Koordinator Lars Blumeyer muss seinen Unterricht mehrmals umplanen

Schulsport in Offenbach vor Herausforderungen

Zur Zeit ist noch unklar, wann Lars Blumeyer wieder mit seinen Schülern Sportunterricht machen darf. Genug Platz bietet das Gelände der Ernst-Reuter-Schule.
+
Zur Zeit ist noch unklar, wann Lars Blumeyer wieder mit seinen Schülern Sportunterricht machen darf. Genug Platz bietet das Gelände der Ernst-Reuter-Schule.

Genau eine Woche lang durfte zu Schuljahresbeginn der Sportunterricht an Offenbacher Schulen stattfinden. Dann erforderten die steigenden Infektionszahlen in Offenbach nach der Überschreitung der 7-Tages-Inzidenz von 35 Fällen pro 100 000 Einwohnern neue Maßnahmen. Zu denen zählt auch die Aussetzung des Schulsports bis 30. August.

Offenbach - Dass der Unterricht nicht ersatzlos ausfällt, ist den Schulen wichtig. Von den Lehrkräften wird Kreativität verlangt, Alternativen zu finden, die den Corona-Einschränkungen entsprechen.

Lars Blumeyer ist Sportlehrer an der Ernst-Reuter-Schule in Bürgel und seit sieben Jahren einer von zwei Schulsportkoordinatoren in der Stadt. Er sagt, dass er mit älteren Schülern Theorieunterricht macht. Für Bewegung kann ein Spaziergang auf Abstand sorgen. „In den Randstunden haben wir wieder auf Distanzunterricht umgestellt“, sagt der Lehrer. Das heißt, dass Sportstunden in den ersten oder letzten Schulstunden des Tages durch Aufgaben ersetzt werden, die die Schüler zu Hause machen. „Das können Tagesworkouts sein oder die Schüler sollen Joggen gehen“, berichtet Blumeyer. Dabei kann er auf die Erfahrungen aus dem Home-Schooling zurückgreifen.

So langsam ist Blumeyer geübt darin, sich neue Konzepte für den Schulsport auszudenken. In den Sommerferien hatte er sich bereits überlegt, wie er seinen Schülern unter Einhaltung des sogenannten Hygieneplans 4.0 des Hessischen Kultusministeriums vom 24. Juli ein ausgewogenes Sportprogramm präsentieren kann. Das hat Corona vorerst zunichte gemacht. Ob oder wann dieses Konzept wieder in Kraft treten wird, ist offen.

Die wichtigsten Punkte des Corona-Konzepts, das auf Einschränkungen unterhalb der Inzidenz-Grenze von 50 basiert: Es dürfen alle Sportarten ausgeübt werden – ohne Masken und Abstand halten. Aber auch hier gilt: Keine Regel ohne Ausnahme. Wie im Vereinssport darf ab einer Gruppengröße von zehn Personen Sport nur kontaktlos getrieben werden. Ein Fußballspiel ist somit höchstens im Modus fünf gegen fünf möglich. Eine weitere Einschränkung, die nicht nur in Offenbach gilt, betrifft das sogenannte Bewegungsfeld Ringen und Raufen, da die Schüler dabei längeren Körperkontakt zueinander haben.

Grundsätzlich soll der Unterricht – wenn möglich - im Freien stattfinden, die Nutzung von Hallen ist allerdings ebenfalls erlaubt. In den Umkleideräumen ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen und es dürfen keine Warteschlangen vor den Umkleiden entstehen. Die Fünf-Quadratmeter-Regel zum Umziehen gilt auch für Schüler. Auf die Durchlüftung der Umkleidekabinen und der Hallen muss geachtet werden.

Sportgeräte sollen nach jeder Nutzung nach den üblichen Hygienevorschriften gereinigt werden. Das heißt: Sportgeräte wie ein Reck müssten nach jeder Nutzung eines Schülers mit Desinfektionsmittel eingesprüht und abgewischt werden. Deshalb empfiehlt Lars Blumeyer, möglichst wenige Geräte zu nutzen: „Ich würde nach Alternativen suchen: Fitnessübungen können zum Beispiel sehr gut nur mit einer Matte und dem Körpergewicht gemacht werden.“ Für die meisten Schüler sei es allerdings das Größte, in der Schule Fußballspielen zu dürfen – und die Schüler wollen nicht mit Passübungen ohne Körperkontakt vertröstet werden sondern richtig spielen. „Es ist den Schülern nicht zu vermitteln, dass sie im Verein ihrer Mannschaftssportart unter Einschränkungen nachgehen dürfen, aber in der Schule überhaupt nicht“ , sagt Blumeyer über den Fall, dass der Schulsport wieder aufgenommen wird.

