Prozess vor dem Schöffengericht

Dealender Sohn entlarvt seine Mutter

Offenbach (fel) - Mütter und ihre Söhne, das sind bisweilen die besten Partner fürs Leben. Diese Erfahrung teilt das Offenbacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck.

Das Gericht verurteilte eine 40-jährige Offenbacherin zu einer 16-monatigen Gefängnisstrafe, nachdem ihr Sohn beim Verticken von Drogen erwischt worden war.

Die Mutter selbst war erst vor zwei Jahren aus der Frauenhaftanstalt in Frankfurt entlassen worden, wo sie eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren absaß wegen Dealens mit größeren Mengen von Drogen. Einen Teil der Strafe hatte die Strafvollstreckungskammer zur Bewährung ausgesetzt.

Nun wurde die Polizei wieder auf sie aufmerksam, weil ihr minderjähriger Sohn in der Offenbacher Innenstadt Drogen verkaufte. Als die Polizisten den Jugendlichen bei seiner Mutter abliefern wollten, bemerkten die Beamten intensiven Geruch von Marihuana, der ihnen an der Wohnungstür entgegenschlug. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, der als Selbstständiger tätig ist, lagerte sie in der Wohnung etwa 120 Gramm Marihuana und Haschisch sowie etwas Kokain.

„Marihuana-Mama“

„Alles lag in der Wohnung offen herum, so dass der Sohn sich auch daran bedienen konnte“, beschreibt Richter Beck den Fundort der Polizei. Hinweise, dass die Frau die Drogen auch wieder – wie früher – verkaufte, verdichteten sich nicht so sehr, dass ihr ein Dealen sicher nachgewiesen werden konnte.

Eine scharfe Pistole, die ebenfalls in der Wohnung aufgefunden wurde, gehörte dem Lebensgefährten, der glaubhaft machte, dass er die Waffe wegen seiner Arbeit zum Schutz vor Schutzgelderpressern erworben hatte – wenn auch illegal. „Nach dem Fund einer größeren Menge Bargeld in seiner Kleidung konnte er belegen, dass er dieses Geld mit legalen Geschäften erworben hatte“, führt Richter Beck weiter aus.

Die Frau, im Gerichtsflur schon als „Marihuana-Mama“ betitelt, gab an, dass sie nach der Haftentlassung wieder süchtig geworden sei. Da sie jedoch keine ernsthafte Anstrengungen unternommen hat, ihre Sucht zu bekämpfen, sah das Gericht keine Möglichkeit, ihre Strafe zur Bewährung auszusetzen. Das Strafverfahren gegen den Lebensgefährten wird gesondert geführt. Der Sohn der Frau befindet sich inzwischen in einer Wohngruppe außerhalb Offenbachs.

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