Ganztagsklassen in Offenbach

Schule und Hort eng verzahnt

Offenbach - Die Ganztagsklassen an den Offenbacher Grundschulen haben Modellcharakter. Derzeit werden 550 Schüler bis 16.30 Uhr verlässlich und qualifiziert betreut. Das Angebot soll ausgebaut werden. Von Matthias Dahmer

Ganztagsschulen, davon wissen betroffene Eltern ein Lied zu singen, sind nicht selten Mogelpackungen. Das Nachmittagsangebot erschöpft sich oft in Häkel- und Bastelkursen, das Personal ist kaum pädagogisch geschult, teilweise ist um 14 oder 15 Uhr Schluss.

In Offenbach wird seit 2006 ein anderer Weg gegangen: Das Ganztagsmodell habe über die Stadt hinaus Beachtung gefunden und müsse unbedingt weitergeführt und ausgebaut werden, kann Bürgermeister Peter Schneider gestern mit Vertreterinnen von Schulen und des städtischenEigenbetriebs Kindertagesstätten (EKO) eine stolze Zwischenbilanz ziehen.

Individuelle Betreuung

Hessenweiten Modellcharakter hat, dass Schule und Hort, zwei üblicherweise unabhängig voneinander agierende Einrichtungen, ganz eng zusammenarbeiten. Erzieher sind vormittags im Unterricht dabei, Lehrer arbeiten nachmittags freiwillig in der Betreuung mit. Die Lerninhalte werden miteinander verzahnt: Was vormittags im Unterricht gepaukt wird, kann nachmittags in der Praxis vertieft werden. Die Entwicklung der Kinder wird von Pädagogen und Erziehern gemeinsam beobachtet und besprochen. Für Eltern nicht unwichtig: Sie haben so eine verlässliche Schule, die – wenn nötig – von 7.30 bis 17 Uhr mit qualifizierten Kräften für die Kinder da ist. Auf den Nachwuchs kann damit individueller eingegangen werden als im alten System.

550 Schüler in 22 Ganztagsklassen an fünf Grundschulen (Eichendorff-, Buchhügel-, Mathilden-, Beethoven- und Goetheschule) machen derzeit mit. Angestrebt ist die Ausweitung auf 700 Kinder; aufgestockt werden soll deshalb an Beethoven-, Goethe- und Mathildenschule. Der Bedarf übersteigt bei weitem das Angebot, weshalb die Plätze nach „Bedürftigkeitskriterien“, vergeben werden, erläutert Claudia Kaufmann-Reis, Vizechefin des EKO. Konkret: Alleinerziehende oder Familien, in denen beide Elternteile arbeiten, haben Vorrang.

Migrantenkinder lernen schneller Deutsch

Das Angebot, das vom EKO koordiniert wird, ist allerdings kein Wunschkonzert. Wer sein Kind anmeldet, tut das bis 16.30 Uhr verpflichtend. Sind die Erfolge des Ganztagsmodells abgesehen von den Vorteilen für die Eltern auch messbar? Schwierig, räumen die Expertinnen ein. Für Doris Renkel, Leiterin der Eichendorffschule, ist jedoch sicher: Dadurch, dass die Kinder den ganzen Tag an der Schule verbringen, würden sich insbesondere die Deutschkenntnisse von Migrantenkindern erheblich verbessern. Ganztagskinder seien zudem meist selbstständiger, das soziale Miteinander funktioniere besser.

Der Bund fördert mit einem 2011 aufgelegten Programm noch bis August 2014 mit 300.000 Euro die Weiterbildung der beteiligten Lehrer und Erzieher. Der EKO legt noch einmal die gleiche Summe drauf.

Danach soll es auf jeden Fall weitergehen. Das Ganztagsmodell sei unabhängig von der Fortbildung ohnehin eine freiwillige Leistung, welche die Stadt finanziere, so Bürgermeister Schneider.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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