Der Schrank zieht mit dem Patienten um

Offenbach ‐ Hoffnung auf Heilung, der Krankenbesuch bei einem Bekannten, eine Geburt - es gibt gute und manchmal lebenswichtige Gründe für den Aufenthalt in einem Krankenhaus. Aber schöne Gründe werden nur den wenigsten Menschen einfallen. Daran wird wohl auch das neue Klinikum nichts ändern. Von Marcus Reinsch

Und selbst am Mittwochabend, als beim Neujahrsempfang des Gesundheitskonzerns am Starkenburgring einige hundert geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesundheitsbranche durchs Gebäude streiften, war das nicht alleine Befriedigung der Neugier. Es diente auch der Heilung latenter Zweifel, dass es trotz Geldmangels und Verzögerung wirklich noch was wird mit dem modernsten Krankenhaus Hessens, Deutschlands, vielleicht Europas. Für welches Gebiet der Superlativ nun tatsächlich in Anspruch genommen werden darf, darüber herrschen unterschiedliche Meinungen.

Eindrücke vom Rundgang

Ein Rundgang durchs neue Krankenhaus

Moderner als jede andere Klinik, in denen sich Kranke aus Stadt und Kreis bisher behandeln ließen, ist das Offenbacher Krankenhaus der Maximalversorgung in jedem Fall. Und der Umstand, dass die Einrichtung bis auf besonders sensible Stücke komplett ist, befördert den Glauben an den Umzugstermin 13./14. April.

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Mancher Wunsch, den Patienten im hoffnungslos maroden Zentralhochhaus mit dem hilflosen Charme der Siebziger heute noch vergeblich hegen, wird dann Standard sein. Es gibt vier Personenaufzüge, die maximal sieben Etagen anfahren müssen. Das verkürzt Wartezeiten auf einen Bruchteil. Für Betten und Material sind eigene Wege reserviert - unter anderem zehn Aufzüge, in denen auch das computergesteuerte Transportsystem Essen, Wäsche und Ähnliches im Haus verteilt.

Wer von einer Station in die nächste umzieht, muss seine Tasche nicht ein- und wieder auspacken. Das Innenleben der Einbauschränke ist mobil. Jeder kann seinen Schrank einfach neben sich herrollen.

Blut- und Gewebeproben, Akten und andere Kleinigkeiten müssen nicht mehr durchs Gebäude getragen, sondern nur noch mit einer modernen Rohrpostanlage durch ein drei Kilometer langes Röhrensystem ans Ziel geschossen werden. Das dauert nur Sekunden. Und auch das medizinische Interieur ist zukunftssicher. Abgeschirmt in einer Beton- und Stahlkammer mit 1,55 Meter dicken Wänden wird zurzeit ein Teilchenbeschleuniger der neuesten Generation montiert, der zugleich für Computertomografie und Strahlentherapie eingesetzt werden kann. Er hat eine von der zentralen Stromversorgung unabhängig arbeitende Leitung und einen Preis, über den die Klinik schweigt. „Aber nicht mehr als drei bis vier Millionen Euro“, das ist dann doch noch zu erfahren.

Rubriklistenbild: © Georg

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