Schöpferische Neugier durch artgerechte Haltung

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Gunter Dueck war Stargast des Tages.

Offenbach - Nicht oft ist das Capitol mit großenteils jungen Leuten besetzt, ohne dass ein Konzert oder eine Bühnenaufführung geboten wird. Nur Vorträge gab es am Donnerstag; nicht von trockener Kost, sondern mit Humor und Vitalität. Von Claus Wolfschlag

Es war die TEDxRheinMain-Konferenz, die zum dritten Mal nach Offenbach lockte. Seit 1990 finden in den USA jährlich TED-Konferenzen statt. Vorträge von Wissenschaftlern, Künstlern, Politikern oder Normalbürgern werden gefilmt und via Internet der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Seit 2005 finden Konferenzen außerhalb der USA statt. TEDx ist ein Ableger für Konferenzen auf regionaler Ebene.

2011 war die Rhein-Main-Gruppe mit der ersten TEDx-Konferenz „Identity/Identität“ gestartet. 2012 folgte eine Reihe unter dem Motto „subject to change“, zu deutsch „Änderung vorbehalten“. Nun stand die Veranstaltung unter dem Leitrahmen „Curiosity/Neugier“.

Drei Blöcke mit vier Vorträgen

In drei Blöcke mit vier Vorträgen gliederte sich der Tag. Die Referenten präsentierten unterschiedliche Herangehensweisen. Der Niederländer Michiel van Iersel referierte zur Architektur, ESA-Missionsanalytiker Markus Landgraf entwarf die Vision eines Weltraumfahrstuhls, Chemiker Michael Braungart die einer Welt ohne Abfall, in der alles als ökologischer Nährstoff dient. Die Darmstädter Design-Professorin Andrea Krajewski beschäftigte sich mit dem Faszinierenden an interaktiven Medien. Und Wolfgang Henseler, Professor für Digitale Medien in Pforzheim, wertete die Gegenwart als Epoche zwischen analogen und digitaler Welt.

Mit Humor stellte Molekularbiologe Rüdiger Trojok Möglichkeiten des Biohackings vor. Es ging um das kreative Spiel mit DNA-Codes und Laborgeräten. Jeder Kaffeeautomat enthalte eine höhere Technologie als viele Laborgeräte, also könne man letztere einfach aus Schrottteilen zusammenbasteln.

Der „schöpferische Imperativ“

Stargast war der Mathematiker Gunter Dueck, der über den „schöpferischen Imperativ“ sprach. Dabei widmete er sich der Frage, wie man sich die Neugierde erhalten könne. Alle Kinder seien bis zum siebten Lebensjahr neugierig, dann komme die Schule mit ihren Lehrplänen, alle säßen herum, hätten keine Lust mehr, die Neugier verschwinde. Werde der Mensch bis zur Schule artgerecht gehalten, versuche man danach eine geradlinige Tulpe aus ihm zu machen. Der ökonomische Imperativ verschlimmere diese Tendenz durch die neuen Bachelor-Studiengänge.

Dueck freute sich sehr, in Offenbach zu sein. „Im Capitol ist eine schöne Atmosphäre. Es ist voll, das Publikum ganz nah.“ Das TEDx-Format liegt ihm: „Schön ist, dass die Vorträge aufgezeichnet und ins Internet gestellt werden. Im Saal erreiche ich 500 Zuhörer, über Youtube 10 000 Zuschauer.“

Das Thema Neugier habe in der Luft gelegen

Das Thema Neugier habe in der Luft gelegen, erklärte Günther Mulder vom Organisationsteam. „Spätestens seitdem im vergangenen Jahr der Marsrover mit dem Namen Curiosity auf dem roten Planeten gelandet ist.“ Mit dem Besuch war er zufrieden. Viele Kreative seien gekommen.

Zu diesen gehörten Mel und Martina, Mitarbeiterinnen der Frankfurter Designagentur „triplesense“. Beide wurden zur Weiterbildung nach Offenbach geschickt. Im Internet hat Martina Videos der Konferenzen gesehen, aber noch keine selbst besucht. Mel zeigte sich angetan: „Während die ersten Vorträge etwas akademisch gerieten, kam es später zum klassischen Ted Talk. Der Redner sagt bildlich: ,Mir ist etwas geschehen. Ich will der Welt etwas vorschlagen.’ Das hat viel Spaß gemacht.“

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