Schülern Politik näher gebracht

Offenbach - (jwi) Die lebhaften Diskussionen lassen Fenster beschlagen: Über Flughafenausbau, Konjunkturpaket und Studiengebühren debattierten gestern Leibnizschüler mit Nachwuchspolitikern. „Was halten die Jusos von der Linken?“, fragt der 18-jährige Gordon den 23-jährigen Juso Maurice Skowronek.

„Warum beteiligt sich die Junge Union nicht an Demonstrationen gegen Rechts?“, möchte Jonathan, ebenfalls 18, von Student und JU-Schatzmeister Karl Kosilo (26) wissen. Der 19-jährige Jungliberale Martin Mrosek, selbst noch Schüler an der Leibnizschule, soll sich zum „Islam-Unterricht“ äußern.

An Gruppentische verteilt, fragen Schüler der zwölften Klassen des Leistungskurses Politik und Wirtschaft. Vertreter der vier Offenbacher Jugendorganisationen der Parteien antworten nach bestem Wissen. Und geben auch zu, wenn sie mal etwas nicht wissen. Da die Parteien nicht einzeln an Schulen gehen dürfen, um zu werben, haben sich Junge Union, Jusos, Junge Liberale und Grüne Jugend zum „Ring politischer Jugend Offenbach“ (RPJ) zusammengeschlossen, in dem jeweils zwei Vertreter der Jugendorganisationen vertreten sind. In regelmäßigen Abständen gehen sie an Offenbacher Schulen und veranstalten Podiumsdiskussionen oder „Gruppentische“.

Ziel sei es „die politische Jugendarbeit bekannt zu machen und mit Schülern ins Gespräch zu treten“, erklärt der diesjährige RPJ-Vorsitzende Kosilo einleitend der Klasse. Zwar wollten sie keinen Wahlkampf betreiben und „in ihrer Gesamtheit neutral auftreten“, versichert Skowronek. Jedoch werde der jeweilige Standpunkt vertreten und die Vorzüge der Parteien für Jugendliche, wie Sport- und Freizeitangebote, ins rechte Licht gerückt. Dabei kann es zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb des RPJ kommen. Dies führte 2004 zu einer dreijährigen Unterbrechung der Schulbesuche. Seit 2007 dürfen sich keine Stadtverordneten mehr daran beteiligen.

Gestern sind die Diskutanten gut miteinander ausgekommen. Dem 18-jährigen Felix Bahme von der Grünen Jugend gelang es sogar, einen politischen Gegner positiv zu überraschen. Zwölftklässler Fahad Malik, der bereits bei den Julis aktiv ist, maß den Ökos bislang keine wirtschaftspolitische Kompetenz zu. Nachdem der Grüne Bahme über das Konjunkturpaket und die wirtschaftlichen Aspekte des Flughafenausbaus gesprochen hatte, änderte der Jungliberale sein Urteil.

Nach anderthalb Stunden ist die Zeit vorbei, auch wenn noch nicht alle Fragen und Themen zu Ende diskutiert sind. Die Schüler sind trotzdem begeistert, das Angebot sei sehr sinnvoll und informativ. Es solle sogar öfter und auch schon bei jüngeren Klassen ab der Mittelstufe angeboten werden, schlägt Fahad vor. Denn, so Jonathan: „Politik bestimmt unser Leben.“ Die Veranstalter sind ebenfalls zufrieden. Nur mehr Zulauf wünscht sich der RPJ. Kontakt über Karl Kosilo: kk@ju-offenbach.de

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