Schönheit nicht ohne Dummheit?

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Im Zeichen der Schönheit zurück in die Vergangenheit: Karin Nedela (rechts) erzählte zwischen Kleidern in der Galeria Kaufhof von Schönheitsidealen.

Offenbach ‐ Einen ungewöhnlichen Ort hatte Karin Nedela für ihren literarischen Vortrag „Der dunkle Klang der Schönheit“ am Freitag Abend zur Verfügung: Die Damenbekleidungsabteilung der Galeria Kaufhof. Von Claus Wolfschlag

Mehr als 30 Zuhörer fanden sich neben Pulloverständern ein, um dem unterhaltsamen Vortrag über die Verirrungen weiblicher Moden zu lauschen. Nedela berichtete von überdimensionierten Frauenhauben des Mittelalters, von Urin als Haarpflegemittel, von der Korsettkontroverse, bei der einst auch einige Rippen der auf Schönheit bedachten Damen dran glauben mussten.

Auch heute schädigten sich vor allem Frauen für problematische Schönheitsideale. Man legt sich etwa in die Sonne, um möglichst braun zu werden, und gibt damit dem Hautkrebs Nahrung. Man nähme Rückratverkrümmungen und Sehnenverkürzungen durch das Tragen von High Heels in Kauf.

Auch erwähnte Nedela die moderne Körperchirurgie, etwa Silikonkissen für den Busen. Sie erwähnte auch die modernen Genitalbeschneidungen von Frauen: Angeblich „weil sie ansonsten nicht Rad fahren könnten.“

„Ohne Dummheit gibt´s keine Schönheit“, zog Nedela ihr Resumee, fast im Stil eines Karl Valentin. Sie hatte viele Lacher auf ihrer Seite. Ihre Vortragsweise war locker, schnodderig, kabaretthaft.

Ausstellung noch bis Samstag (21.)

In der zugehörigen Ausstellung „Der Stoff aus dem die Kleider sind“ des „Bundes Offenbacher Künstler“ (BOK) ist sie mit inszenierten Fotografien von Frauen in Gewändern der englischen Tudor-Zeit vertreten. „Frauenrollen, die Frau in der Geschichte – das ist mein Thema“, erläuterte sie. „Ich habe viel über weibliche historische Persönlichkeiten recherchiert. Seit über zehn Jahren inszeniere ich historische Frauenporträts als Fotografien.

Unterstützt wurde die Vortrags-Performance von Miriam Ben Achour und Eleonore Tamm, die als Vanitas-Modell in einem der Renaissance nachempfundenen Kleid, mit Augenmaske und Pfauenfeder-Fächer auftrat.

Zu besuchen ist die Ausstellung des BOK noch bis Samstag, 21. August, in der Damenbekleidungsabteilung der Galeria Kaufhof. Zu sehen sind unter anderem Gemälde von Anja Hantelmann zum Thema „Flip-Flops“. Michaela Haas zeigt „Geisterkleider“ und Friederike Caroline Bachmann hat sich in Fotografien und Wachsarbeiten am Büstenhalter abgearbeitet. Roland Zehetmaier steuert eine Kiefernskulptur bei, Johannes Kriesche Gemälde zur Modewelt.

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