„Schule des Grauens“: Lebensfreude genommen

Offenbach - Schüler machen Theater: Am Mittwochabend führten 40 Schüler der Schillerschule, Mathildenschule, Geschwister-Scholl-Schule und von Jugendeinrichtungen das Stück „Future School - Schule des Grauens“ im Ledermuseum auf. Von Stefan Mangold

Im Prolog liegt Caro im Bett und drückt das aus, was wohl mancher Erwachsene im Publikum als Kind ähnlich empfand. Die junge Frau will nicht mehr zur Schule gehen.

„Weil ich die Schule hasse“, begründet Caro ihren Streik gegenüber Lehrkräften, die in der einem Alptraum gleichenden Szene an ihrem Bett auftauchen. Dann folgt der Schnitt. Im nächsten Bild balancieren zwei Mädchen auf Gymnastikbällen. Die Jungs lassen auf ihren zwischen Stöcken gebundenen Fäden ihre Garnrollen ähnlichen Diabolos hüpfen. Ein Symbol unbeschwerten Daseins.

Am Mittwochabend führten 40 Schüler der Schillerschule, Mathildenschule, Geschwister-Scholl-Schule und von Jugendeinrichtungen das Stück „Future School - Schule des Grauens“ im Ledermuseum auf.

„Vor über zwei Jahren fingen wir mit der Planung an“

„Vor über zwei Jahren fingen wir mit der Planung an“, blickt Fanni Mülot, Leiterin der Scholl-Schule, zurück auf den Anfang, als sie mit ihrem Kollegen Thomas Findeisen von der Schillerschule die Idee entwickelte. Die kam nicht von ungefähr, sind beide doch ausgebildete Theaterlehrer.

Kinder und Jugendliche, die Theater spielen, sind nichts Außergewöhnliches. Mittlerweile gibt es an manchen Musikinstituten sogar Kompositionsklassen, in denen sogar Zehnjährige mitwirken, ganze Opern in Töne setzen. Wobei es sich fast immer um Kinder handelt, die in einem kulturell interessierten Umfeld aufwachsen.

„Fast alle Schüler saßen vorher weder vor einer, geschweige denn standen sie auf einer Bühne“, beschreibt Dr. Michael Koch vom Jugend-Kulturbürodie Besonderheit des „MultiArtTheaters“, das sich in Zusammenarbeit mit dem Schultheater-Studio Frankfurt entwickelte. Für Fanni Mülot war es wichtig, „jeden mitzunehmen, auch wenn während der Proben Probleme auftauchen“. Natürlich gebe es pubertierende Jugendliche, mit denen es nicht immer einfach sei, konzentriert zu arbeiten. Ein halbes Jahre habe jede Schule für sich eingeübt, „während einer Probewoche auf der Ronneburg fügte sich alles zusammen“. Von „hoher Belastung für alle Beteiligten“ spricht Thomas Findeisen.

In der „Schule des Grauens“

Kinder verschiedener Schulen und von Jugendeinrichtungen wirkten bei dem aufwändigen Stück mit.

Der Inhalt der Geschichte auf der Bühne erinnert an den Roman „Momo“ von Michael Ende. Dort sind es die „Grauen Herren“, die nach ihrem Auftauchen die Menschen in rastlose Hetze versetzen und ihnen jede Lebensfreude nehmen. In der „Schule des Grauens“ überwacht der Hausmeister zusammen mit seinem Schüler-Büttel die Verbote zu lachen und sich zu verlieben. Figuren in Kostümen von Ninja-Kämpfern, mit dem uniformen Gesichtsausdruck amerikanischer Rapper, dienen dabei als ständige Drohkulisse. Der Begriff des „MultiArtTheaters“ ist berechtigt: Projektoren werfen eine Nachrichtensendung auf die eine Wand. Auf einer anderen ergänzen sich die projizierten Figuren mit denen auf der Bühne. Bausteine elektronischer Klänge unterstreichen das Geschehen.

Die Gefahr bei so viel Aufwand liegt oft in der Beliebigkeit. Was die Regisseure Katharina Fertsch-Röver und Thomas Hupfer jedoch mit den anderen im Team erarbeitet haben, ist ein professionell konzipiertes Stück mit stimmiger Dramaturgie. „Fast zwei Wochen Unterricht fielen dadurch aus“, sagt Fanni Mälot, die das Projekt als Anstoß für weitere sieht.

Am Ende stellt sich raus, wer hinter dem Terror steckt: Die Schulverweigerin Caro versaute als dämonische Königin im Hintergrund die Stimmung: „Ich hoffte, dass auch ihr die Schule hasst.“

Rubriklistenbild: © Georg

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