Tag der offenen Tür

400 Schüler informieren sich über Handwerk

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Einen Einblick in verschiedene Berufsbilder konnten Schüler am Tag der offenen Tür in Offenbach gewinnen.

Offenbach - Die Kreishandwerkerschaft hatte am Samstag zum Tag des Handwerks einen Tag der offenen Tür veranstaltet. Zum Thema „Ausbildungsoffensive 2014 - Nimm Deine Zukunft in die Hand“ wurde Interessierten ein Einblick in die vielfältige Struktur des Handwerks gegeben. Von Lara Sturm

Viele Schüler, die ins Haus des Handwerks in Offenbach gekommen waren, zeigten sich begeistert. „Hier wird keine Show geboten, sondern echte Betriebe gezeigt“, lobt Lehrer Matthias Unbehauen von der Adolf-Reichwein-Schule in Heusenstamm den „Tag des Handwerks“ in Offenbach. Die Handwerkerschaft aus Stadt und Kreis Offenbach präsentierte sich am Samstag rund 400 Schülern und Interessierten. Landrat Oliver Quilling und Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider eröffneten die Veranstaltung. Beide lobten den Tag als „wichtigen und richtigen Schritt des Handwerks“.

Der „Tag des Handwerks“ findet bundesweit statt, dieses Jahr zum ersten Mal mit der Beteiligung des Kreises Offenbach. In Deutschland gibt es über fünf Millionen Handwerker, sie bilden rund 439 000 Lehrlinge jährlich aus, fast die gleiche Anzahl an Ausbildungsstellen bleibt unbesetzt. Dieses Problem kennt man auch im Kreis Offenbach. Etwa 1 300 Lehrstellen werden pro Jahr angeboten, für mehr als 400 davon finden sich keine Interessenten, berichtet Uwe Czupalla, Geschäftsstellenleiter Offenbach der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Er meint den Grund dafür zu kennen: „90 Prozent der Betriebe des Kreises haben nur fünf bis zehn Mitarbeiter. In dieser Größenordnung ist kein Budget für Werbung und Marketing vorhanden. Daher haben die Schüler die Handwerksberufe oft nicht auf dem Schirm oder sie haben falsche Vorstellungen von den Arbeitsbedingungen.“

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Vor allem die jungen Azubis widerlegen die Vorurteile gegenüber den Handwerkern am Tag der offenen Tür. Sie nehmen sich Zeit für die Schüler und beantworten alle offenen Fragen. In den Werkstätten der Innungen der Bäcker, der Dachdecker, des Kfz-Handwerks, der Friseure, der Tischler und Schreiner, der Sanitär- und Heizungstechniker, der Glaser, der Raumausstatter und der Elektrotechniker lässt sich schon einiges vom Arbeitsalltag erahnen. Die Friseurlehrlinge flechten begeisterten Schülerinnen die Haare, bei den Schreinern wird wild gehämmert und den Bäckern kann man beim Teigrühren zusehen. „Wichtig ist, dass wir Handwerker alle an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten“, sagt Marcel Trumpf. Er ist gerade im zweiten Lehrjahr seiner Schreiner- und Tischler-Ausbildung bei der Firma Kramwinkel in Mühlheim. Auf Montage hat er festgestellt, dass beispielsweise bei einem Hausbau viele verschiedene handwerkliche Tätigkeitsfelder voneinander abhängen. Nur durch eine gute Zusammenarbeit steht am Ende ein fertiges Haus. Dieses Miteinander müsse man auch beim Thema Auszubildendengewinnung an den Tag legen. Weise Worte für einen 16-Jährigen.

Kein Wunder also, dass die Schüler begeistert sind. Michelle Sinner (14) und Sirin Incirc (13) sind ganz besonders angetan, während ihre Klassenkameraden längst ihren freien Samstag genießen, planen die beiden schon ihre Zukunft im Handwerk. „Es ist so schön hier. Eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass eine Pflichtveranstaltung von der Schule so viel Spaß machen kann“, schwärmt Sinner, „Am meisten gefallen haben mir die Friseure. Ich frisiere auch immer meine Freundinnen, das wäre ein toller Beruf für mich.“ Auch Incirc ist beeindruckt: „Wir machen 2015 unseren Schulabschluss. Aber das dauert noch so lange, ich würde lieber arbeiten, da verdient man wenigstens Geld. Ich glaube, eine Bäckerausbildung macht richtig Spaß. Was der Lehrling so erzählt hat, hört sich echt gut an.“

Der Lehrling heißt Benjamin Schultheiß. Der 21-Jährige macht gerade eine Ausbildung bei der Bäckerei Weller in Dreieich. „Ich liebe meinen Beruf und würde ihn sofort weiterempfehlen. Die praktische Arbeit ist toll - ein Bürojob wäre gar nichts für mich“, berichtet Schultheiß. Sogar am frühen Aufstehen findet er einen positiven Aspekt: „Dann ist man früher mit der Arbeit fertig und hat mehr vom Tag.“ Seine Freundin Sina Schütz, die heute zur Unterstützung gekommen ist, muss darüber kurz schmunzeln. „Als Freundin muss man sich erst einmal an den anderen Tagesrhythmus eines Bäckers gewöhnen“, gibt sie zu. „Aber für meinen Freund ist das sein Traumjob“, bestätigt die 21-Jährige, „und ich glaube diese Leidenschaft teilen auch die anderen Lehrlinge hier. Der Tag des Handwerks ist echt eine coole Sache.“

Auch Lehrerer Unbehauen zeigt sich begeistert von der Veranstaltung: „Die Schüler fühlen sich hier ernstgenommen, das ist wichtig.“ Viele Jugendliche würden ihre Fähigkeiten unterschätzen und sich nicht mal an eine Bewerbung trauen. „Die denken, man nimmt sie mit einem Hauptschulabschluss eh nicht. Durch die Gespräche mit Auszubildenden heute konnten die Schüler Selbstbewusstsein sammeln und haben gemerkt, sie und ihre Fähigkeiten sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt“, berichtete der Lehrer. Er freut sich sehr, dass nun einmal jährlich den „Tag des Handwerks“ veranstaltet werden soll. „Besonders toll ist, dass unsere Schule - die Adolf-Reichwein-Schule aus Heusenstamm - die erste Kooperationsvereinbarung mit der Kreishandwerkerschaft Offenbach unterzeichnet hat.“ Dieses Pilotprojekt dient in erster Linie dazu, die Zusammenarbeit zwischen der Kreishandwerkerschaft und der Schule zu stärken. Im Zuge dessen werden öfter Info-Veranstaltungen für die Schüler stattfinden.

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