HfG zieht ins neue Hafen-Viertel

Offenbach ‐ Es ist eine Woche der wegweisenden Entscheidungen. Dabei richten sich alle Blicke auf den ehemaligen Industriehafen mit seiner prägenden, lang gezogenen Insel. Von Martin Kuhn

Erste positive Nachricht: Der Streit um die Bebauung des Hafenviertels mit sechs Unternehmen aus Frankfurt ist so gut wie beigelegt. Was letztlich fehlt, sind die Unterschriften unter dem Papier. Wie der Vergleichsvertrag zur Duldung von Immissionen auf der Hafeninsel aussieht, erfahren heute Abend die Parlamentarier. Der Magistrat legt ihn im nicht-öffentlichen Teil dem Haupt- und Finanzausschuss vor. Hinter verschlossenen Rathaus-Türen geht‘s zudem um die Zukunft der EVO. Zum Punkt „Handlungsoptionen nach Auslaufen von Konzessionsverträgen“ spricht und berichtet Dr. Jutta Stuible-Treder.

Hintergrund und zugleich Zwickmühle: Ausgelaufene Konzessionen für Strom, Gas oder Wasser müssen europaweit ausgeschrieben werden. Über die Möglichkeiten und Grenzen des Konzessionsrechts zerbrechen sich deutschlandweit die Fachanwälte die Köpfe. So ist eine Frage, wie etwa ein Bestandsschutz für lokale Versorger unabhängig von den Konzessionsverträgen schriftlich fixiert werden kann.

Grünen verlangen von Beseler „Gesamtkonzept“

Klar ist für Offenbach: Auf die EVO in annähernd ihrer gegenwärtigen Form kann und will der Magistrat nicht verzichten. Warum, zeigte einmal mehrt der Beteiligungsbericht von Kämmerer Michael Beseler (SPD) in der vergangenen Woche: Die Energieversorgung, an der die Stadt über ihre Stadtwerke Holding mit gut 49 Prozent beteiligt ist, spülte im vergangenen Jahr rund 10,5 Millionen Euro in die Stadtkasse; Geld, ohne das die Kommune nahezu handlungsunfähig wäre.

Zusätzlicher Knackpunkt: Die Grünen verlangen von Beseler ein „Gesamtkonzept“, aus dem hervorgeht, was die Stadt in den Verhandlungen mit der Mannheimer MVV für die künftige Ausrichtung der EVO erreichen wolle. Zudem sorgt sich die Öko-Partei „um den Erhalt hochwertiger und zukunftsweisender Arbeitsplätze am Standort Offenbach“.

Mehr rund ums Thema Hafen finden Sie in unserem Stadtgespräch.

Ein anderer Standort dürfte hingegen sicher sein. Immerhin bemüht die Stadt am Sonntag um 7.51 Uhr ihren „Newsletter“, um Journalisten zu informieren: „Schneider begrüßt Landesentscheidung“, heißt es da in aller Frühe und bezieht sich auf einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen, die am Samstag titelt: „HfG bekommt Neubau im Offenbacher Hafen.“ Demnach haben sich der scheidende Finanzminister Karlheinz Weimar und der Präsident der Hochschule Bernd Kracke prinzipiell auf einen Neubau in zwei Abschnitten geeinigt.

Hochschul-Neubau Ankerprojekt für Entwicklung

Das Projekt soll rund 100 Millionen kosten, mit den Bauarbeiten soll im Jahr 2015 begonnen werden. Oberbürgermeister Horst Schneider sagt: „Diese Grundsatzentscheidung ist wichtig für Offenbach und die Region. Wiesbaden gibt grünes Licht für den Umzug, eine tolle Botschaft auf die wir lange gewartet haben.“

Der Neubau der Hochschule im Hafen sei quasi ein Ankerprojekt für die weitere Entwicklung der Hafenmole. Die Universität werde Investoren in den Hafen ziehen, die sich Fühlungsvorteile von der Nähe zur Hochschule versprechen. „Wir haben ein Interesse den Hochschulstandort zu stärken“, so der Verwaltungschef. Ausdrücklich bedankt sich Schneider bei allen Offenbacher Landtagsabgeordneten für ihr Engagement: „Die Stadt ist in dieser Frage gemeinsam in Wiesbaden aufgetreten.“

Konzept für Nachfolgenutzung

Auch Grünen-Fraktionschef Peter Schneider stimmt die Nachricht froh: „Die Entscheidung des Landes kommt zum richtigen Zeitpunkt. Im B-Plan haben wir alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich Offenbach zum Main hin entwickeln kann.“ Der Umzug der HfG passt da genau; davon werde auch das Nordend profitieren. Eine Kehrseite sieht Peter Schneider allerdings: „Wir müssen sehr sorgfältig prüfen, welche Nachnutzung für die Räumlichkeiten der HfG am jetzigen Standort in Frage kommen. Es darf dort nicht zu langem Leerstand kommen. Die neue Nutzung muss garantieren, dass das unmittelbare Umfeld des Schlosses attraktiv und belebt bleibt.“

Derweil kündigt sein Namensvetter an, dass der Campus vor dem Isenburger Schloss trotz des Umzugs der Hochschule fertiggestellt wird. Die Stadt baut derzeit die Schlossstraße (Kosten: rund 900.000 Euro) um, das Land später den eigentlichen Schlossplatz. Und: „Wir arbeiten mit Hochdruck an einem Konzept für die Nachfolgenutzung“.

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