Mit Plakaten und Trillerpfeifen

Schüler wehren sich gegen geplante Umstrukturierungen

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Gut 700 Offenbacher Gymnasiasten zogen vor das Rathaus und protestierten gegen die Kürzungspläne des Kultusministeriums. Viele der protestierenden Schüler befinden sich an der Schwelle zur Oberstufe und fürchten erschwerte Bedingungen für das Abitur.

Offenbach - An hessischen Schulen sollen die Stunden-Zuweisungen der Lehrer für die Oberstufe gekürzt werden. Das bedeutet: weniger Lehrer und größere Klassen. Von Rebecca Röhrich 

Gegen die Kürzungspläne des Kultusministeriums zogen gestern Oberstufenschüler der Offenbacher Gymnasien vor das Rathaus, um ihrem Ärger Luft zu machen. Ausgerüstet mit Plakaten und Trillerpfeifen versammeln sich etwa 700 Schüler vor dem Offenbacher Rathaus. Die Oberstufenschüler der Gymnasien sind ziemlich sauer. Sie sollen künftig mit weniger Lehrern und größeren Klassen auf das Abitur hinarbeiten. Das hessische Kultusministerium hat eine Umverteilung der Lehrkräfte auf Ganztagsangebote geplant. Die meisten demonstrierenden Schüler sind direkt betroffen und befinden sich gerade in der Einführungsphase, also in der 11. Klasse.

Neben der Wut schwingt bei vielen Verzweiflung mit. Sie haben Angst, unter den neuen Bedingungen ein schlechteres Abitur zu schreiben. „Ich habe das Gefühl, der hessische Kultusminister Alexander Lorz hat sich keine ernsthaften Gedanken darüber gemacht, was das für uns bedeutet. Wir sind schließlich die Zukunft“, sagt einer der Schüler. Er hält ein Plakat in der Hand: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“, steht da in großen roten Buchstaben geschrieben. „Ich finde es toll, dass Gesamtschulen gefördert werden“, sagt Selina Sanbakli, stellvertretende Stadtschulsprecherin. „Aber es macht überhaupt keinen Sinn, einer anderen Schulform dafür Lehrer wegzunehmen.“ Ihrer Meinung nach müssten neue Lehrer eingestellt werden.

Für die Schüler ist der Protest vor dem Rathaus symbolisch gemeint; schließlich ist die Stundenzuweisung an den Schulen Ländersache. Aber auch wenn die städtischen Amtsträger nicht direkt für die Entscheidungen in Wiesbaden verantwortlich sind, fühlen sich die Schüler von der Stadt im Stich gelassen. „Schuldezernent Peter Schneider hat uns gestern abgesagt“, erzählt Sanbakli. Dabei hätten sie ihre Kundgebung extra auf 9.30 Uhr verlegt, weil ihnen zunächst gesagt wurde, dass Schneider ab 10 Uhr keine Zeit mehr habe. Unterstützung vom Schulamt gab es auch keine. Dr. Peter Bieniußa, Leiter des Staatlichen Schulamts für den Landkreis und die Stadt Offenbach, war dagegen, dass die Schüler während der Unterrichtszeit protestieren. „Während ihrer Freizeit können sie machen was sie wollen“, so Bieniußa. Auch er war zur Kundgebung nicht erschienen.

Protest gegen Lehrer-Umstrukturierung: Fotos 

„Ich finde es blöd und auch ungeschickt, dass von der Regierungskoalition niemand vorbeigekommen ist“, sagt Andre Veit, bildungspolitischer Sprecher der SPD. Schließlich gehe es nicht nur um die aktuelle Situation an den Schulen, sondern auch darum, etwas gegen die Politikverdrossenheit bei jungen Menschen zu tun. Die Schüler hätten ein Recht darauf, gehört zu werden. Am Samstag hatten sie Kultusminister Lorz bereits die 1000 Unterschriften gegen die Kürzungen überreicht. Eine Kopie davon hat jetzt auch Peter Bieniußa. Nach der Kundgebung haben die Schulsprecherin der Leibnizschule, Hibba Kauser, und die stellvertretende Schulsprecherin der Albert-Schweitzer-Schule, Sippora Gebreyohannes, die Unterschriften auf eigene Faust dem Amtsleiter persönlich überreicht. Weitere Aktionen sind in den kommenden Wochen geplant.

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