Schwarze Flocken im Sommer

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Unübersehbar thront über dem EVO-Kohlelager im Hafen der denkmalgeschützte Kran auf seiner Eisengitterkonstruktion. Anwohner beschweren sich darüber, dass auf dem Areal zu viel Staub aufgewirbelt wird, die EVO verweist auf die installierte Berieselungsanlage.

Offenbach ‐ Der Ausblick ist unerwartet fantastisch. Im Westen die ganze Wolkenkratzer-Pracht der Bankenmetropole Frankfurt, im Osten - eine Nummer kleiner - die Hochhäuser Offenbachs.  Von Matthias Dahmer

Und wenn die eine Bausünde am Nordring nicht wäre - die Sicht aus der obersten Etage hier in der Taunusstraße auf die blühenden Rapsfelder in Richtung Bergen-Enkheim wäre perfekt. Deshalb würden sie auch nie wegziehen wollen, sagen Sandra und Thomas Walter (Name von der Redaktion geändert). Im Laufe der Jahrzehnte sind sie bekennende Offenbacher geworden, haben die Stadt trotz ihrer Unzulänglichkeiten lieben gelernt.

Und wenn sie dann im Sommer auf ihrer mit der Liebe zum Detail eingerichteten großen Terrasse sitzen, dann trübt eigentlich nur eines ihren Nachmittagskaffee: Die schwarzen Flocken, die mitunter vom Flachdach herunterwehen. „Da wird jetzt über Umweltzonen nachgedacht, und wir müssen seit Jahren mit dem Staub vom Kohlelager der EVO klar kommen“, sagt Thomas Walter und wischt mit dem Zeigefinger übers rußgeschwärzte Geländer.

Nur einige hundert Meter von der Walter’schen Terrasse entfernt.

 Zwei bis dreimal im Jahr ist eine Grundreinigung der Terrasse angesagt, die Figuren aus einst weißem Porzellan sind schon gar nicht mehr sauber zu kriegen. Bei feuchter Witterung, räumen die Walters ein, ist der Staub kein Problem. Ist es jedoch längere Zeit trocken, wird’s richtig ärgerlich mit der schwarzen Schicht.

Das 5.600 Quadratmeter große Kohlelager der Energieversorgung Offenbach im Hafen ist nur einige hundert Meter von der Walter’schen Terrasse entfernt. Dort holt ein denkmalgeschützter Kran den fossilen Brennstoff vom Schiff und schüttet ihn im Freien zu Halden auf. Maximal können auf dem Areal 20.000 Tonnen gelagert werden. Bei Bedarf wandert die Kohle dann via eines über den Nordring verlaufenden Förderbands ins EVO-Heizkraftwerk, das im Jahre 1986 seinen Betrieb aufgenommen hat.

Beim Unternehmen kann man nicht verstehen, dass die Halden so viel Staub aufwirbeln. „Wir hatten über Kohlestaub keinerlei Beschwerden in den letzten Jahren“, sagt EVO-Sprecher Harald Hofmann. Zumal am Standort des mehr als 100 Jahre alten Kohlelagers längst eine Wasserberieselungsanlage dafür sorgt, dass der Staub sich in Grenzen hält.

Was mit der Lagerstätte und dem alten Kohlekran passiert, wenn es mit der geplanten Hafenbebauung doch noch klappt, ist offen. Den Kran samt Eisengitterkonstruktion versetzen und das Kohlelager einhausen ist eine Option, welche die Mainviertel Offenbach Gesellschaft ins Gespräch gebracht, die sich um die Hafenentwicklung kümmert. EVO-Sprecher Hofmann sagt, Beschlüsse mit Blick auf die Bebauung sind noch nicht gefasst worden.

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