Schönheit am Erlenbruch

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Futter? Nö. Finger. Da schwillt dem Federvieh der Kamm und beim Menschennachwuchs wächst die Begeisterung fürs Züchterhobby ins Unermessliche. Darauf setzt der Verein.

Offenbach - Mit Gefiederhauben, Federn an den Krallen, in leuchtenden Rot- und Grüntönen oder auch in einem unauffälligen Mausgrau – so vielfältig und farbenfroh präsentierten sich am Sonntag die tierischen Gewinner, aber auch die weniger erfolgreichen Exemplare der 59. Junggeflügelschau. Von Alexandra Bauer

Veranstalter war der traditionsreiche Verein für Vogel- und Geflügelzucht „Erlenbruch“ auf seinem Zuchtgelände an der Erlenbruchstraße. Die Volièren mit Wassergeflügel, Groß- und Zwerghühnern, Tauben - darunter Brieftauben sowie Ziervögel wie Wachteln, Kanarienvögel, Wellensittiche und Pfauen - waren kaum zu zählen. Unabhängige Gutachter vom Bund deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) hatten das zwischen Februar und April dieses Jahres geborene Federvieh schon am Samstag mit kritischem Auge begutachtet und nach den jeweiligen Rassekriterien bewertet: Farbe, Kamm, Gefieder, Haltung und Form fließen in die Beurteilung der Jungtiere ein.

Auch Neulinge konnten Zuchtergebnisse präsentieren

Nicht nur die erfahrenen Züchter stellten bei dieser Schau ihre geflügelten Zöglinge voller Stolz vor. Auch die Neulinge hatten die Chance, erste Zuchtergebnisse vor die Preisrichter zu bringen. So heimste Mahmud Mihanyar, der erst seit April Hühner züchtet, für einen seiner Zwerg-Welsumer gleich drei Auszeichnungen ein. Darunter den begehrten Titel „Bestes Tier der Schau“. Mihanyar, aus Afghanistan stammend, war entsprechend „stolz darauf, gleich so viel Erfolg zu haben“.

Dass das Hobby sich nicht darauf beschränken kann, durch gezielte Zucht besonders schöne Tiere hervorzubringen, erläuterte Zacharias Leis, auch erst seit diesem Jahr dabei und für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zuständig. Er züchtet Hühner und ist mit diesen Tieren aufs Innigste verbunden: „Ich habe sie als Küken mit der Hand in meiner Wohnung aufgezogen. Daher fällt es mir schwer, mich von ihnen zu trennen.“ Für die Zucht ungeeignete Tiere werden normalerweise geschlachtet. Jedoch schmecken die tierischen Freunde auf dem Mittagstisch nicht, wie Leis zugibt: „Dazu ist das persönliche Verhältnis zu ausgeprägt.

Auch Nachhwuchs züchtet schon fleißig

Nicht nur die Erwachsenen des rund 90 Mitglieder starken Vereins, sondern auch Kinder und Jugendliche zwischen vier und 17 Jahren durften sich bei der Junggeflügelschau mit ihren Ergebnissen profilieren: Ganz in der Tradition der Eltern und Großeltern zeigten sich die neunjährige Stefanie Steinbrückner und der gleichaltrige Mario Rosa: Neben Hunden und Katzen gehören für den Züchternachwuchs Tauben und Hühner zu den Lieblingstieren. Für die kleinen Steinbrückners ist jetzt schon klar, dass sie das Hobby ihrer Familien weiterführen werden.

Auf dem Gelände tummeln sich, nicht nur während einer Schau, auch „Einwanderer“. Auf dem Teich sind Nilgänse aus Afrika zu finden, die ihren europäischen Artgenossen Gesellschaft leisten. Zacharias Leis erläuterte, dass gerade Wassergeflügel nicht so pflegeintensiv sei, wie der Laie annehmen mag: „Es reicht schon, einmal am Tag Futter bereitzustellen und die Volière zu reinigen.“ Dass dies einigen Züchtern nicht ausreicht, zeigt die Tatsache, dass sich auf zahlreichen Parzellen regelrechte Gartenhäuser befinden, in denen sie möglichst viel Zeit in der Nähe ihrer Vereinskollegen und nicht zuletzt bei ihren gefiederten Freunden verbringen können.

Schauvolieren mit bunt bemalten Holzbauten

Und für die Verschönerung der Anlage legen die Mitglieder gerne selbst Hand an. So hat Ferdinand Weigand, der älteste Aktive, einige Schauvolieren mit eigens angefertigten und bunt bemalten Holzbauten verschönert. Die Liebe zum Geflügel hat der aus der Nähe von Marburg stammende Weigand aus Kindertagen nach Offenbach mitgebracht: Auf dem Hof seiner Eltern gab es bereits Schafe, Hunde, Hasen und Tauben. Letzteren ist er auch in der großen Stadt treu geblieben.

Natürlich haben die Damen im Verein auch etwas zu sagen: Nicht allein bei der Bewirtung der Ausstellungsbesucher wirkten sie tatkräftig mit. Fünf von ihnen züchten selbst, was den Vorsitzenden Michael Schmitt besonders freut. „Einige bringen zwar ihre Ehemänner gelegentlich mit. Aber sie selbst kümmern sich um die Zucht.“

Und so schaffe das tierische Hobby gestern wie heute einen guten Ausgleich zum oftmals hektischen und wenig naturverbundenen Leben in der Stadt.

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