Schülerlotsen im Verkehr

„Schutzengel für Schüler“ sichern Schulweg in Offenbach – Weitere Helfer dringend gesucht

Schnell rüber, es ist Grün: OP-Chefredakteur Axel Grysczyk macht die praktische Schülerlotsenausbildung mit.
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OP-Chefredakteur Axel Grysczyk macht die praktische Schülerlotsenausbildung in Offenbach mit.

In Offenbach sichert eine kleine Gruppe von Helfern den Schulweg für Kinder. Immer weniger melden sich freiwillig – und nicht überall kann kontrolliert werden.

Offenbach – Die Straßen glänzen vor Feuchtigkeit, Regen tröpfelt unaufhörlich nieder. Nicht stark, aber eben doch so intensiv, dass es unangenehm ist. Zehn Grad zeigt der Außentemperaturmesser an, es ist Viertel nach 7 Uhr am Morgen. Wer sich bei dem Wetter als Schülerlotse betätigt, macht dies aus Überzeugung.

„Treffen sich hier die Lotsen?“, fragt ein Mann am Eingang der Waldschule Tempelsee. Werner Mank von der Verkehrswacht nickt. An diesem Morgen erhalten die neuen Ehrenamtlichen ihre praktische Ausbildung. Vorausgegangen war ein Aufruf in der Offenbach-Post: Eduard Pogadl, der 1990 den Lotsendienst gründete, suchte händeringend weitere Lotsen. Ansonsten hätte der Dienst nach den Ferien eingestellt werden müssen.

Der Aufruf zeigte Wirkung, 16 neuen Helfer haben bereits ihre theoretische Ausbildung absolviert, nun folgt die praktische Einweisung. „Ich möchte, dass mein eigenes Kind sicher zur Schule kommt, also habe ich mich für den Lotsendienst entschieden“, sagt Tanja Manus. „Mein drittes Kind geht hier zur Schule, da meinte eine Freundin, dass ich jetzt auch mal ran müsste“, sagt Laura Völler und lacht.

Offenbach: Verkehrshelfer schützen den Schulweg von Kindern

Pogadl verteilt an die neuen Helfer gelbe Warnwesten mit der Aufschrift „Verkehrshelfer“. Auch OP-Chefredakteur Axel Grysczyk erhält eine. „Nach dem Aufruf in unserer Zeitung wollte ich selbst erleben, wie der Lotsendienst ausschaut“, sagt er. Dazu bekommt er nach einer Einweisung von Pogadl sofort Gelegenheit: An der Kreuzung Brunnenweg / Heusenstammer Weg soll er Schulkinder an zwei der vier Ampeln beim Überqueren der Straße absichern. „Immer mit dem Blick zu den Autofahrern“, ruft Pogadl und wendet sich an die übrigen Teilnehmer, „ihr müsst sehen, woher eine potenzielle Gefahr kommt.“

Im Augenwinkel sollen alle dennoch die Schüler beobachten, rät Werner Mank von der Verkehrswacht: Manche Schulkinder seien so ins Gespräch mit Freunden vertieft, dass sie gar nicht mitbekämen, dass die Ampel ihnen wieder Rot anzeige. „Ich musste schon öfter Kinder im letzten Moment auf den Bürgersteig zurückziehen“, sagt Werner Lehnen, der sich seit einigen Jahren als Lotse engagiert. Recht schnell haben alle Teilnehmer den Dreh heraus, leiten die Kinder sicher über die Straße.

Gefährlicher Schulweg: In Offenbach helfen Freiwillige den Kindern im Verkehr

„Der ist einfach weitergefahren“, sagt einer der Lotsen-Neulinge und weist auf ein helles Fahrzeug, das unbeeindruckt von dem Helfer mit Schutzweste und Kelle auf den Brunnenweg abbiegt. „Genau deshalb seid ihr so wichtig für die Kinder“, sagt Pogadl. Denn so mancher Verkehrsteilnehmer, ob Lastwagen, Auto oder Radler, schere sich wenig um Verkehrszeichen und Vorfahrt und gefährde damit die Schulkinder. „Es gibt auch einen Blitzer auf der Strecke, wenn man bei Rot über die Ampel fährt, aber das schreckt manche Leute nicht ab“, sagt Polizeihauptkommissarin Nicole Vogel. Daher ist sie froh über die Offenbacher, die sich morgens für eine halbe Stunde an besonderen Gefahrenpunkten auf die Kinder aufpassen. „Diese Kreuzung gilt als Unfallschwerpunkt“, sagt sie, „wenn aber Menschen in Warnwesten und mit Kelle in der Hand mit auf die Fahrbahn gehen, dann hilft das, Unfälle zu vermeiden.“

Inzwischen hat Tanja Manus ihre Kelle an Fahreddin Erol weitergegeben. „Ich will gern helfen, aber da ich Schicht arbeite, kann ich nur dann morgens hier stehen, wenn ich Spätdienst habe“, sagt er. Freude aber bereite es ihm, den Schulweg der Kinder abzusichern. „Einige Autofahrer achten leider sehr wenig darauf, dass die Kinder Grün haben und über die Straße dürfen“, sagt er. „Wichtigster Tipp: Lasst euch nicht überfahren und achtet auf die Autos“, ruft York Krause, ein langjähriger Lotse, den Neulingen zu.

Nicht genug Helfer in Offenbach: Verkehrslotsen können nicht überall sein

Ob denn auch nachmittags, wenn die Schule zu Ende ist, Lotsen gebraucht würden, möchte ein Teilnehmer wissen. Nein, erklärt Pogadl, da gebe es auch weniger Verkehr und somit weniger Gefahrenstellen. Überdies hätte er dafür nicht genug Helfer. „Für die Friedrich-Ebert-Schule suchen wir noch immer Freiwillige, die den Schulweg absichern“, sagt Pogadl.

Ans Aufhören denkt der 82-Jährige nicht, der Lotsendienst ist sein Herzensprojekt. Als „Schutzengel der Schulkinder“ hat ihn der Polizeipräsident deshalb einmal bezeichnet.

Inzwischen ist es hell geworden, es ist kurz vor 8 Uhr. „Um die Zeit kommen die ‘Indikator-Kinder’: Das sind die, die jeden Morgen auf den letzten Drücker zur Schule gehen. Wenn ich die sehe, weiß ich, dass der Dienst gleich vorüber ist“, sagt Krause und lacht. Axel Grysczyk hat ebenso wie Tanja Manus oder Laura Völler die Schutzweste ausgezogen. „Respekt, dass Sie sich morgens hier hinstellen im Regen“, lobt er die Helfer. (Frank Sommer)

Auch an anderer Stelle sorgt ein eigensinniger Pkw-Fahrer für Ärger: In Offenbach blockiert ein Auto Fahrradstellplätze.

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