Alles klar am Schultheis

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Das fünfjährige Projekt zur „Verbesserung und Stabilisierung“ der Wasserqualität war erfolgreich. Die aktuelle Wassertemperatur beträgt 24 Grad. Die jüngsten Messwerte stammen von 17. Juli – alles ohne Beanstandungen. Die Sichttiefe reicht bis zum Grund.

Offenbach - Es war ein langwieriger, oft totgesagter, heiß diskutierter und teurer Prozess: die biologische Gesundung des Schultheisweihers. Offenbar hat es sich gelohnt. Von Martin Kuhn

Machte die explosionsartige Vermehrung von Cyanobakterien (Blaualgen) in den vergangenen Jahren immer wieder eine Sperrung erforderlich, ist das heute kein Thema. „Mittlerweile zählen wir täglich 2000 Besucher“, sagt Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach. Der Schultheisweiher – eine ganz besondere Erfolgsgeschichte.

Der fünf Jahre währende Kampf um den Schultheis, neben der EOSC-Anlage einzige Bademöglichkeit in der Stadt, kostete rund 300.000 Euro. Ziel war es, das natürliche Gleichgewicht in dem Gewässer wieder herzustellen. Problem: Wasserpflanzen waren ratzeputz weggefressen von Graskarpfen. Deren unbändiger Appetit schuf Platz für eine gänzlich unerwünschte Lebensform: Cyanobakterien. Heute haben sich hingegen raues Hornblatt und Nixkraut ausgebreitet. Das ist gut für die Wasserqualität.

Und in diesem Jahr stimmt einfach alles im Mainbogen. Die Badegäste zeigen sich zufrieden. Im Mai, als Bürgermeister Peter Schneider die Badesaison mit einem Sprung ins 14 Grad kalte Nass eröffnete, war noch viel Optimismus im Spiel. Jetzt sagt Hollerbach: „Es ist die Lust der Offenbacher spürbar, sich an ihrem Schultheis zu erfreuen und sich in ihm zu erfrischen.“ Obwohl nur zu Fuß und Rad zu erreichen, deutet die große Zahl an, dass die Badegäste die außergewöhnliche Lage des Sees im Naturschutzgebiet schätzen.

Ausgewogene Balance

Dabei hat das alles seine (berechtigten) Grenzen „Der Schultheis ist klein und sehr flach. Deshalb müssen wir besonders auf eine ausgewogene Balance zwischen der Badenutzung und Schonung der Natur achten“, betont die Amtsleiterin. So ist es die Aufgabe des Umweltamtes, das Naherholungsgebiet kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dabei steht der Naturschutz im Fokus. Alle Veränderungen müssen maßvoll und im Einvernehmen mit der oberen Naturschutzbehörde und allen Beteiligten erfolgen.

Auch Dank der Bade- und Geländeaufsicht verlief die bisherige Badesaison ohne besondere Vorkommnisse. Die Akzeptanz der Regeln ist für eine dauerhafte naturverträgliche Nutzung wichtig. Heike Hollerbach listet auf: „Keine Hunde, keine Boote, keine Feiern, kein Füttern der Tiere, das ist schon das Wesentliche und natürlich gegenseitige Rücksichtnahme“.

Dennoch ist mitunter Überzeugungsarbeit notwendig, wenn etwa jemand mit einem Highspeed-Modellboot Trainingsrunden fahren will. Auch die Anfragen nach einem Mitternachts-Fotoworkshop mit Fotomodell oder nach Schwimmkursen für Hunde zeigen, welche Fantasien der See auslöst. Hier sei, so Hollerbach, immer eine Abwägung zwischen den Interessen von Mensch und Natur notwendig – mit Vorteil für Flora und Fauna. ‹ Aktuelle Informationen über Wasserwerte und Temperaturen auf www.offenbach.de.

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