Schutz gegen Gewalt

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Denis Coralic (12) und Nevin Al-Kayed (12) aus der 6b der Mathildenschule demonstrieren in der Ausstellung „Echt fair“, wie sie funktioniert. Mit dem Verbotsschild sagen sie „Halt“, bevor eine Situation eskaliert.

Offenbach ‐ Fast 400 Fälle von häuslicher Gewalt verzeichnete das Polizeipräsidium Südosthessen im vergangenen Jahr in Offenbach. Von Simone Weil

Hinzu kommen 73 Fälle von Stalking, bei dem das Opfer durch die permanente persönliche oder telefonische Verfolgung durch eine andere Person terrorisiert wird. Das ist Grund genug für die Polizei, sich intensiv dem Thema Gewaltprävention zu widmen. Und das sei in der Schule gut aufgehoben, findet Polizeipräsident Roland Ullmann. Deswegen hat die Regionale Geschäfsstelle Netzwerk gegen Gewalt im hiesigen Polizeipräsidium mit der Stadt und dem Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt die interaktive Ausstellung „Echt Fair“ an die Mathildenschule geholt und gestern dort offiziell eröffnet.

An verschiedenen Erlebnissäulen sollen sich die Schüler ab der 5. Klasse mit dem Thema Gewalt auseinander setzen, das manchmal gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist. Denn es muss dabei nicht unbedingt handfest zugehen. Manchmal reicht es, wenn sich jemand am Besitz des anderen vergreift, eine Jacke oder eine CD an sich nimmt, also psychisch Druck ausübt. Aber auch dann können solche Situationen eskalieren und umschlagen.

Depressionen und Verhaltenauffälligkeiten als Folge

Kinder die daheim erleben, dass der Vater die Mutter verprügelt, leiden darunter ebenso darunter wie diejenigen, die selbst Dresche bekommen. Meistens wirkt sich das in ihrem Schulalltag aus. Die Folge können Konzentrationsstörungen, Depressionen oder weitere Verhaltenauffälligkeiten sein. Nicht selten werden auch andere Schüler gemobbt. Darüber hinaus tun sich die betroffenen Kinder häufig mit sexistischem und fremdenfeindlichem Sprachgebrauch hervor.

An einem „Stimmungsbarometer“ sollen die Kinder und Jugendlichen deswegen in der Ausstellung einschätzen, für wie besorgniserregend sie es halten, wenn beispielsweise Passanten schweigen, während ein schwarzer Mann beschimpft wird. „Ist Gewalttätigkeit angeboren", lautet eine von vielen Fragen, die durchs Umdrehen des Holzkärtchens beantwortet werden. Kurze Videos, Situationsbeschreibungen und abwechslungsreich gestaltete Lernstationen zu Aspekten wie „Gewaltig“, „Strittig“, „Ich und Du“, „Hilfe“ und „Mit Recht“ dienen dazu, von den Schülern entsprechend eingeschätzt zu werden, sie reagieren zu lassen, sie zu sensibilisieren und vor allem, sie zu motivieren, sich Schutz und Hilfe zu holen.

Ausstellung noch bis Freitag in Mathildenschule

Deswegen sind die verschiedenen Organisationen, die in Offenbach als Anlaufstelle gegen Gewalt dienen, in die Präsentation eingebunden. Sie führen angemeldete Klassen und Jugendgruppen werktags zwischen 9.30 und 15.40 Uhr durch die Schau und stellen sich so als möglicher Ansprechpartner vor.

Noch bis zum Freitag, 13. Mai, macht die Wanderausstellung Station an der Mathildenschule, dann wird sie nach Dreieich weitergereicht. Nachmittags sind derzeit noch einige Termine für Schulen oder Jugendorganisationen frei: Anmeldungen bei Stephanie Padberg, Tel.: 069 8098-1221. Interessierte Erwachsene sind außerdem für Donnerstag, 12. Mai, 19 Uhr, zum Elternabend in die Einrichtung an der Mathildenstraße 30 geladen. Thema: „Mobbings in der Schulklasse.“ Anschließend gibt es noch eine Führung durch die Schau.

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