Wasserqualität ist „ausgezeichnet“

Sulfate sollen Schultheis stabilisieren

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Der Schultheisweiher, ein ehemaliger Kiessee, Herzstück des Mainbogens von Bürgel und Rumpenheim, ist etwas Besonderes: Wasservögel wie Erholungssuchende lieben ihn gleichermaßen. Die Stadt ist stets um ein Gleichgewicht bemüht.

Offenbach - Am 1. Mai beginnt die Badesaison am Bürgeler Weiher. Die Wasserqualität ist „ausgezeichnet“ – offiziell bewertet von der EU. Damit es so bleibt, hat die Stadt ein waches Auge auf das Gewässer. Von Martin Kuhn 

Ein EU-Vertreter ist vermutlich noch nie im Schultheisweiher baden gegangen. Daher erfolgt die europaweit einheitliche Einstufung lediglich über ein statistisches Verfahren. Fürs vergangene Jahr erhält das gut zehn Hektar große Gewässer ein „Ausgezeichnet“. Die Stadt wertet das als Erfolg ihrer fünfjährigen ökologischen Sanierung. Damit es so bleibt, sind wieder kleinere Hilfen notwendig.

Der Schultheis ist ein Idyll mit besonderer Artenvielfalt – und, was einige mitunter vergessen, ein Naturschutzgebiet. Badebetrieb ist geduldet und auf Dauer nur möglich, wenn das ökologische Gleichgewicht nicht gefährdet wird. Genau das war zur Jahrtausendwende nicht immer gegeben. Der See war „überdüngt“. Heißt: Blaualgen breiteten sich aus, Wasserpflanzen waren kaum vorhanden. Daher startete die Stadt 2006 die Sanierung, die 220.000 Euro gekostet hat. Gekoppelt ist das mit zehnjähriger Beobachtung und Protokollierung. Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach sagt: „Wir wollen sehen, wie der See dauerhaft mit all seinen Problemen umgeht.“

Sensibles Ökosystem

Es gibt viele Faktoren, die das sensible Ökosystem beeinflussen können. Der sehr flache See (maximale Wassertiefe: 3,11 Meter) verfügt über keinen natürlichen Zufluss, da wirken sich Niederschlagsmenge, Temperatur, Zahl der Badegäste und Zugvögel aus. Zur Unterstützung der Selbstheilung ließ das Umweltamt 2008 eine dreiwertige Eisensulfatlösung in den See einbringen. Ziel: Bindung des im Wasser gelösten Phosphors. So entwickelte sich schon zwei Jahre später eine vielfältige Population an Wasserpflanzen und eine vorzügliche Wasserqualität.

„Um die konstante Entwicklung von Wasserqualitätsparametern im Weiher zu erhalten, muss weiterhin der Eintrag von Phosphor durch den Grundwasserpfad und durch die hohe Zahl von Wasservögeln wie Gänse und Kormorane beobachtet werden“, betont Heike Hollerbach. Bedeutet volksnah ausgedrückt: Die Vögel kacken den Schultheis regelrecht zu, was ebenso wie ins Grundwasser geratener Dünger zu erheblichem Nährstoffeintrag führt. Die Stadt setzt daher erneut auf ein technisch einfaches und ökonomisch günstiges Verfahren: Eisen-III-Sulfat. „Es bindet siebzig Prozent der Phosphorkonzentration im Seewasser“, erklärt die Amtsleiterin. Das erfolgt vom 20. bis 24. April und nochmals im kommenden Jahr. Die Kosten liegen jeweils bei etwa 4000 Euro.

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Für eine grundsätzliche Minimierung des Phosphoreintrags in den Schultheis lässt die Verwaltung außerdem zwei neue Grundwassermessstellen etwas entfernt vom Ufer niederbringen. „Sie untersuchen eventuelle spezifische Einflüsse durch die nahe gelegenen Kleingartenanlagen oder/und der Ansiedlungen in Bürgel durch Kanalschäden“, heißt es in einer Mitteilung. Sie ergänzen die bereits bestehenden Messstellen und sollen Erkenntnisse über die Grundwasserwege bringen.

Im vergangenen Jahr lief – von der Öffentlichkeit unbemerkt – der Pachtvertrag zwischen den fünf Angelsportvereinen und der Stadt Offenbach aus. Der neue, zwölf Jahre laufende Vertrag wurde inhaltlich „einvernehmlich mit allen Beteiligten den aktuellen Anforderungen angepasst“. Zum Beispiel wurde der Fischbesatz eindeutig geregelt sowie die Möglichkeiten der Stadt, Maßnahmen im und am Gewässer zustimmungsfrei umzusetzen.

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