Schub für Digitalisierung

Rechenzentrum „Main DC“ auf EVO-Areal in Offenbach per Live-Stream kontaktfrei eröffnet

Rechenzentrum Donald Badoux Geschäftsführer Main DC
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Blick ins neue Rechenzentrum: Donald Badoux, Geschäftsführer Main DC, erklärt den Zuschauern, wo demnächst die Server-Racks in Reih und Glied installiert werden.

In Offenbach steht eines am Goethering, ein neues ist gestern auf dem EVO-Areal offiziell eingeweiht worden, mindestens ein weiteres ist in Planung (Lämmerspieler Weg). Wozu braucht man denn so viele Rechenzentren? Die Antwort kurz gefasst: Ohne diese Zentren gäbe es keine E-Mail, kein Telefon und kein Internet. Übers weltweite Datennetz durfte gestern jeder zuschauen, wie das „Main DC“ virtuell eröffnet wurde. Das ist weniger feierlich als ursprünglich geplant, dafür auch für nicht-geladene Offizielle und Gäste zugänglich. Das Ganze ist live und in Farbe, informativ und - ja - recht kurzweilig. Der EVO darf man in allen Belangen attestieren: Premiere geklappt!

Offenbach - „Das ist ja beinahe wie bei Thomas Gottschalks Außenwette“, scherzt EVO-Sprecher Harald Hofmann, als er ans Außenteam abgibt. Da steht Ralf Siefen, Geschäftsführender Gesellschafter DCG, auf dem Dach des neuen Rechenzentrums und erklärt bauliche Details – live mit Kameramann. Schnitt: Eine Drohne zeigt eine Totale mit dem Protagonisten in luftiger Höhe. Es folgt eine Schaltung ins Innere (Foto), ehe Oberbürgermeister Felix Schwenke, Georg Müller (MVV-Vorstand) und Christoph Meier (EVO-Vorstand) sich den detaillierten Fragen von Harald Hofmann stellen. Allein Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat kurzfristig absagen müssen.

Öffentlicher Live-Stream vor 300 Gästen

Bei so vielen Parallelen zur Fernsehwelt darf die Frage nach der „Einschaltquote“ gestattet sein. Gut dreihundert sind es laut EVO gestern gewesen. Nicht schlecht für ein neues Format und mehr, als der Energieversorger in die Alte Schlosserei eingeladen hätte... Auch hier darf man als stiller Teilnehmer am heimischen PC sagen: Applaus, Applaus. Dieser Umstand ist Ergebnis einer anfänglichen Krise, die seit Frühjahr zu ungewohnten Schritten zwingt.

Aber beinhaltet die Corona-Pandemie nicht auch die eine oder andere Chance? Für die EVO, die seit März auf Homeoffice setzt, sagt Meier: „In der ersten Woche hat’s gestottert, danach funktioniert Das hätte keiner so erwartet.“ Voraussetzung dafür: Der lokale Versorger hat seit Jahren intensiv in eine IT investiert. „Jeder Mitarbeiter hat einen Laptop mit entsprechender Software; das hat alles vereinfacht. Entscheidend ist aber die Frage, wie man das nutzt. Wir haben das für die regelmäßige Kommunikation mit den Mitarbeitern genutzt. Das hat unser Wir-Gefühl weiter gestärkt – trotz der Ferne“, blickt Christoph Meier zurück.

OB Schwenke will Offenbach wirtschaftlich breiter aufstellen

Seinen Blick richtet Oberbürgermeister Schwenke auf die wirtschaftlichen Aspekte dieses und möglichen weiteren Rechenzentren. „Für Offenbach ist das essenziell und Teil unserer Wirtschaftspolitik; wir versuchen die Stadt breiter aufzustellen – nicht nur Handwerk, Einzelhandel, Industrie und Dienstleitungen, sondern auch Forschung und Entwicklung anzusiedeln. Stichwort: Designpark.“ Er erinnert sich noch an die ersten Gespräche zum Bau des Rechenzentrums Main DC und den Markteinstieg. „Die Verantwortlichen dort stellen sich natürlich Fragen: Liegen wir richtig, ist das der richtige Ort? Werden die Zusagen gehalten? Können wir uns auf die EVO und die Stadt als Partner verlassen? Von daher ist es heute ein guter Tag: Wir können liefern!“

Für Georg Müller sind die elektronischen Komponenten (etwa zur Kraftwerk-Steuerung) beileibe kein Neuland, aber: „Wir vernetzen uns schneller und stärken, wir arbeiten anders zusammen.“ Das beinhalte auch eine kulturelle Veränderung. „Dieses Event, wie wir es gerade betreiben, hat schon etwas von Normalität. Es zeigt: Digitalisierung findet in den Köpfen statt. Das wird auch nach der Corona-Pandemie so bleiben. Und ja: Es hat in den vergangenen Monaten einen positiven Schub für die Digitalisierung gegeben.“

Energieversorgung Offenbach investiert ins 110-kV-Netz

Die könnte von der EVO begleitet, beziehungsweise fortgesetzt werden. „Wir sehen uns als Ermöglicher für energieeffiziente Rechenzentren“, so Vorstand Meier. Auf dem Weg dahin plant die EVO in den nächsten Jahren eine 30-Millionen-Euro-Investition ins 110-kV-Netz für eine „sichere und umfassende Stromversorgung“.

Von Martin Kuhn

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