Geschwister-Scholl-Schule

Schulsozialarbeit feiert zehnjähriges Bestehen

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Sie freuen sich über zehn Jahre Schulsozialdienst an der Geschwister-Scholl-Schule: Irene und Holger Hoffmann (Heike und Horst Hoffmann-Stiftung), die Sozialpädagogen Annette Rösch und Tim Hutfilter-Rösch, Reiner Goy (Vorstand CVJM Frankfurt), Fanni Mülot (Schulleiterin) und Volker Stürzer (Staatliches Schulamt).

Offenbach - Der Hit „YMCA“ von Village People fehlt bei fast keiner Party. Selten aber passt er so gut wie zur Feier anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Schulsozialarbeit an der Geschwister-Scholl-Schule. Von Veronika Szeherova

Wäre diese doch undenkbar ohne den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM, englisch YMCA) Frankfurt. Ihm gelang es mithilfe von Sponsoren, das Sorgenkind in Bieber gehörig aufzupolieren.

Vor zehn Jahren noch war die GSS fast ein gefürchtetes Terrain. Auch für die Schüler selbst. „Viele empfanden diesen Lernort als ungewollt und belastend, eine positive Identifikation konnte nur begrenzt hergestellt werden“, blickt Schulleiterin Fanni Mülot zurück. „Wir standen vor elementaren Entscheidungsprozessen. So, wie die Schule war, gab es keine Perspektive.“ Die meisten Schüler der damaligen Haupt- und Realschule stammten aus sozial belasteten und bildungsfernen Familien, etwa 90 Prozent hatten einen Migrationshintergrund. Probleme, die eine erfolgreiche Schullaufbahn erschweren und mit denen viele Offenbacher Schulen zu kämpfen haben.

Zufall meinte es gut

Der Zufall meinte es gut mit der GSS. Die Sigrid-Hartmann-Stiftung, eine Stiftung Offenbacher Bürger, hatte den CVJM Frankfurt beauftragt, sich in Offenbach sozial zu engagieren. Das Projekt durfte er sich selbst aussuchen. Dafür wandte sich der Verein ans Offenbacher Jugendamt. „Mit dem Fahrrad haben wir verschiedene Orte in Offenbach abgefahren“, erinnert sich Jugendamts-Mitarbeiterin Barbara Leissing. Beim Besuch der GSS fiel schnell der Entschluss, dass dies der richtige Förderungs-Ort sei. Mülot erinnert sich, wie der damalige Schulleiter Heinz Müller-Lichtenheld nach dem Gespräch mit dem CVJM den Telefonhörer auflegte. „Die Sonne geht auf“, soll er gesagt haben.

2003 kam der vom CVJM angestellte Sozialarbeiter Tim Hutfilter-Rösch an die Schule. Er schuf mit dem Café Break einen offenen Begegnungsort und weitere neue Aufenthaltsräume, unter anderem einen Ruheraum. Die GSS entwickelte sich zur Gesamtschule mit pädagogischer Mittagsbetreuung, wofür das Hessische Kultusministerium Mittel zur Verfügung stellt.

Diese allein würden nicht reichen, um zwei volle Sozialpädagogen-Plätze zu finanzieren. Da sich mit der UBS Deutschland und der Heike und Horst Hoffmann-Stiftung weitere Sponsoren fanden, konnten die Personalkosten getragen werden. 2005 kam Hutfilter-Röschs Ehefrau Annette hinzu, um vor allem Mädchen eine Ansprechperson an die Seite zu stellen.

Ohne Schulsozialarbeit nicht mehr vorstellbar

Heute ist die GSS ohne die Schulsozialarbeit nicht mehr vorstellbar. Die Arbeit der Sozialpädagogen ist im Schulprogramm eingebunden. Sie beraten nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer, nehmen an Fallkonferenzen teil, übernehmen bei Konflikten die Mediation und betreuen zahlreiche Projekte, teils unterstützt von Ehrenamtlern. „Soccerturniere“, „Adventsevents“, der Jungs-Club und die Kreativwerkstatt sind nur einige Angebote.

Die fünften Klassen nehmen zudem am von Hutfilter-Rösch entwickelten „Starterprojekt“ teil, ein im Methodenkoffer „Gewaltprävention in der Stadt Offenbach“ anerkanntes Projekt, bei dem es um soziales Lernen geht. Das Lerncamp im CVJM-Camp Michelstadt ist fester Bestandteil im sechsten Schuljahr, ältere Schüler kümmern sich um den Schulgarten übernehmen Technikdienst.

Weiterführende Schulen in Offenbach

Weiterführende Schulen in Offenbach

Das Klima an der GSS hat sich mit der Arbeit der Sozialpädagogen deutlich gebessert, darin stimmen Schulleitung und Lehrer überein. Auch Schuldezernent Felix Schwenke lobt die Entwicklung, die die Schule genommen hat. Sein Vorgänger Paul-Gerhard Weiß habe ihm nahegelegt, „sich darum zu kümmern, dass die Schulsozialarbeit dort im selben Umfang weitergehen kann“.

Denn es gibt Sorgen. Wegen der Konjunkturlage sei von Sponsoren in den letzten zwei Jahren deutlich weniger Geld gekommen, die Stadt musste bezuschussen. „Ich habe 90 000 Euro pro Jahr in den Schutzschirmvertrag eingestellt“, teilt Schwenke bei der Feier mit und erntet Applaus. „Die letzte Genehmigung aber fehlt noch“, relativiert er. „Wir wollen vieles, aber in Offenbach ist es immer eine Frage des Dürfens.“ Die GSS habe im Vergleich zu anderen Schulen viel Glück gehabt. „Eine solche Verbindung von Schule, Trägerverein und Sponsoren ist in Offenbach einzigartig.“

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