Internationale Wirkkraft

Offenbach - Wenn Professor Gottfried Pott von den Anfängen erzählt, leuchten seine Augen. 1981 erhielt Schriftkünstler Professor Karlgeorg Hoefer eine Einladung, einen Workshop in den USA zu leiten. „Dort war sein Name bekannter als hier“, glaubt Pott. Von Markus Terharn

„Der Erfolg war so groß, dass Hoefer fand: So was müssen wir in Offenbach machen!“. Ein Lichtbildervortrag von Hoefer und seiner Frau Maria lieferte im September 1982 die Initialzündung. „Schreibkurse für jedermann“ hieß das Konzept zunächst. Pott, der anwesend war, erinnert sich: „Ich hatte Panik, nicht berücksichtigt zu werden.“ Er setzte einen Brief an Hoefer auf – mit Erfolg: Pott war Kursteilnehmer der ersten Stunde. Aus der Begegnung erwuchs eine Freundschaft, die bis zum Tod der Hoefers (1998/2000) dauerte.

Und aus den Kursen ging, mit einem Vorlauf von fünf Jahren, die Schreibwerkstatt Klingspor hervor. Seit 1987 hat der Förderkreis Internationaler Kalligrafie mit mehr als 200 Mitgliedern in mehr als 300 Kursen mehr als 4500 Interessenten in der Kunst des Schreibens unterrichtet. Sie kamen aus Deutschland und Nachbarländern nach Offenbach. Mehr als die Hälfte der 65 Dozenten stammte aus dem Ausland. Die Idee strahlte europaweit aus: In Italien, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien gründeten sich ähnliche Vereinigungen nach hiesigem Vorbild.

„Hoefer war ein großer Mutmacher“

„Hoefer war ein großer Mutmacher“, rühmt Pott. „Er konnte fesseln, inspirieren, mitreißen.“ Pott nennt weitere „Weggefährten“; so heißt eine Ausstellungsreihe im 2009 gegründeten Karlgeorg-und-Maria-Hoefer-Archiv an der Breiten Gasse in Rumpenheim. „Hans Schmidt ist der bedeutendste Schriftkünstler im Dreidimensionalen“ – der 89-jährige Professor arbeitet immer noch sehr experimentell mit Ton, Stahl und Holz. Hermann Zapf hatte den Einfall, die Kurse zu nummerieren. Herbert Maring ist einziges Ehrenmitglied des Vereins. Und Albert Schmalz gilt als exzellenter Techniker.

Sie sind vertreten in der von Pott kuratierten, von Ministerpräsident Volker Bouffier beschirmten Ausstellung „Bewegt schreiben – Schreiben bewegt“ ab 24. Juni im Klingspormuseum. Den Hoefers ist ein eigener Raum gewidmet. Sonst ist ein breites Spektrum zu erleben, „Profis erster Güte und absolute Laien“, wie Pott zuspitzt. Mehr als 100 Künstler sandten Arbeiten ein, von denen 150 an Wänden und in Vitrinen zu sehen sind. Bemerkenswert findet Museumsdirektor Dr. Stefan Soltek den hohen Anteil an Falt- und Buchobjekten sowie die Qualität.

„Nicht nur schön, sondern gut zu schreiben“

Kalligrafie bedeutet für Pott, „nicht nur schön, sondern gut zu schreiben, dem Inhalt entsprechend“. Sein Beispiel: „Über Krieg schreibe ich doch nicht schön. Aber es kann tolle Kalligrafie sein!“ Und wenn der Gehalt vor lauter Gestalt nicht mehr zu entziffern ist? Potts einfache Formel lautet: „So viel Lesbarkeit wie nötig, so viel Bildwirkung wie möglich.“

Um die Kunst des Umgangs mit Stift, Feder oder Pinsel ist Pott auch im Computerzeitalter wenig bange. Grund: „Dieses Schreibgerät ist immer noch verdammt schnell!“ Der Experte mahnt aber: „Schreiben braucht Pflege. Wir müssen achtgeben, diese mehr als 2000 Jahre alte Kulturtechnik nicht zu verlieren...“

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 24. Juni, 11.30 Uhr, im Klingspormuseum (Herrnstraße 80). Zu sehen ist sie bis 5. August. Den reich bebilderten Katalog ermöglichen Vereinsmitglieder mit namhaften Spenden. Wer sich von Gottfried Potts Begeisterung anstecken lassen will: Am Sonntag, 1. Juli, 11.30 Uhr, leitet der Professor eine Führung. Am Sontag, 5. August, präsentiert er sein Schreibmeisterbuch „A letter collection“, das er dem Haus anlässlich einer Einzelausstellung im vergangenen Jahr geschenkt hat.

Rubriklistenbild: © dpa

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