Aus der Not Tugend gemacht

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Im ehemaligen Bistro wird ab Januar 75 Hortkindern ein warmes Mittagessen serviert. IB-Geschäftsführerin Rita Waterstradt und ihr Team stecken bereits mitten in den Planungen.

Offenbach - So schnell wird aus der Not eine Tugend: Weil der Internationale Bund wegen internen Umstrukturierungen und in Folge gekürzter Fördergelder derzeit mehr Raumangebot hat als benötigt, will er in seinem Domizil 75 neue Hortplätze schaffen. Von Jenny Bieniek

Der Magistrat hat sein Okay bereits gegeben. Obwohl noch nicht alle benötigten Anträge genehmigt sind, laufen die Vorbereitungen an der Rowentastraße schon jetzt auf Hochtouren. „Heute Morgen war der Architekt da, ab nächster Woche geht es dann los mit Streichen, Mobiliar bestellen und Umräumen“, berichtet Geschäftsführerin Rita Waterstadt.

Schon nach den Weihnachtsferien, ab 14. Januar, sollen neben dem Ärztehaus drei neue Ganztags-Hortgruppen einziehen. Auf rund 450 Quadratmetern will sich der IB zwischen 12.30 und 17 Uhr um sechs- bis zwölfjährige Schüler kümmern – Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitangebote inklusive. Ein Caterer soll mit der Belieferung der Mahlzeiten beauftragt werden.

Für viele berufstätige Eltern ein Segen

Das Angebot dürfte für viele berufstätige Eltern ein Segen sein, sind die schulischen Angebote vielerorts doch ausgelastet. Wegen der räumlichen Nähe war in der Magistratsvorlage zwar nur von einer Schaffung von Hortplätzen für Schüler der Lauterborn- und Anne-Frank-Schule die Rede, „prinzipiell steht das Angebot aber allen Offenbacher Schülern offen“, betont Waterstadt.

Entsprechende Flyer wurden in den Schulen bereits ausgeteilt. Monatlicher Beitrag pro Kind: 154 Euro. Auch ein Fahrdienst ist geplant, um den Nachwuchs sicher von A nach B zu bringen.

Derzeit 60 der 180 Kinder

In der Anne-Frank-Schule besuchen derzeit 60 der 180 Kinder die vom Förderverein angebotene Betreuung. „Aber die endet um 14.30 Uhr und bietet kein Mittagessen“, sagt Schulleiterin Hanne Opiolka. Eltern benötigten jedoch immer häufiger eine Ganztagsbetreuung mit warmer Mahlzeit. „Das können wir hier nicht leisten.“ Mit der Vergabe der Plätze hat die Schule jedoch nichts zu tun. „Interessierte Eltern müssen sich direkt an den IB wenden“, so Opiolka.

Vom Fahrdienst-Angebot will sie keinen Gebrauch machen. „Aber natürlich können wir die Erstklässler nicht alleine laufen lassen. Geplant ist, dass sie ein Hortmitarbeiter abholt und den Schulweg mit ihnen trainiert, damit es langfristig auch selbstständig klappt“, erklärt Hanne Opiolka. Nach den Herbstferien sollen diese Aufgabe dann die älteren Schüler übernehmen.

„In Sachen Betreuung voll ausgelastet“

In der mit 400 Schülern deutlich größeren Lauterbornschule ist der Bedarf drängender: „Wir sind in Sachen Betreuung voll ausgelastet. Alle 55 Plätze sind belegt, 35 Namen stehen auf der Warteliste“, berichtet Schulleiterin Dorothee Weitzel. Viele Eltern seien berufsbedingt auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen.

„So lange unsere Schule noch nicht umgebaut ist, können wir hier keine weiteren Betreuungsplätze anbieten“, so die Schulleiterin. „Lauterborn ist entgegen des Trends nicht unbedingt für sinkende Geburtsraten bekannt. Wir wachsen ständig.“ Das Angebot des IB käme gerade recht. Wegen der größeren Entfernung sei ein Fahrdienst aber unabdingbar.

Während die Räume des IB in der dritten Etage früher für Fortbildungen des Malteser-Hilfsdienstes, für Beschäftigungsmaßnahmen im Zuge von Ein-Euro-Jobs oder von der Käthe-Kollwitz-Schule genutzt wurden, bleiben sie inzwischen meist leer.

Obligatorischer Betriebskostenzuschuss

„Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist da. Vor dem Hintergrund unserer Arbeitsstrategie lag es deshalb nahe, den weiteren Ausbau zu unterstützen“, so die Geschäftsführerin. Von der Stadt erhält der IB den obligatorischen Betriebskostenzuschuss (rund 380.000 Euro jährlich), hinzu kommen Haushaltsmittel in Höhe von jährlich 42 300 Euro zur Entlastung finanziell schwacher Eltern.

Darüber hinaus investiert der IB laut Waterstradt „einen höheren fünfstelligen Betrag“ in Inventar und Umgestaltung. ‹ Kontakt: Rita Waterstradt, Tel.: 069/8007910.

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