Schülerradroutenplaner

Großer Spaß, kleines Risiko

„Mit dem Fahrrad zur Schule fahren bedeutet für Schüler Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Wir unterstützen sie mit einer guten Wegeführung“, wirbt Bürgermeister Peter Schneider für den Schülerradroutenplaner, der Pilotcharakter für ganz Deutschland hat. - Foto: colourbox

Offenbach - Mit dem Velo zur Schule – aber sicher! Dabei soll der Schülerradroutenplaner helfen, der nun im Internet bereit steht. Die Verantwortlichen sind guter Dinge, dass die Jugendlichen das System nutzen. Schließlich haben einige eifrig mitgeplant. Von Martin Kuhn

Über die Gründe lässt sich trefflich streiten. Als Fakt steht: Das Auto ist (auch) in Offenbach Fortbewegungsmittel Nummer eins. Und die größte Dreckschleuder. Das dürfte dem Grünen-Bürgermeister Peter Schneider gewaltig stinken. Als ausgebildeter Pädagoge setzt er beim Klimaschutz an, „wenn sich Menschen in ihren Handlungsmustern noch beeinflussen lassen“ – also im Kindesalter. Buben und Mädchen sollen im Idealfall von selbst aufs Fahrrad steigen oder notfalls sanft weggeführt werden vom sogenannten Mama-Taxi. Dabei ist der gestern offiziell vorgestellte Schülerradroutenplaner nur ein Mosaikstein.

Hintergrund: Obwohl Offenbach als Stadt der kurzen Wege gilt, werden überproportional viele Strecken bis fünf Kilometer mit dem Auto zurückgelegt. Die deutliche Botschaft lautet: Radfahren tut gut. Der Umwelt. Den Städten. Denn ein Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad trainiert die Motorik, hilft gegen Bewegungsmangel, stärkt die Aufmerksamkeit, gibt Zeit und Raum für Austausch vor dem Unterricht.

„Mit dem Fahrrad zur Schule fahren bedeutet für Schüler auch mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit“, ergänzt Peter Schneider. Das sind zentrale Botschaften des Mobilitätsmanagement für Kindergärten und Schulen, das wiederum Teil des 66 Maßnahmen umfassenden lokalen Klimaschutzkonzepts ist.

Doch halt: „Viel zu gefährlich!“, dürften viele besorgte Mütter und Väter zwischenrufen. „Und genau da setzt das System an“, betont der Bürgermeister. Es gehe darum, den Eltern die Ängste zu nehmen. Mit dem neuen Routenplaner gibt es eine Anleitung für einen sicheren Schulweg, wird eine geprüfte Wegführung geboten.

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Mehr Infos gibt es im Internet.

Es handelt sich um eine elektronisch gestützte Orientierung, wie man mit dem Drahtesel möglichst sicher von A nach B gelangt – wobei B in diesem Fall für Schule steht. Zugeschnitten ist das Schülerradroutennetz explizit auf Jugendliche, die ab der fünften Klasse eine weiterführende Schule in Offenbach besuchen. Eingebettet auf der Internetseite sind mittlerweile 14 Standorte – von der Albert-Schweitzer- bis zur Marianne-Frostig-Schule. Grundidee: Tipps für sichere Fußwege gibt es zuhauf, Schulradwegepläne hingegen sind bislang kaum verbreitet.

Ziel der ivm GmbH (Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement) ist daher die schrittweise Erarbeitung eines Schülerradroutennetzes unter Einbeziehung aller weiterführenden Schulen in der Rhein-Main-Region. Die Erstellung des Schülerradroutennetzes erfolgt in der Regel gemeinsam mit Schülern unter fachlicher und pädagogischer Anleitung. Anschließend werden die Routen mit Polizei und Straßenverkehrsbehörden abgestimmt. „In Offenbach haben wir ideale Voraussetzungen und stets offene Ohren gefunden fürs Pilotprojekt“, sagt Geschäftsführerin Heike Mühlhans.

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Projektleiterin Nina Merten ist überzeugt von der Akzeptanz: „Der Schülerradroutenplaner ist ein Erfolg, weil alle mitgewirkt haben. Aber besonders wertvoll waren die Beiträge der Schüler. Sie haben dafür gesorgt, dass nicht an der Zielgruppe vorbeigeplant wird.“ Etwa an der Leibnizschule. Die Sechstklässler haben sofort gemerkt, dass es kein Projekt ist, das in irgendeiner Schublade verschwindet. „Also rauf aufs Rad, alle Wege abgefahren, Fotos, Notizen und Vorschläge gemacht.“ Die Sichtweise der angehenden Abiturienten auf das Verkehrsgeschehen floss in die empfohlenen Routen ein. Gleiches gilt in Bieber für die Geschwister-Scholl-Schüler im Stadtteil-Westen.

Das Schülerradroutennetz der Stadt umfasst 82,3 Kilometer Wegstrecke. Die Routen lassen sich auf einer Karte ausdrucken. Auf ihr sind auch so genannte Aufmerksamkeitspunkte, die auf besondere Verkehrssituationen hinweisen, dargestellt und kurz beschrieben.

Wichtig: Es wird nicht der kürzeste Weg angegeben, sondern der vermutlich sicherste. Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach wirbt bereits: „Über dieses Projekt hinaus bieten wir den Schulen ganzjährig kostenlose Unterstützung – Partnerschaften für Projektwochen, Lehrkräfteschulungen, die Kindermeilen-Kampagne oder andere Aktionen.“

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