Schriftstücke für die Nachwelt

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Peter Bliemel wird die Max-Dorn-Briefesammlung transkribieren.

Offenbach - „Was glänzt, ist für den Augenblick geboren, das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.“ Eine Weisheit, die der Offenbacher Schriftkünstler Karlgeorg Hoefer einst auf ein Blatt schrieb und so ein Kunstwerk schuf, das seine Intention vorwegnimmt. Von Veronika Szeherova

Stefan Soltek zeigt die Kalligraphien Hoefers.

Der Nachwelt ist er erhalten geblieben, der Professor der Offenbacher Werkkunstschule (heute HfG), der im Jahr 2000 verstarb und zu den ganz Großen der weltweiten Kalligrafie zählte. Nun ist ein Teil seiner Werke nach Offenbach zurückgekehrt. Das Klingspor Museum bekam eine Schenkung anlässlich seiner aktuellen Ausstellung „Bewegt schreiben, Schreiben bewegt. 25 Jahre Schreibwerkstatt Klingspor“: Der Schriftdesigner Prof. Gottfried Pott übergab dem Museum ein Konvolut mit frühen Kalligrafien von Hoefer, die er aus dem Nachlass des Meisterbuchbinders Gotthilf Kurz ersteigert hat.

Die Blätter stammen aus den Jahren 1947 und ’48. Von der Unziale über Gotisch, deutscher Kurrentschrift bis hin zur Antiqua – die vielfältigen Schriften an sich sind schon eine wahre Kunst. Vervollkommnet werden sie durch ihre geometrische Gestaltungsform.

Wenig über Schaffensperiode Hoefers bekannt

„Man erkennt hier die ganze schriftschreiberische und gestalterische Weite der Zeit“, schwärmt Museumsleiter Stefan Soltek. Über diese Schaffensperiode Hoefers, der in der Tradition bekannter Schreibkünstler wie Rudolf Koch und Rudo Speman steht, ist wenig bekannt. Einige dieser Blätter beinhalten eine persönliche Widmung an Kurz.

Was für ein Unterschied zum häufigsten Schreibmittel unserer Zeit, der E-Mail. Kaum vorstellbar, dass es in 100 Jahren Ausstellungen davon geben könnte. Briefe hingegen sind für ein Schriftmuseum eine Bereicherung: Originale und originelle Briefe an Max Dorn aus den 1920ern bis in die 1950er-Jahre, handgeschrieben oder mit der Schreibmaschine, sind eine zweite Schenkung, über die sich das Klingspor Museum freut. Der Adressat Max Dorn war langjähriger Leiter der Hausdruckerei bei Gebr. Klingspor und später Gründer der Max-Dorn-Presse in Offenbach. Die Briefe sind Zeugen seiner Korrespondenz mit zum Teil namhaften Verfassern und prägenden Persönlichkeiten des Buch- und Schriftwesens. Neben Rudolf Koch sind darunter auch Schriftkünstler wie Warren Chappell, Victor Hammer oder Hermann Zapf, der Illustrator Fritz Kredel oder Anton Kippenberg, der Leiter des Insel-Verlags.

Soltek freut sich über Schenkung

„Briefe sind uns willkommen, aber wir kaufen sie nur selten“, sagt Museumsleiter Soltek. „Deshalb freuen wir uns sehr über diese Schenkung.“ Max Dorns Großneffe Stephan Dorn übergab sie zusammen mit drei Bänden aus der Handbibliothek von Rudolf Koch. Die Buchausstattung der Psalmen Davids und des Liederbuches „Der Dom“ hat Koch selbst angefertigt, die Lederbände mit Goldprägung versehen. Angefasst werden dürfen diese im wahrsten Sinne des Wortes nur mit Samthandschuhen.

Viel Arbeit steht den Museumsmitarbeitern noch bevor. So wird Peter Bliemel die Briefe transkribieren. „Junge Leute haben heute Probleme, die Schrift zu entziffern“, erläutert Soltek. Weniger mühsam ist das Lesen eines Briefs, den der frühere Chefredakteur unserer Zeitung, Lothar R. Braun, am 8. April 1958 mit der Schreibmaschine geschrieben hat. Er bedankt sich darin bei Dorn für ein Interview und das kleine ABC-Kästchen, das er von ihm geschenkt bekam. Viel Freude habe er damit gehabt. Und wir nun an seinem Brief...

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