthalbjähriger Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Der Mann verblieb in Haft wegen Wiederholungsgefahr.

Gutachter Prof. Dr. Manfred Bauer hatte dem Mann Zurechnungsfähigkeit bescheinigt. Er sei schon von Jugend her extrem an Alkohol gewöhnt. Weitere Strafverfahren erwarten ihn. Unter anderem, weil er einen alten Mann in den Schwitzkasten genommen und gekratzt haben soll. Der Senior hatte ihm in einer Schlange vor einem Aufzug nicht Platz machen wollen.

tk

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