Offenbach-Post stiftet für drei Grundschulen

Schulranzen statt Stoffbeutel

Alma Obradovac (links), stellvertretende Leiterin der Eichendorffschule, Dorothee Weitzel, Leiterin der Lauterbornschule, und Oliver Schröder, Leiter der Mathildenschule (rechts), freuen sich über die Ranzenspende der Offenbach-Post. Chefredakteur Frank Pröse hat sie für bedürftige Kinder aus ihren Schulen übergeben.  (c)Foto: tk Kinderarmut ist in Offenbach ein großes Thema. Vielen Familien fehlt das Geld für eine ausreichende Schulausstattung. Die Verlagsleitung der Offenbach-Post stiftet deshalb 30 Ranzen für drei Grundschulen.

Offenbach - Jeder hat ihn noch in Erinnerung – seinen ersten Schulranzen. Und diesen Stolz, ihn zum ersten Mal aufsetzen und den Mitschülern präsentieren zu können. In Offenbach, vor allem in der Innenstadt, wird dieses Glück jedoch längst nicht allen Kindern zuteil. Von Veronika Schade

Lehrer und Schulleiter erleben täglich, wie ihre Schützlinge sich mit notdürftigen Taschen für ihre Schulsachen behelfen, weil das Geld für einen richtigen Ranzen fehlt. Wer den alten, abgewetzten Rucksack von den Geschwistern erbt, zählt noch zu den glücklicheren. Nicht wenige Kinder kommen mit einfachen Stoffbeuteln in die Schule. Dass dies nicht nur effektives Transportieren von Büchern und Heften unmöglich macht, sondern auch für Rücken und Körperhaltung Gift ist, versteht sich von selbst.

Von dieser Situation erfuhr Thomas Kühnlein, Geschäftsführer unserer Mediengruppe, beim Gespräch mit einer Grundschulleiterin innerhalb seines Engagements beim Lions-Club. Darauf reifte der Entschluss, mit einer Ranzenspende einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten. Mit der Firma Koffer Roth war schnell der richtige Partner gefunden: 30 hochwertige Schulranzen der Marke Scout samt Mäppchen und Turnbeuteln im Einzelwert von 123 Euro werden zum neuen Schuljahr an Kinder aus drei Grundschulen überreicht.

Kinderarmut in Offenbach ein relevantes Thema

Doch wie gelangen die neuen Ranzen an diejenigen, die sie am meisten brauchen? Eine Anfrage bei Bildungsdezernent Felix Schwenke und Staatlichem Schulamt ergab, welche die drei geeignetsten Einrichtungen sind: Eichendorff-, Mathilden- und Lauterbornschule. Groß war die Freude bei den Schulleitern, als sie zum Übergabetermin eingeladen wurden. Dieser bot Gelegenheit, über Sorgen und Nöte im Schulalltag zu sprechen. „Für viele Familien ist die einfachste Standardausrüstung nicht finanzierbar“, beobachtet Oliver Schröder, Leiter der Mathildenschule. Das gehe weit über Schulranzen hinaus: So fehle Kindern im Winter oft ausreichende Kleidung und Schuhwerk.

Kinderarmut ist in Offenbach, sind sich die drei Schulleiter einig, ein relevantes Thema. Dabei gehe es den Familien, die Sozialleistungen beziehen, nicht mal am schlechtesten, sondern denjenigen, die als Geringverdiener an der Grenze zur Stütze leben. „Sie profitieren im Gegensatz zu Hilfsempfängern nicht vom Bildungs- und Teilhabepaket“, erklärt Lauterbornschul-Leiterin Dorothee Weitzel. Diese vom Land gestifteten Pakete umfassen Leistungen wie Lernförderung und Zuschüsse etwa für Mittagessen oder Klassenfahrten – und für Ausstattung. Doch auch bei ausreichendem Material hapere es oft an anderen Stellen, etwa an Elternkompetenz. „Ein erheblicher Teil unserer Arbeit ist sozialpädagogische Arbeit, fast mehr als das eigentliche inhaltliche Arbeiten“, sagt Weitzel. Das fange damit an, darauf zu achten, dass die Kinder anständiges Essen mitbringen, bis hin zum Anberaumen von Elterngesprächen, für die häufig erst ein Dolmetscher gesucht werden muss. Wobei man oft froh sei, wenn die Eltern überhaupt kämen.

Auch räumliche Enge bereitet allen drei Schulleitern Sorgen, sie warten dringend aufs Fortschreiten des Schulbausanierungsprogrammes. Ganztagsangebote seien so schwer umsetzbar. Der Mathildenschule fehlen laut Leiter Schröder etwa 700 Quadratmeter. Improvisation sei Pflicht. In der Lauterbornschule, die sich immerhin mit der benachbarten Ludwig-Dern-Schule eine neue Cafeteria teilt, bietet der Förderverein pädagogische Mittagsbetreuung an – aus Platzgründen für derzeit 55 Kinder. „Bedarf hätten wir locker fürs Dreifache“, so Weitzel.

Alma Obradovac, stellvertretende Leiterin der Eichendorffschule, kennt das Problem: „Manchmal müssen wir mit den Kindern sogar ins Treppenhaus ausweichen.“ Immerhin, freut sie sich, habe ihre Schule als einzige Grundschule in Offenbach einen Sozialarbeiter – den sie dringend brauche. Trotz allen Kummers betonen sie, dass sich in Offenbach viel Gutes entwickelt habe. „Man unternimmt eine Menge“, lobt Schröder und hebt den Runden Tisch des Quartiersmanagements im Mathildenviertel hervor. „Die Stadt reagiert auf Probleme, das ist gut so.“

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