Offenes Ohr für die Anliegen

Jede Anregung ernst nehmen

+
 Zuhören und vermitteln können: Darauf kommt es an, wenn Peter Bertholdt vom 2. Revier zur Sprechstunde lädt.

Offenbach - Viel los ist nicht an diesem Donnerstagnachmittag im Stadtteilbüro an der Bernardstraße. „Entweder sind die Menschen mit der Situation in ihrem Quartier zufrieden, oder sie scheint ihnen gleichgültig“, spekuliert Polizeioberkommissar Peter Bertholdt vom 2. Revier, der zur Bürgersprechstunde ins Nordend gekommen ist. Von Harald H. Richter

Einmal monatlich steht er als „Schutzmann vor Ort“ nicht nur in diesem Viertel, sondern auch in Lauterborn und demnächst wieder im Wohngebiet Senefelderquartier als Ansprechpartner zur Verfügung. Berührungsängste der Bevölkerung gegenüber Polizeibeamten möchte der gebürtige Offenbacher abbauen helfen und den Bürgern ein Sicherheitsgefühl vermitteln, indem er den Kontakt zu ihnen sucht, mit ihnen spricht und Präsenz zeigt.

„Unsere Dienststelle aufzusuchen, bedeutet für nicht wenige Menschen die Überwindung einer Hemmschwelle. So aber lässt sich manches Problem merklich entspannter besprechen“, weiß der 55-Jährige aus dieser wohnortnahen Alltagsarbeit. „Es muss aber nicht jeder gleich seine Personalien vorlegen, der mir sein Anliegen vorbringen möchte“, gibt Bertholdt zu verstehen. Dass er seinen Formularblock zücken muss, um eine Anzeige aufzunehmen, kommt eher selten vor. Vielmehr sind es kleinere Sorgen und Nöte, die Ratsuchenden auf den Nägeln brennen, jedoch nicht automatisch zur Sache für die Polizei werden müssen.

Hinweise auf wilde Müllablagerungen gibt der erfahrene Beamte, der seit fast 35 Jahren im Polizeidienst steht, an den Dienstleister ESO weiter. Manchen nachbarschaftlichen Zwist vermag er in seiner Vermittlerrolle durch ein klärendes Gespräch zu schlichten, ohne dass er einen Vorgang anlegen muss. Seit drei Jahren ist Bertholdt als Kontaktbeamter unterwegs. Deshalb kennt er die Verhältnisse in den Wohnvierteln seines Reviers. Wichtig sei, Hinweisen und Anregungen mit gebotener Ernsthaftigkeit nachzugehen. Beim Thema Sicherheitsgefühl sei das nicht immer einfach, gehe es doch um rein subjektives, wenig rationales Empfinden. „Das ist besonders bei älteren Menschen sehr ausgeprägt, etwa weil sie sich sorgen, überfallen oder von Einbrechern heimgesucht zu werden. Fragt man dann genauer nach, relativiert sich manches“, weiß Bertholdt.

Spektakuläre und kuriose Raubüberfälle

Spektakuläre und kuriose Raubüberfälle

Die Zahlen sprechen für sich: Straßenraub und ähnliche Delikte gehen zurück. Und manche Straftat lässt sich durch mehr nachbarschaftliche Obacht und weniger Gedankenlosigkeit vermeiden. „Eine Aktentasche auf dem Autorücksitz oder das in der Mittelkonsole zurückgelassene Handy sind geradezu fahrlässig und eine Einladung an Autoknacker“, warnt der Experte. Ist jedoch jemand Opfer einer Straftat geworden, etwa im Fall eines Einbruchs, bedarf es differenzierter polizeilicher Nacharbeit. Die hat für Bertholdt weniger mit der routinemäßigen Bearbeitung des Falls an sich zu tun, sondern mit den Folgen der Tat für den Betroffenen. Bei Bedarf vermittelt er Kontakt, etwa zur Hilfsorganisation Weißer Ring.

Der Polizeioberkommissar schätzt die gute Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement und freut sich, dass mit dem Stadtteilbüro Senefelderquartier an der Hermannstraße eine weitere Anlaufstelle für die Bürger geschaffen wurde. Dort ist er kommenden Donnerstag von 15 bis 16 Uhr anzutreffen.

Kommentare