Versandhandel für edle Single Malts

Cola und Eis als Todsünde

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Ob eher mild mit Orangen-Nachklang, mit Rum-Charakter oder klassisch torfig: Jürgen Schinköthe hat mehr als 100 Sorten Single Malts im Angebot. Sein teuerster kostet 269 Euro. „Eine sehr exklusive Ausgabe, die gern an Sammler verschenkt wird“, weiß der Händler.

Offenbach - Für die wenigsten Menschen ist Whisky eine Liebe auf den ersten Schluck. Die ersten Anläufe bei einer Probe schmecken vielleicht noch nicht, „aber bestimmt die letzten. Und dann wird man süchtig“, so die Erfahrung von Jürgen Schinköthe. Von Jenny Bieniek

Der gebürtige Offenbacher weiß, wovon er spricht. Auch er ging „durch die harte Schule“, wie er selbst sagt. „Wer in der Jugend eine schlimme Nacht mit amerikanischem Bourbon verbracht hat, schließt mit Whisky erstmal ab“, erzählt er lachend. Doch amerikanischer ist nicht gleich schottischer Whisky, kurz: Scotch. Schinköthe kam viele Jahre später ebenfalls bei einer Whiskyprobe auf den Geschmack. Damals verfiel er dem Torfgeschmack der schottischen Brennerei Laphroaig. Inzwischen hat er sich mit einem Versandhandel auf Single Malts spezialisiert – jene Whiskys, die ausschließlich aus Gerstenmalz und in nur einer Brennerei hergestellt werden.

Eigentlich arbeitet Schinköthe in der Werbebranche. Den Versandhandel betreibt er seit drei Jahren nebenberuflich von seinem Büro an der Sprendlinger Landstraße aus. Hin und wieder kommen Kunden auch persönlich vorbei, um sich beraten zu lassen. „Es ist eher Hobby als Nebenbeschäftigung“, sagt Schinköthe. Die Leidenschaft für seine edlen Tropfen ist dem Torf-Liebhaber anzumerken. „Dieser hier ist rauchig-herb. Riecht wie eine Eisenbahnschwelle.“ Er zeigt auf eine andere Flasche. „Ein Zehnjähriger wie dieser dagegen riecht medizinisch, nach Krankenhaus.“ Zuviel Begeisterung darf es aber auch nicht sein. Denn: „Wenn man sich in Whisky verliebt, kann man kein Händler sein.“ Zu Hause hat Schinköthe deshalb kaum eine Flasche stehen.

Mehr als 100 Sorten

15 Importeure beliefern den Offenbacher mit mehr als 100 Sorten. Probiert hat er sie alle. „Wenn Kunden fragen, wie dieser oder jener schmeckt, muss ich schließlich was sagen können“, findet der Experte. Um den Überblick zu behalten, hat sich der 60-Jährige ein Test-heft angelegt, in dem er alle wichtigen Daten notiert. Fasstyp, Farbe, Herkunft, Nachklang, Geschmack – zu jedem seiner Whiskys hat er die individuellen Noten festgehalten. Ist das Aroma fruchtig, malzig oder eher würzig?

Regelmäßig veranstaltet Schinköthe Whisky-Tastings und Seminare. Vor allem Junggesellenabschiede, aber auch Firmen, Gaststätten und Hotels buchen ihn. Der typische Whiskytrinker ist um die 50 Jahre alt. „Aber die Fans werden immer jünger“, hat er beobachtet. Sogar 20- bis 25-Jährige kämen immer häufiger. In seinen Seminaren zeigt er den Teilnehmern, wie man einen Whisky richtig trinkt, informiert über Herstellung, Sorten und Geschmacksrichtungen. Er erklärt, wie sogenannte „Kirchenfenster“ und „Legs“ Aufschluss über Konsistenz, Alter und Alkoholgehalt des Whiskys geben – und was gar nicht geht.

Kalender: „Scotland - Land of Whisky 2013“

Kalender: „Scotland - Land of Whisky 2013“

„Auf keinen Fall mit Eis“, benennt der Kenner eine Todsünde beim Whiskytrinken und empfiehlt Zimmertemperatur. „Und bloß nicht mit Cola mischen und einfach runterschütten.“ Für ihn ist Whisky ein Genussmittel und mit einem Stück Nougat vergleichbar: „Davon genießt man ein, zwei am Abend, nicht mehr. Das ist nichts, um sich ins Koma zu saufen.“ Ein vernünftiger Whisky sei ab etwa 30 Euro zu haben.

Weitere Infos: www.whiskyregal.de

Auch vom Tumbler, für die meisten Menschen das klassisches Whisky-Glas schlechthin, hält er nichts. „Die Öffnung ist zu breit, da geht der ganze Geruch verloren.“ Kenner griffen zur Verkostung von Spirituosen stattdessen auf ein verengtes Nosing-Glas zurück. Regelmäßig amüsiert sich Schinköthe auch über Filmszenen, in denen ein Barbesucher an der Theke einen Scotch bestellt und prompt bedient wird. „Ich wüsste ohne weitere Nachfragen gar nicht, was ich demjenigen hinstellen sollte bei der Auswahl.“ Wer’s weniger stark mag, verdünnt seinen Scotch mit ein paar Tropfen Wasser. „Aber bitte nicht mit Mineralwasser, sondern speziellem, natriumarmen“, rät der Experte.

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