Schritt hin zur Filmer-WM

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Der beste Film beim hessischen Landesfilmfestival ist eine Offenbacher Produktion. Werner Eichhorn (links) nimmt seine Zuschauer auf den Spuren von Johannes Brahms mit auf die Insel Rügen. Seit 40 Jahren ist Eichhorn Mitglied des Filmclubs Offenbachs. Vorsitzender Thomas Kempf zeichnete den Aktiven dafür aus.

Offenbach - (ddü) Eine Biene surrt durch ein Feld weißer Krokusse, fliegt von Blüte zu Blüte, lässt sich schließlich lässt auf einem Blatt nieder und saugt den Nektar aus dem Kelch. Atmosphärische Weltmusik untermalt die friedliche Szenerie, die Kamera gleitet sanft über das Blütenmeer.

Der achtminütige Kurzfilm „Perlen der Natur“ des Darmstädters Robert Treusch ist eine Hommage an die Schönheit der kleinen Dinge, eine Liebeserklärung an die Wunder der Schöpfung.

Beim Landesfilmfestival am Samstag im Ledermuseum präsentierten Autoren aus ganz Hessen 21 Kurzfilme - die Bandbreite reichte von Dokumentationen und Reisereportagen über stimmungsvolle Clips bis hin zu Kunstfilmen. Die Amateurfilmer hatten sich zuvor auf verschiedenen Regionalwettbewerben qualifiziert, nur die Besten durften nach Offenbach kommen. Wer hier die Jury überzeugen kann, wird zum Bundeswettbewerb weiter gemeldet, dann zum Deutschen Filmfestival und schließlich zur UNICA, der Weltmeisterschaft der Filmamateure. „Das Niveau der Filme ist sehr hoch. Es ist uns gelungen, die Qualität in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu steigern“, sagt der Vorsitzende des Offenbacher FilmclubsThomas Kempf. Zum ersten Mal dauert das Filmfestival in diesem Jahr jedoch nur einen Tag - zu wenige Hobby-Filmer hatten ihre Werke eingereicht. „Wie viele Vereine haben auch wir mit erheblichen Nachwuchsproblemen zu kämpfen“, klagt Kempf. „Von unseren 60 Mitgliedern sind nur noch zehn aktive Filmemacher, und die werden auch nicht jünger.“ Weil ein anderer Verein mit der Organisation überfordert ist, werden die Offenbacher auch das zweite Festival im Herbst organisieren - die kostenlose Nutzung des Saals im Ledermuseum ist bereits zugesagt.

Am Samstag gingen die Besucher mit Helmut Krah auf Safari, blätterten im Florida-Tagebuch von Hans-Peter Gebhart oder wandelten mit Werner Eichhorn auf den Spuren von Johannes Brahms. In „Bambus, Holz und Seide“ besuchten sie kleine Werkstätten in Nordthailand und lernten das traditionelle Handwerk kennen. Frauen fertigen filigrane Sonnenschirme und bemalen sie mit Ornamenten. „Schirme spielen in Thailand eine große Rolle“, erklärt Ingeborg Riedel aus dem Off. „Sie begleiten den jungen Mann ins Kloster und den Toten auf seinem letzten Weg.“ Ein paar Straßen weiter werkeln Holzschnitzer. Einer schlägt mit Hammer und Meißel ein detailreiches Relief aus einer Holzplatte - die romantische Dorfansicht mit Hütten, Palmen und arbeitenden Bauern soll einmal das Kopfteil eines Bettgestells schmücken. Immer nah am Geschehen, aber niemals aufdringlich verfolgt die Kamera das emsige Schaffen der Handwerker. Ehrfurchtsvoll gleitet sie die sinnlichen Formen einer Tempeltänzerin aus Holz entlang, aufmerksam dokumentiert sie, wie an historischen Webstühlen elegante Seidenkleider entstehen. Autor Paul Riedel gewährt dem Publikum einen zwölfminütigen Einblick in jahrhunderte alte Traditionen und verzaubert mit starken Bildern.

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