Auch schulinterne Wettkämpfe etwa im Fußball oder Völkerball-Turniere sind laut Hygienekonzept erlaubt. Nur Wettkämpfe mit mehreren Schulen, wie sie normalerweise unter anderem im Rahmen von „Jugend trainiert für Olympia“ stattfinden, sind im ersten Halbjahr verboten. Es soll nicht zu einer Vermischung von Infektionsclustern kommen. Wie viele Veranstaltungen in der zweiten Schuljahreshälfte untergebracht werden können, müssen Lars Blumeyer und der zweite Schulsportkoordinator Christian Datz abwarten.

Bis zu den Herbstferien möchte Blumeyer so viele Stunden wie möglich draußen geben. Wie viele es geben wird, hängt von den Entscheidungen der Stadt über neue oder verlängerte Maßnahmen ab.

Die örtlichen Gegebenheiten können auch problematisch sein: Bei schlechtem Wetter bleibt nur der Gang nach drinnen. Zwei Klassen können gleichzeitig in die Sporthalle der Ernst-Reuter-Schule, wenn eine Trennwand heruntergelassen wird. Da wird es schon enger werden und auch eine Durchlüftung ist nicht möglich. „Ein Stoßlüften wie in den Klassenzimmern kann man in unserer Halle nicht machen. Die Fenster der meisten Hallen sind eher klein, können nur gekippt werden und sind fast unter der Decke. Sie müssten schon dauerhaft geöffnet sein, aber dann wird es im Winter sehr kalt“, erklärt Blumeyer. Trotz aller Einschränkungen ist er davon überzeugt, dass Sportunterricht gut für die Schüler ist: „Studien zeigen immer wieder, dass Bewegung zu einer besseren Konzentrationsfähigkeit beiträgt und außerdem das Immunsystem stärkt.“

Von Theresa Ricke

Sport in Offenbach unter Pandemie-Bedingungen

Seit die Zahl der Corona-Neuinfektionen Anfang August stetig ansteigt und mehrere Warnstufen des Eskalationskonzepts des Landes erreicht wurden, gelten Einschränkungen für den Sportbetrieb in Offenbach. Zuschauer sind aktuell in den Hallen nicht gestattet. Generell gilt, dass nur der Trainings- und Wettkampfbetrieb im Profi- und Spitzensport ohne Kontaktbeschränkungen stattfinden darf. Unter Profisport wiederum ist laut Stadt die bezahlte Vollzeittätigkeit von Berufssportlern in Kapitalgesellschaften beziehungsweise über den im Wirtschaftsbetrieb von Vereinen zu verstehen. Die Sportler des OFC-Leistungszentrums fallen nicht unter diese Definition, daher wurde das Lokalderby der U19-Mannschaft der Kickers von der Stadt nicht genehmigt.

Der Vereinssport ist momentan nur kontaktfrei gestattet. Dabei ist die Gruppengröße auf zehn festgeschrieben, ansonsten muss der Mindestabstand pro Person von 1,50 Metern gewährleistet sein. Bei Sport in Hallen müssen diese mehrfach gelüftet werden – Hallen, die nicht gelüftet werden können, dürfen nicht genutzt werden. Außerdem gilt beim Betreten der Umkleide und den Sanitärräumen eine Maskenpflicht in den Sporthallen.

Auch der Zugang zum Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe ist noch bis 3. September beschränkt: Durften zuvor 500 Personen pro Zeiteinheit das Schwimmbad nutzen, sind wegen der hohen Corona-Fallzahlen nur noch 100 Personen gestattet. Sobald 100 Personen im Schwimmbad sind, wird der Zugang laut des Betreibervereins EOSC für weitere Besucher geschlossen. Auch im Schwimmbad gilt im Kassen-, Umkleide- und Sanitärbereich Maskenpflicht – wer sich nicht daran hält, wird des Bades verwiesen. Tickets für das Schwimmbad können unter www.eosc-ticket.de gebucht werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare