Schulleiter-Stellen alles andere als begehrt

Mehr Ängste als Anreize

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Dietzenbach/Offenbach - Wer Chef sein will, braucht nicht nur eine ordentliche Portion Wissen und Erfahrung, sondern auch Anreize. Von Christoph Zöllner 

Hier hat der Beruf des Schulleiters in den vergangenen Jahren offenbar an Attraktivität eingebüßt: Die Schulämter haben es nicht leicht, Rektoren-Posten zu besetzen.

Georg Köhler (Foto) weiß, was es heißt, eine große Schule zu leiten. Seit 2009 steht er an der Spitze der Ernst-Reuter-Schule (ERS) in Dietzenbach. 1148 Schüler und 103 Lehrer zählt die kooperative Gesamtschule. „Der Arbeitsaufwand ist extrem“, sagt Köhler. Das Salär steige im Vergleich zu einem „normalen“ Lehrer aber keinesfalls so stark an wie die Verantwortung. Die Bezahlung eines Rektors richtet sich unter anderem nach der Schülerzahl.

Wer sich den Leitungsposten antut, sitzt zwischen allen Stühlen: Er muss sich als Schnittstelle zwischen Kultusministerium, Schulamt, Eltern, Lehrern und Schülern bewähren. Auf Vieles seien die neuen Rektoren nicht vorbereitet, berichtet Köhler. Ein Kollege habe diese Aufgabe einmal als „Selbstlernberuf“ bezeichnet. Deshalb sei es wichtig, Neulinge möglichst lange einzuarbeiten.

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So hat sich Köhler etwa um Veronika Schneider gekümmert: Die ehemalige Lehrerin der Ernst-Reuter-Schule ließ sich überreden, die Leitung der Offenbacher Bachschule (etwa 540 Schüler und 50 Lehrer) zu übernehmen. Köhler selbst hatte die Haupt- und Realschule im vergangenen Schuljahr jeweils zweieinhalb Tage die Woche kommissarisch geführt – zusätzlich zu seiner Aufgabe in Dietzenbach. Seit Mai bereitete er Schneider auf ihre neue Stelle vor, nun kann er sich wieder voll auf die ERS konzentrieren. Köhler, der privat für die Cover-Band „X-it“ trommelt, hatte sich vor fünf Jahren gezielt auf den vakanten Posten in der Dietzenbacher Gesamtschule beworben. „Hier ist alles sehr persönlich, und wir haben ein gutes Team“, schwärmt er. Deutsch und Chemie muss der 53-Jährige nur noch sechs Stunden pro Woche unterrichten, wegen seines Engagements an der Bachschule baut er aber noch Arbeitszeit ab, springt zurzeit nur noch bei Unterrichtsausfällen ein.

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Die fehlenden Anreize führen an vielen Schulen dazu, dass Rektoren-Stellen zwei- oder dreimal vergeblich ausgeschrieben werden. Köhler führt dies auch auf das allgemein gesunkene Renommee des Lehrerberufs zurück: „Das ist ein gesellschaftliches Problem“, klagt er. Und es werde leider wenig dafür getan, dies zu ändern.

„Viele Schulleiter sind hoch belastet. Die müssen schon ihr Päckchen tragen“, meint Leitender Schulamtsdirektor Peter Bieniussa, der zu den Herausforderungen auch Inklusion, Ganztagsbetreuung und die höheren Anforderungen durch Zuwandererkinder zählt. Trotzdem sei es dem Schulamt in Offenbach zuletzt gelungen, in Stadt und Kreis Offenbach vakante Stellen wieder zu besetzen. „Wir kriegen es gerade so hin“, sagt Bieniussa. Seine Mitarbeiter sprechen in erster Linie Lehrer an, die für ein oder zwei Jahre zum Staatlichen Schulamt abgeordnet werden, fragen sie, ob sie nicht in die Chefrolle schlüpfen wollen. Beim Schulamt sammeln diese Lehrer erste Verwaltungserfahrung, sind bei Besprechungen dabei und lernen, wie Führungskräfte zu denken.

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Von den 120 Schulen in Stadt und Kreis Offenbach wird derzeit nur für die Fröbelschule in Offenbach ein Leiter gesucht; für die Einstein-Schule in Langen gibt es endlich einen Nachfolger. Auch im Hanauer Schulamt herrscht große Zuversicht, schon bald wieder alle 27 Posten in der Brüder-Grimm-Stadt besetzt zu haben. Problematisch sind vor allem die Grundschulen, die zuletzt mehrfach ausgeschrieben werden mussten.

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