Schüler auf Kurs bringen

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Peter Schulz ist der neue Leiter der Bachschule. Der 54-Jährige ist bekennender Kickers-Anhänger und lebt in Frankfurt-Seckbach. Er ist mit einer Lehrerin verheiratet und hat einen 23-jährigen Sohn.

Offenbach - Peter Schulz glaubt an seine Arbeit an der Bachschule. Seit sieben Jahren ist er an der Haupt- und Realschule mit Förderstufe beschäftigt, die nicht den besten Ruf genießt. Von Simone Weil

Seit diesem Sommer ist der gebürtige Kölner Leiter der Einrichtung an der Friedensstraße, die 450 Jugendliche aus 30 Nationen besuchen. Etwa 95 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Das mag andere Pädagogen schrecken. Doch der 54-Jährige sagt, er habe sich ganz bewusst für diese Schule entschieden.

So wie Schulz das sagt, glaubt man ihm. Immerhin hat er sich vorgenommen: „Wir versuchen, Arbeitsplätze zu vernichten. Bei der Polizei.“ Den Ordnungshütern sollen seine Schützlinge im Laufe ihres Lebens möglichst gar nicht begegnen. Der Lehrer hat einen ehrgeizigen Traum: Er will Schule machen, „für das Kind, das mit Hilfe der Hertie-Stiftung Abitur macht und Publizistik studiert, genauso wie für das andere Kind, das wir vorm Knast bewahren.“

Jugendliche auf die richtige Bahn bringen:

In diese Arbeit will der Schulleiter „viel Energie stecken“, sie sei schließlich gesellschaftlich wichtig. Allerdings müsse man auch Scheitern aushalten. Trotzdem sagt er: „Das ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann.“ Positive wie negative Rückmeldungen seien sehr direkt.

Der mit einer Lehrerin verheiratete Vater eines Sohnes glaubt: „Die Situation der Schüler ist schwierig. Sie bringen kulturelle, sprachliche und soziale Probleme mit.“ Der Pädagoge denkt an Sozialhilfeempfänger in der dritten Generation, von denen viele aus nicht intakten Familien stammen. Da sei es kein Wunder, wenn die Schule auf einmal mit Aufgaben konfrontiert werde, die früher die Familie übernommen habe. Unterstützung verspricht sich der Bachschulchef von den Sozialarbeitern, die seit diesem Schuljahr das 45-köpfige Kollegenteam verstärken - mit zwei halben Stellen.

Beweisen, dass Musik nicht nur Hip Hop ist

Sinnvoll sei in diesem Zusammenhang auch der Nachmittagsunterricht, der den 5. Klassen zuteil wird - allerdings nur einmal in der Woche. Dort soll es nach einem Mittagessen („Essen ist Kultur“) kreativ-kulturelle Angebote wie Tanzen, Trommeln und Theaterspielen und Begegnungen mit Künstlern geben. Schulz hofft, die Bach- als „Kulturschule“ voranbringen zu können. Wer mit anderen etwas Vorzeigbares produziere, erlebe eine Stärkung des Selbstwertgefühls, bekomme gleichzeitig aber auch die eigenen Grenzen aufgezeigt. Dem Pädagogen geht es auch um kulturelle Teilhabe: Deswegen würde er seinen Schülern allzu gerne beibringen, dass Musik nicht nur Hip Hop ist. „Ich will, dass die höheren Klassen auch mal in die Oper gehen.“

Weil sich der in Frankfurt-Seckbach lebende bekennende OFC-Fan, der sein Abitur an der hiesigen Albert-Schweitzer-Schule abgelegt hat, auch privat für andere Kulturen interessiert, reist er gerne. In den Osterferien war er im Iran: „Ein wunderschönes Land.“ In den Weihnachtsferien soll es nach Tokio gehen. Dort studiert sein 23-jähriger Sohn derzeit visuelle Kommunikation. Weil man andere Kulturen kaum besser kennen lernen könne, als beim Kochen und gemeinsamen Essen, ist es ein Hobby des Schulleiters, den Kochlöffel zu schwingen und Gäste zu bewirten. Welche Küche er bevorzuge, sei unterschiedlich. Was herauskomme, aber meistens gut.

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