Maindamm-Sanierung: Schwachstelle am Schloss

Offenbach - So ein Jahrhundertbauwerk gehört sorgfältig geplant. Weshalb zu den formellen Bausteinen für die Errichtung eines neuen Maindamms ein Planfeststellungsverfahren gehört. Von Matthias Dahmer

Das hat die Stadt als zwangsweiser Bauherr Mitte des vergangenen Jahres beim Regierungspräsidenten (RP) als Aufsichtsbehörde beantragt. Nachdem die Sanierungspläne im Februar im Rathaus ausgelegen haben, steht gestern im großen Sitzungssaal die Erörterung von Bedenken gegen das Stadtbild prägende Vorhaben auf dem Programm. Moderiert von Vertretern des RP bringen die kraft Gesetzes zu beteiligenden Behörden sowie gerade mal eine Handvoll Privatpersonen in mündlicher Verhandlung ihre Einwände gegen die Pläne vor.

Um es vorwegzunehmen: Die Kritik ist keine grundsätzliche. Dass der in den 1890er-Jahren erbaute Damm erneuert gehört, darüber sind sich alle einig. Bevor es jedoch ins Detail geht mit den Anregungen und Vorschlägen, erläutern die von der Stadt beauftragten Planer von der CDM Consult GmbH nochmals, was sie vorhaben.

Danach wird in drei separat zu betrachtenden Abschnitten saniert. Dickster Brocken sind die 1,8 Kilometer zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Allessa-Gelände. Hinzu kommen 550 Meter in Rumpenheim sowie ein unproblematischer und deshalb zu vernachlässigender kleiner Abschnitt an der Gemarkungsgrenze zu Mühlheim. Dem Damm in Offenbach und Rumpenheim ist gemein: Er ist zwischen 40 und 65 Zentimeter zu niedrig und genügt in Sachen Standsicherheit nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Dritter Mangel: Der Maindamm im Offenbacher Abschnitt ist stark mit Bäumen bewachsen. „Bäume haben auf einem Hochwasserdeich nichts zu suchen“, stellt Gerhard Sulzbach von CDM klar.

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Um den Spagat zwischen dem technisch Erforderlichen und dem stadtgestalterisch Wünschenswerten zu schaffen, wird auf den 1,8 Kilometern unterschiedlich saniert. Teilweise arbeitet man mit wasserseitig vorgelagerten Spundwänden und lässt die Bäume stehen; teilweise wird die Böschung erneuert, das Grün muss fallen.

Gesonderter Betrachtung bedürfen jene 90 Meter vor dem Isenburger Schloss, die zwecks freiem Blick auf den Main abgesenkt und im Hochwasserfall mit mobilen Schutzelementen bestückt werden sollen. Für Thomas Kutschker, der die bei der Feuerwehr angesiedelte Untere Katastrophenschutzbehörde vertritt, liegt die Absenkung an der denkbar ungünstigsten Stelle. Ausgerechnet in Höhe des Schlosses ist das der Biegung des Flusses geschuldete sogenannte Prall-Ufer des Mains, wo bei Hochwasser Treibgut oder im schlechtesten Fall sogar kleinere Schiffe dagegen schlagen. Hinzu kommt: Das Areal um das Schloss ist der tiefste Punkt der Stadt. Wenn dort der Damm bricht, stehen weite Teil der Innenstadt und die S-Bahn unter Wasser. Im Übrigen, gibt Kutschker zu bedenken, sollten mobile Schutzsysteme grundsätzlich nur dort verwendet werden, wo feste Deichbauwerke aufgrund der Gegebenheiten nicht möglich sind.

Hans-Joachim Bier-Kruse vom für die Sanierung verantwortlichen Stadtplanungsamt hält dagegen die Risiken für beherrschbar. Mobile Elemente entsprächen schließlich dem Stand der Technik. Im Rumpenheimer Abschnitt zwischen Kleinem Gässchen und Schloss sehen die Katastrophenschützer Probleme beim Aufbau der Mobilelemente, die dort die Mauer lediglich erhöhen werden. Im Fall des Falles müsste man zum Montieren über die Grundstücke oder gar durch die Wohnungen der Anwohner.

Für Luxusversion müssen andere Projekte weichen

Ohne Chance ist der Vorstoß von Gerhard Plath, dem Denkmalschutz auf dem Damm in Höhe des heutigen Mainvorgeländes Rechnung zu tragen, wo einst die Kettenschleppschiffe sich trafen und eine Zwangspause einlegten. Über den Schutz des historischen Teehauses an der Mauer vorm Rumpenheimer Schloss, wird ihm dagegen signalisiert, muss im Laufe des Verfahrens noch einmal geredet werden.

Kein Thema ist gestern die Finanzierung der geplanten Sanierung, die weit über das hinausgeht, was technisch erforderlich ist. Wie berichtet müsste die Stadt bei dieser zirka zwölf Millionen Euro teuren Luxusversion mehr als sieben Millionen selbst bezahlen. Der RP in seiner Funktion als Aufseher über den städtischen Etat äußert sich dazu auf Anfrage. „Wir haben die Stadt bereits darauf hingewiesen, dass finanzielle Ressourcen für lediglich wünschenswerte Maßnahmen und Projekte grundsätzlich nicht mehr vorhanden sind“, sagt Sprecher Dieter Ohl.

Dazu zähle auch diese Form der Maindammsanierung. Die Mehrkosten seien im Zuge der Landesförderung nicht zuwendungsfähig und müssten an anderer Stelle kompensiert werden. Mit anderen Worten: Hält man an der Sanierungsvariante fest, müssen andere Vorhaben gestrichen oder zeitlich gestreckt werden.

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