Schwammige Aussichten

Offenbach (siw) - Irritiert und verärgert zeigen sich die beteiligten Künstler wegen der kurzfristigen Verschiebung der Ausstellung „Neue Welten“ in der alten MAN-Roland-Halle .

Die für den 28. August geplante Ausstellung „Neue Welten“ in der temporären Kunsthalle Offenbach wurde seitens der Stadt in der vergangenen Woche abgesagt und auf das Frühjahr 2012 verschoben (wir berichteten).

In der Pressemitteilung hieß es, die zeitliche Reihenfolge der Termine innerhalb des Kunst- und Ausstellungsprojektes „Wandernde Kunsthalle“ müsse verändert werden. Begründet wurde dies damit, dass sich während der Ausstellungsvorbereitungen in der seit zehn Jahren leer stehenden Fabrikhalle an der Christian-Pleß-Straße umfangreichere bauliche und organisatorische Maßnahmen als notwendig herausgestellt hätten, als ursprünglich angenommen. Die Arbeiten würden der Sicherheit der Besucher und der Kunstwerke dienen.

Statt mit der Schau „‚Neue Welten“, die das Projekt ursprünglich eröffnen sollte, wird die Reihe mit der Ausstellung „Uncanny Valley“ im Kontext des Architektursommers Rhein-Main am 13. August starten. Im Oktober folgt eine Produktion in Zusammenarbeit mit der Republik Island während Frankfurter Buchmesse.

Ein fester Termin sei nie zugesichert worden

In einer von zwölf Künstlern unterschriebenen Erklärung heißt es: „Ein fester Termin oder ob die Ausstellung tatsächlich stattfindet wurde seitens der Stadt nicht fest zugesichert. Es ist auch nicht klar, ob das Gelände im Frühjahr 2012 dann noch zur Verfügung steht und / oder Geldmittel vorhanden sind. Schwammige Aussichten also für diese als Auftakt geplant Station der ,Wandernden Kunsthalle’ in Offenbach.“

Jos Diegel, Christoph von Löw, Mirek Macke und die anderen Beteiligten macht skeptisch, dass ein externer Kurator aus Münster mit einer Installation geladen und extra bezahlt wird. Dass die erst Ende Juni vorgestellte und mit 50 000 Euro ausgestattete Kunstinitiative aus Sicherheitsgründen nicht so wie geplant starten kann, wollen die Künstler nicht glauben: „Wir sind verwirrt, denn dies entspricht - nach unserem Kenntnisstand - nicht der Wahrheit.“ Alle Maßnahmen, auch die sicherheitstechnischen, seien im - wenn auch knappen - Zeitplan gewesen, und auch die baurechtlichen Genehmigungen seitens des Bauamts seien bis zum Eröffnungstermin in Aussicht gestellt worden.

Will die Stadt temporäre Kunsthalle oder nicht?

Die offiziellen Begründungen von städtischer Seite wollen die Kreativen nicht hinnehmen. Sie wollen erfahren haben, dass das ursprünglich zugesicherte Budget nicht mehr im vollen Ausmaß zur Verfügung steht. Bei ihnen ist der Eindruck entstanden, nicht nur dem städtischen Kurator Dr. Marcus Frings sei plötzlich und ohne sein Verschulden das Projekt auf Eis gelegt und auf unsicheren Zeitraum verschoben worden. „Auch den Künstlern, Architekten, Kommunikations-Designern und anderen beteiligten Fachleuten und Behörden, die schon daran gearbeitet haben, werden mit vorgeschobenen Gründen von heute auf morgen ausgeladen. Will die Stadt Offenbach nun eine temporäre Kunsthalle oder nicht? Durch die Absage in einer solch kritischen Phase eines Projekts bleibt für alle Beteiligten kaum Spielraum mehr zu handeln.“

Rubriklistenbild: © JMG/pixelio.de

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