Schöner urteilen im Altbau

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Keine neue Kunsthalle, sondern die renovierten Gänge des alten Amtsgerichts. Präsidentin Elisabeth Fritz (links) führte gestern nach der feierlichen Einweihung mit mehr als 100 Gästen unter anderen Oberbürgermeister Horst Schneider (rechts neben ihr) durch das sanierte Gebäude.

Offenbach - Die Sanierung des alten Offenbacher Amtsgericht wird Baugeschichte schreiben. Nicht weil sie als durchaus gelungen bezeichnet werden kann, sondern weil man bei der Renovierung des Gebäudes in der Kaiserstraße 16 um rund 850.000 Euro unter den veranschlagten Kosten von 10, 7 Millionen geblieben ist. Von Matthias Dahmer

Weil ein überhöhter Kostenvoranschlag ausgeschlossen wird, heimsen gestern Mittag die Landes-Planer einschließlich der Darmstädter Architektin Monika Schneider bei der feierlichen Einweihung nach zweijähriger Umbauzeit auch das meiste Lob ein.

Dass der repräsentative Eingang der Immobilie notwendigerweise zwar mitsaniert ist, die Öffentlichkeit mangels Kontrollpersonal dort aber auf den Zugang im Neubau verwiesen werden muss, ist indes nur am Rande zu erfahren.

Von A wie Al-Wazir, Tarek, bis W wie Wolf, Dr.Wilhelm (Präsident des Landgerichts Gießen), reicht die knapp 70 Namen umfassende Gästeliste. Lokale und regionale Prominenz aus Wirtschaft und Politik sowie die versammelte Repräsentanz der hessischen Justiz sitzt in Saal 103.

Elisabeth Fritz, die Präsidentin des Amtsgerichts, erzählt in ihrer launigen Begrüßung von ihrer noch gar nicht so lange zurückliegenden ersten Begegnung mit ihrer späteren Arbeitsstelle, die während des Umbaus teilweise ins gegenüberliegende einstige Sparkassengebäude ausgelagert war. Sie erinnert an den permanenten Brötchenduft im Erdgeschoss, den mit der Gefahr des Steckenbleibens behafteten Aufzug, die Kantine im Tresorraum, die hellhörigen Wände und die esoterische Hintergrundmusik auf den Gängen, die nur deshalb aus den Lautsprechern drang, weil für sie keine Gema-Gebühr zu bezahlen war.

Das ist nun Geschichte. Präsidentin Fritz ist stolz auf das „behutsam restaurierte“ Gebäude von 1878. Architektin Schneider, der „Frau des Tages“, bescheinigt sie, mit Kreativität und nicht zuletzt Nervenstärke den Charakter des Baus erhalten zu haben.

Auch Justizminister Jörg- Uwe Hahn blickt zurück. Erinnert sich an seine Zeit als Frankfurter Anwalt, der regelmäßig das Mitleid seiner Kollegen auf sich zog, wenn er einen Termin in Offenbach hatte. „Die Bedingungen waren suboptimal, das passte nicht mehr zum Bild der Justiz“, so Hahn. Weshalb er es auch begrüßt habe, dass sein Vorgänger dem Offenbacher Drängen nachgegeben habe.

Schneider sieht in der Sanierung aber auch ein gutes Zeichen für die Kontinuität der Justiz in Offenbach und lobt Hahn dafür, dass er die Arbeitsgerichtsbarkeit in der Stadt belassen hat.

Thomas Platte, Chef des Hessischen Baumanagements, ist an diesem feierlichen Mittag der Mann für die Zahlen: Vom 5. Mai 2008 bis 11. Juni 2010 haben 25 Firmen insgesamt 5 876 Quadratmeter Fläche in Stand gesetzt. 1 700 Euro hat die Sanierung pro Quadratmeter gekostet, „für ein 130 Jahre altes Gebäude ein guter Wert“, meint der Baumanager.

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