Fernsehkoch im Offenbacher Capitol

Horst Lichter gibt Butter bei die Fische

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Gleich gibt es was zu beißen: Horst Lichter bei der Zuschauerspeisung.

Offenbach - Fernsehkoch und Buchautor Horst Lichter kocht und unterhält im Offenbacher Kapitol. Dabei lässt er keinen Seitenhieb auf seine Gildekollegen aus und wird zum Schluss sogar nachdenklich. Von Harald H. Richter

„Bei meinen ersten Tourneen ist das Kochen irgendwie zu kurz gekommen“, gibt der muntere Plauderer freimütig zu. Das ändert Horst Lichter mit seinem aktuellen Programm, das ihn bereits durch rund 40 Städte geführt hat, und überschreibt es mit der verpflichtenden Behauptung „Jetzt kocht er auch noch“. Und zwar richtig, auch im Offenbacher Capitol auf offener Bühne und ebensolcher Flamme.

Mit Schäumchen und winzigen Prisen freilich hat er es nicht so, denn wenn er beim Zubereiten eines Gaumenkitzels ein Flöckchen Butter hinzugibt, handelt es sich in aller Regel um eine gehörige Portion. Auch an Pfeffer und Salz spart er nicht. Und schließlich geben erst reichlich Sahne und Creme fraiche seinen delikaten Soßen den richtigen „Schmackes“. Der rheinischen Frohnatur mit Wohnsitz Schwarzwald gelingt es, dass auch seinem Offenbacher Publikum das Wasser im Mund zusammenläuft, spätestens als die ersten Kochdüfte das weite Rund des Auditoriums erfüllen und die Geruchsrezeptoren der rund 600 Zuschauer erreichen.

Handkameramann Michael sei gedankt, dass während Lichters zweieinhalbstündiger Show auch die entfernt sitzenden Zuschauer über Großleinwand topfguckend jeden Handgriff mitverfolgen können, derweilen der Fernsehkoch und Buchautor in seinem gemütlichen „Gast“-Haus nette Menschen bewirtet. Ihm liegt viel daran, das Publikum einzubinden und so lässt er im Auditorium Auserwählte Geschmacksproben kosten – „lombardisches Haselnuss-Pesto“ auf Bauernbrot etwa, das sich als bekannter Frühstücksaufstrich mit sieben Buchstaben herausstellt, oder gebratenen Parmaschinken unter Spiegelei. Dazu bittet er immer wieder Zuschauer zu Tisch, kredenzt Lachsfilet auf ganzem Kopfsalat und Medaillons in Sahnesoße.

Kurzweiliges aus Gastronomie und Hotellerie

Lichter lässt es brutzeln, garen, köcheln, er schneidet, rührt und filetiert. Der 51-Jährige demonstriert die Unterschiede der Sterne-Gastronomie und seiner Küche auf angerichteten Tellern. Da verliert sich ein winziges Salatblatt neben einem Hauch Dressing auf einer riesigen Platte, während der Lichtersche Teller um vieles üppiger gefüllt ist. Zwischen den Gängen seines Menüs streut er Kurzweiliges aus Gastronomie und Hotellerie ein und spöttelt charmant über seine Gildekollegen. Am besten kommt dabei TV-Kollege Johann Lafer weg („Mein Kochsalz-Copperfield“).

Zu Beginn des zweiten Programmteils öffnet er eine in der Pause aufgestellte Zettelbox und beantwortet Fragen aus dem Publikum, so zum Erscheinen seines nächsten Buchs („im nächsten Jahr“), muss bei mancher Erkundigung allerdings passen („Warum darf man Tiere töten und verspeisen, nicht aber Pflanzen pflücken und sie rauchen?“), hat dafür aber die Lacher auf seiner Seite. Lichter, von vielen als lustigster Fernsehkoch Deutschlands bezeichnet, gibt sich gegen Schluss der Show auch nachdenklich. Geprägt durch eigene und familiäre Schicksalsschläge, mahnt er, das Leben als Geschenk zu begreifen: „Egal, wie alt man ist, es lohnt sich zu leben.“

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