Offenbacher Magistrat beschließt fortgeschriebene Fassung des Entwicklungskonzepts für das ehemalige Allessa-Gelände

Schub durch Samson

Konzept für die Industriebrache: Die Revitalisierung und Entwicklung der mit etwa 36 Hektar größten zusammenhängenden innerstädtischen Entwicklungsfläche in der Region (ehemals Allessa) haben sich die Stadt und die Innovationscampus GmbH zur Aufgabe gemacht.
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Konzept für die Industriebrache: Die Revitalisierung und Entwicklung der mit etwa 36 Hektar größten zusammenhängenden innerstädtischen Entwicklungsfläche in der Region (ehemals Allessa) haben sich die Stadt und die Innovationscampus GmbH zur Aufgabe gemacht.

Fährt der geneigte Offenbacher am einstigen Chemie-Standort entlang, erkennt er kaum eine Veränderung. Daran wird sich in absehbarer Zeit nicht viel ändern. Gleichwohl wirken alle Beteiligten im Hintergrund, planen, stimmen sich ab, akquirieren, schreiben fort. Dazu zählt, dass der Magistrat eine fortgeschriebene Fassung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) für das Gelände beschlossen hat. Es dient dazu, Fristen zu wahren und zugesagte Fördergelder nicht zu verlieren.

Offenbach - Das alles klingt abstrakt, weiß Oberbürgermeister Felix Schwenke. Man mag ihm da kaum zu widersprechen. Der Bürger will etwas sehen, fühlen, riechen. Mit formal notwendigen Verwaltungsprozessen hat er wenig gemein – und doch sind sie erforderlich bei einem solchen Projekt. So würden Journalisten gestern gern erfahren, ob es nach dem feststehenden Umzug des Ventilherstellers Samson weitere Neuansiedlungen zu vermelden gibt. In seiner Funktion als Wirtschaftsförderer sagt Schwenke: „Wir lehnen uns nicht zurück; wir sind in weiteren Gesprächen. Punkt.“ Ihm Namen zu entlocken, scheitert an einer professionellen Mauer des Schweigens.

Fest steht: In dem Umbau des zirka 36 Hektar großen ehemaligen Chemiepark fließen Bundes- und Landesmittel. Diese decken nahezu 70 Prozent der förderfähigen Kosten ab. „Diese Fördermittel sind an Bedingungen geknüpft. Das ist nun zu verzahnen mit den Planungen von Samson“, sagt Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. Da sei eine gewisse Flexibilität erforderlich. Fürs alte Allessa-Areal macht er’s an einem Beispiel fest: Das Prinzip der Öffnung mittels einer „Durchwegung für Fußgänger und Radfahrer“ bleibt bestehen, das dafür vorgesehene Innovationsband wird es so aber nicht geben, da dieses Teil des künftigen Samson-Geländes sein wird.

Frankfurter Traditionsunternehmen zieht es nach Offenbach

Das Frankfurter Traditionsunternehmen - so viel steht fest - darf als Magnet für die Brache betrachtet werden. „Die Übersiedlung von Samson war ein Riesenschritt fürs Marketing“, urteilt Daniela Matha, Geschäftsführerin INNO Innovationscampus Offenbach GmbH. Das Areal sei eine der letzten zusammenhängenden innerstädtischen Entwicklungsflächen für industrielle Nutzung. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.“ Sie gewährt Einblicke in die Zeitpläne, die Samson kommuniziert hat. Das Unternehmen möchte demnach in zwei, drei Jahren mit der Umsiedlung von Frankfurt nach Offenbach starten, den ersten von drei Bauabschnitten verwirklichen.

Bedeutet für die Stadt: Sie muss als erste Infrastruktur-Maßnahme die Zufahrt zum neuen Standort regeln. Die Anbindung ans lokale Straßennetz erfolgt an der Kreuzung Mühlheimer / Untere Grenzstraße. Dort entsteht eine neue Kreuzung. Es wird im Jahr 2023 die erste Baumaßnahme sein, die von einem Fortschritt im künftigen Innovationspark künden wird. Gut 200 Meter entfernt wird schon an einem weiteren Projekt gearbeitet, das den Offenbacher Osten nachhaltig verändern und für zusätzlichen Verkehr sorgen wird: die Erschließung fürs Quartier 4.0 (ehemaliger Güterbahnhof), wo 300 Wohnungen, Gewerbe und ein Gymnasium entstehen.

Planerin wünscht denkmalgeschützte Gebäude in kommunaler Hand

Gedanken macht sich die Ingenieurin um die denkmalgeschützten Gebäude wie Badehaus, Verwaltungstrakt oder Bogenhalle, die noch an die Gründerfamilie Oehler erinnern. Ihrer Meinung nach sollten diese in städtischen Besitz bleiben und eine öffentliche Nutzung - in welcher Form auch immer - erfahren. „Sie sind prägend für das gesamte Quartier.“

Von Martin Kuhn

Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß sagt: „Wir neigen uns zu den Fördertöpfen der Republik wie die Blumen zur Sonne. Das hat niemand so gut trainiert wie die Stadt Offenbach.“

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