Detektive, Vampire und ein Panda

Schriftsteller Helmut Barz hat eine bunte Geschichtenwelt erschaffen

Sechs Romane hat Helmut Barz bislang verfasst, sein siebter erscheint im Mai.
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Sechs Romane hat Helmut Barz bislang verfasst, sein siebter erscheint im Mai.

In den sechs Romanen des Offenbachers kamen schon Vampire, Detektive und ein Panda vor. Im Mai erscheint das siebte Buch von Barz.

Offenbach – Die Wände der Eigentumswohnung im Lauterborn sind von Bücherregalen gesäumt. Science-Fiction, Fantasy, Humoristisches – hier türmen sich die Geschichten. Genau das richtige Umfeld für Helmut Barz, der in diesen vier Wänden bereits sechs Romane zu Papier gebracht hat. Erschienen sind sie in kleinen Verlagen, erhältlich im normalen Buchhandel.

Aber wie ist der 50-Jährige eigentlich zum Schriftsteller geworden? „Das ist sozusagen eine Familienkrankheit“, sagt Barz mit einem Augenzwinkern. „Mein Vater war Schriftsteller, deswegen war es für mich von klein auf ganz normal, mit Sprache umzugehen, mir Geschichten auszudenken, zu erzählen und aufzuschreiben.“Das habe sich so durch sein ganzes Leben gezogen. „Im Studium habe ich aber erst einmal den Umweg über das Theater genommen.“ Zuerst in Gießen, dann in Frankfurt studierte Barz Theater-Regie. Die geringen Gagen und wenigen Engagements, die man als Nachwuchsregisseur erhält, haben ihn damals motiviert, sich nach zusätzlichen Einnahmequellen umzusehen. „Also habe ich mir ein zweites Standbein in der Werbung aufgebaut.“

Texten, übersetzen und auch Filme inszenieren – im Werbereich fand Helmut Barz eine überraschende Spielwiese für seine Kreativität. „Bis 2003 die große Krise für die Werbung kam.“ Damals habe die Wirtschaft besonders die Nachwirkungen des Terroranschlags vom 11. September 2001 gespürt und die Werbebranche massive Einbußen erlitten. „Ich hatte damals auch gesundheitliche Probleme – und plötzlich sehr viel Zeit.“ Zeit, die der pfiffige Kreative nicht ungenutzt verstreichen lassen wollte. Und so erblickte sein erster Roman, die Vampirgeschichte „Die Herrin“, das Licht der Welt.

„Ich hatte einmal eine Anfrage von einem Theater, ob man nicht die Dracula-Geschichte in eine norddeutsche Kleinstadt verlagern könnte“, erinnert sich Barz an die Anfänge seines Roman-Debüts. „Das funktioniert nicht so hundertprozentig, weil ‘Dracula’ – zumindest der Teil, der in London spielt – die Großstadt braucht.“ Also habe er sich überlegt, die Geschichte einfach umzudrehen. „Was, wenn der Vampir schon immer da ist, und alle sich irgendwie damit arrangiert haben? Er bekommt seine sieben Opfer im Jahr, aber er ist alt, reich und hält ansonsten die ganze Gemeinde am Leben. Der eigentliche Eindringling ist dann der Vampirjäger.“ Das Stück aus Barz’ Feder gelangte nie zur Ausführung, aber einem Theaterdramaturgen gefiel es so gut, dass er dem Autor nahelegte, doch einfach ein Buch daraus zu machen.

Wie der Vampir in „Die Herrin“ hat Barz nach seinem ersten Roman Blut geleckt – rein metaphorisch, versteht sich. Wenig später unterhält der Autor sich mit einer befreundeten Schauspielerin, deren Vater Deutscher und Mutter Koreanerin ist. Aufgrund ihres Aussehens bekomme sie nur klischeehafte Asiaten-Rollen angeboten, klagt sie ihm ihr Leid. Barz’ Ehrgeiz und Kreativität sind erneut geweckt. Also erfindet er, von dieser Freundin inspiriert, die Kommissarin Katharina Klein, die auf ihre ganz eigene Weise Kriminalfälle löst, „am liebsten mit dem Kopf durch die Wand und der Waffe in der Hand“. In vier Krimis darf Klein ermitteln, dann stellt der Sutton-Verlag, in dem die Reihe erscheint, sein Belletristik-Programm ein.

Barz macht aus der Not eine Tugend und schreibt kurzerhand seinen ersten Fantasy-Roman, „Ein dreckiger Job“. Rückblickend sagt er: „Ich habe mit Verlagen einfach Pech gehabt“, denn der Feder & Schwert-Verlag, der das Buch herausbringt, geht kurze Zeit später in Konkurs.

Doch Barz lässt sich nicht unterkriegen. Erneut nutzt er die Gelegenheit, um frische Pfade zu erkunden. Sein siebter Roman, „Brumm!“, erscheint am 10. Mai im Selbstverlag. „Das wird etwas, was ich vorher noch nie gemacht habe“, verrät er. „Satirische Belletristik.“ Die Geschichte handelt von einem Angestellten, dessen triste Existenz eine verblüffende Wendung nimmt, als er eines Tages ein Panda-Kostüm findet. Denn plötzlich beginnt er, sich als Panda zu identifizieren und entwickelt immer anarchistischere Verhaltensweisen...

Ohne Verlag im Rücken versucht Helmut Barz, die Veröffentlichung per Schwarmfinanzierung zu stemmen. Noch bis 9. April lässt sich auf der Plattform Startnext (www.startnext.com/brumm) dafür spenden. Unterstützt wird das Projekt auch von der regionalen Kulturförderung „KulturMut“.

VON MARIAN MEIDEL

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