Schulabschluss trotz Baby

+
Die Verantwortlichen des Projekts „Goldmarie“ zogen Bilanz. Das Hilfsangebot für junge Mütter soll zur festen Einrichtung werden. Von links: Elvira Woehe, Marina Polischtschuk mit Tochter Keyshi, Angelika Hübner, Miriam Munoz-Rodriguez mit Sohn Pascal und Sozialdezernentin Birgit Simon.

Offenbach ‐ Ein Kind krempelt den Alltag völlig um. Besonders schwierig ist die Situation, wenn die Mutter selbst noch minderjährig und ohne Schulabschluss ist. Um Mädchen und Frauen zwischen 15 und 23 Jahren bei ihrer neuen Aufgabe zu unterstützen, hat die Stadt vor zwei Jahren das Projekt „Goldmarie“ ins Leben gerufen. Von Simone Weil

30 junge Mütter haben das Angebot seitdem in Anspruch genommen. Die mit jährlich 50.000 Euro veranschlagte Initiative soll als feste Einrichtung in der Mädchenetage in der Johannes-Morhart-Straße 7 weiter bestehen, kündigte Bürgermeisterin Birgit Simon an. Eine bereits früher bestehende Beratung gleichen namens hatte der Caritasverband dort ins Leben gerufen.

Im Mittelpunkt der wöchentlichen Gruppentreffen stehen Informationen rund um die Entwicklung des Kindes, Fragen der Ernährung, aber auch Spielangebote und Freizeitaktivitäten wie Babyschwimmen und Ausflüge. Weil auch oft über die Partner oder Väter gesprochen wird, sind die jungen Frauen froh, unter sich sein und auch mal richtig lästern zu können.

Tipps lieber aus der Gruppe

Manche leben mit ihrem Freund zusammen, andere sind solo, wieder andere wohnen bei den Eltern. „Weil Erwachsene grundsätzlich alles besser wissen“, wie Miriam Munoz-Rodriguez sagt, ist es eine Erleichterung für die 19-Jährige, wenn sie sich mit Gleichaltrigen austauschen kann. Ratschläge aus der Gruppe anzunehmen, fällt dann leichter als bei der eigenen Mutter, von der man sich eigentlich abnabeln will.

Die junge Mutter, die ihren Sohn seit zwei Jahren allein aufzieht, wohnt seit kurzem nicht mehr bei den Eltern und holt die Mittlere Reife an der Käthe-Kollwitz-Schule nach. Möglich wird das mit Hilfe einer Tagesmutter. Denn das Jugendamt sieht seine Aufgabe nicht nur darin, die Lebenssituation des Kindes im Blick zu haben, sondern auch der jungen Frau auf dem Weg in die Selbstständigkeit und auch zum Erwachsenwerden zu helfen, wie Amtsleiter Hermann Dorenburg sagte.

Unterstützung tatkräftig etwa bei Behördengängen

Die Sozialarbeiterin Angelika Hübner und die Sozialpädagogin Elvira Woehe unterstützen tatkräftig etwa bei Behördengängen und beim Ausfüllen von Formularen. Durch Hausbesuche sind dem Goldmarie-Team Lebensverhältnisse und Wohnsituation vertraut. Wenn vorhanden, werden auch die jungen Väter mit ins Boot geholt.

Angelika Hüber weiß, dass die Mädchen von Erwachsenen oft nicht ernst genommen werden. Auf der Straße werden sie skeptisch beäugt oder dumm angemacht. Weil das Leben mit einem Baby anstrengend ist, vor allem, wenn es die ganze Nacht „durchgemacht“ hat, wie Marina Polischtschuk (19) sagt, war es für „etwas ganz Tolles“, als die Hebamme Sheler Khizri sie zuhause aufsuchte.

Kontakt: Angelika Hübner, Tel.: 069 8065-4352, Elvira Woehe, Tel.: 8065-4352, Mädchen-Etage, 82363905.

Alle Fragen direkt mit der Expertin klären zu können, ist sehr entlastend für die jungen Frauen. Damit der Kontakt kommt schon vor der Geburt zustande kommt, besucht die Hebamme regelmäßig die Gruppentreffen und betreut die Mütter nach Bedarf während der ersten acht Wochen. Von alleine wäre sie wohl nicht auf die Idee gekommen, sich eine Hebamme zur Unterstützung zu suchen, meinen die jungen Mütter.

Kommentare